Diskussion um Waffen in Privatbesitz

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Deutsche Presse-Agentur

Nach dem Amoklauf von Winnenden müssen nach Ansicht des Staatssekretärs im Bundesinnenministerium August Hanning die Regelungen für Waffen in Privatbesitz verbessert werden. „Die Aufbewahrung von Waffen ist ein kritischer Punkt.“

Das sagte Hanning am Freitag bei der Eröffnung der weltgrößten Waffenmesse IWA 2009 in Nürnberg. Um den Zugang zu Waffen zu erschweren, seien Blockiersysteme, wie die Industrie sie mittlerweile entwickelt habe, sehr wichtig. Auch über den Zugang zu Waffen und Waffenschränken mit biometrischen Systemen müsse man nachdenken.

Eine flächendeckende Kontrolle von Waffenbesitzern sei aber unmöglich. Man könne nicht in jedes Haus einen Beamten schicken. Insgesamt habe sich das deutsche Waffenrecht bewährt und biete eine gute Balance zwischen dem Bedürfnis nach öffentlicher Sicherheit und den Wünschen von Sportschützen und Jägern. Hanning appellierte an die Verantwortlichen in Schützenvereinen oder Hegeringen, genau hinzuschauen und auch einzugreifen, wenn jemand des Missbrauchs von Waffen verdächtig sei.

Zu Beginn der Eröffnungsfeier hatten sich die Gäste zu einer Gedenkminute für die Opfer von Winnenden von ihren Plätzen erhoben. Sprecher der Branchenverbände äußerten sich entsetzt über die Ereignisse. „Auch wir müssen unseren Beitrag dazu leisten, dass alle, die Zugang zu Waffen haben, verantwortungsvoll damit umgehen und diese sicher aufbewahren“, sagte der Präsident des Verbands Deutscher Büchsenmacher und Waffenhändler, Jürgen Triebel.

Zugleich warnten die Verbandsvertreter vor einer weiteren Verschärfung des Waffenrechts, das bereits zu den schärfsten der Welt gehöre. Ein Verbot von Waffen in Privatbesitz könne Bluttaten wie den Amoklauf von Winnenden nicht verhindern, sagte Joachim Streitberger vom „Forum Waffenrecht“ in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. „Das wirkliche Problem sind die illegalen Waffen“, sagte er. „Selbst mit einem Totalverbot würde man nur 20 bis 30 Prozent aller Waffen erreichen.“ In deutschen Privathaushalten lagerten nach Schätzungen legal zwischen sieben und zehn Millionen Waffen, sagte Streitberger. Dagegen gingen Sicherheitsbehörden davon aus, dass die Zahl der illegalen Waffen in Deutschland bei über 40 Millionen liege.

Waffen von Sportschützen oder Jägern nur noch zentral aufzubewahren, sei ein kindischer Vorschlag, sagte Streitberger. „Ansammlungen von Waffen ziehen Kriminelle an.“ Die Polizei könne solche Depots beispielsweise nachts nicht ausreichend überwachen. „Diebe hätten viel Zeit, um sich in aller Ruhe zu bedienen.“ Gegen ein zentrales Waffenregister spreche aber nichts. „Wenn die Politik das will - wir haben nichts zu verbergen“, betonte der Experte vom „Forum Waffenrecht“, einem Zusammenschluss von Jägern, Sportschützen und Sammlern.

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