Dokumentation: Peres´ Reaktion auf Erdogan

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Deutsche Presse-Agentur

Der israelische Präsident Schimon Peres hat auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos den israelischen Militäreinsatz im Gazastreifen vehement verteidigt. Er sprach 25 Minuten - oft lautstark und sehr leidenschaftlich.

Peres wandte sich mehrmals an den neben ihm sitzenden türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan und griff ihn direkt an. Erdogan hatte vor ihm geredet und dabei Israel wegen der Gaza-Offensive scharf kritisiert. Als der türkische Regierungschef anschließend auf die Äußerungen Peres reagierte, entzog ihm der Moderator David Ignatius („Washington Post“) unter Berufung auf die abgelaufene Zeit („Wir können nicht das Dinner warten lassen.“) das Wort. Erdogan verließ daraufhin wütend den Saal.

In seiner Rede sagte Peres unter anderen (in einer dpa- Übersetzung):

„Herr Ministerpräsident, lassen Sie mich einige Dinge richtigstellen. (...) In den letzten vier Jahren (...) sind 5500 Raketen und 4000 Mörsergranaten auf das zivile Leben in Israel abgefeuert worden, willkürlich. (...) Herr Ministerpräsident, vier Tage vor der Offensive (als der israelische Regierungschef Ehud Olmert Ankara besuchte und Erdogan nach eigener Aussage nicht über die bevorstehende Militäroffensive in Gaza unterrichtet wurde) hat die israelische Regierung noch keine (diesbezügliche) Entscheidung getroffen. Israel hat den Gazastreifen (im September 2005) vollständig geräumt.

Es gibt dort keine Besatzung mehr. (...) Es gab keinerlei 'Belagerung' von Gaza. (...) Es gab keinen einzigen Tag, an dem in Gaza gehungert worden wäre. (...) Wissen Sie, was es bedeutete, wenn jeden Tag hundert Raketen auf einen abgeschossen wurden? Wenn eine Million Menschen im Schutzraum sein musste? (...) Präsident Mubarak (von Ägypten) beschuldigte (wegen der Opfer in Gaza) die Hamas und nicht uns, und er kennt die Lage um nichts weniger besser als Sie, Herr Ministerpräsident.

Präsident Abbas (Palästinensische Autonomiebehörde) beschuldigt die Hamas und nicht uns. (...) Das Problem sind die iranischen Ambitionen, den Nahen Osten beherrschen zu wollen. Sie statten die Hisbollah (im Libanon) und die Hamas mit Raketen aus. Wir haben keine andere Wahl. Was würde jedes andere Land tun? Was würden Sie tun, wenn jede Nacht zehn oder hundert Raketen auf Sie niedergehen? (...)“

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