Direkt von der Uni: Studenten als Autoentwickler

Lesedauer: 6 Min
Deutsche Presse-Agentur

Theorie ist grau, trocken und meistens wenig inspirierend. Erst wenn Motoren Räder drehen und Autos fahren, werden Physikunterricht oder Maschinenbau wirklich spannend.

Deshalb versuchen sich immer mehr Schüler und Studenten als Autoentwickler und starten vom Hörsaal aus auf die Überholspur. Oft reicht es dabei zwar allenfalls für Pokale und Prämien bei Ideen- und Konstruktionswettbewerben oder Sparfahrten. Doch hin und wieder schaffen es die rollenden Diplomarbeiten sogar auf die Straße.

Zu den wichtigsten Gipfeltreffen der Nachwuchsentwickler zählt der vom Mineralölhersteller Shell ausgerichtete Eco-Marathon, an dem sich im Jahr 2008 allein aus Deutschland 13 Teams von Schulen und Universitäten beteiligten. Ihr Ziel: Mit der Energie aus einem Liter Benzin eine möglichst lange Strecke zu fahren. Dafür haben sie extrem sparsame Rennzigarren entwickelt, die mit einem normalen Auto bis auf die Räder nicht mehr viel gemein haben.

„Wer so konsequent sparen will, muss auf alles verzichten, was er am Auto liebgewonnen hat“, sagt Thomas Mäder vom 30 Studenten starken Team Fortis Saxonia an der Technischen Universität Chemnitz, das bereits sein drittes Sparauto SAX3 im Rennen hat. „Uns geht es vor allem um den Beweis, dass derart sparsame Fortbewegung möglich ist.“ Der Einsitzer mit Brennstoffzelle verbraucht umgerechnet weniger als 0,04 Liter auf 100 Kilometer verbraucht. „Wir wollen uns frühzeitig mit solchen Technologien beschäftigen und darauf vorbereitet sein, wenn diese Ansätze vielleicht in normale Autos einfließen.“

Ebenfalls an den Nachwuchs richtet sich die vom Verein Deutscher Ingenieure (VDI) in Düsseldorf ausgeschriebene Formula Student Germany (FSG), bei der 2008 insgesamt 77 Teams mit zusammen 1800 Studenten zu einem Rennen auf dem Hockenheimring angetreten sind. Allerdings ging es dort nicht um den Verbrauch, sondern um Fahrdynamik. Außerdem wurden das Design und die Kostenkalkulation der jeweils auf ein Jahr angelegten Projekte untersucht.

Den Ausrichtern gilt der auch für 2009 wieder angesetzte Wettbewerb als Spielwiese und Talentbühne gleichermaßen: „Durch die interdisziplinär und multifunktional geprägte Aufgabenstellung können die Studenten ihr theoretisches Wissen praktisch anwenden“, sagt Organisator Tim Hanning. Deshalb sei es nicht überraschend, dass die Kandidaten später beste Chancen auf qualifizierte Stellen in der Industrie haben. Nicht umsonst wird die FSG von vielen Fahrzeugherstellern und Zulieferern finanziell unterstützt.

Doch es braucht nicht immer große Rennen für große Entwicklungen. So haben zum Beispiel Studenten der Fachhochschule Dortmund ein extrem leichtes Dreirad mit zwei Sitzen vorgestellt. Es fährt mit Hilfe zweier Radnabenmotoren rein elektrisch und kommt mit einer Batterieladung immerhin 100 Kilometer weit. Zwar sieht das Vehikel mit dem sperrigen Typkürzel „eLTeC“ noch aus wie eine bessere Seifenkiste. Sie muss sich außerdem noch im Crashtest bewähren, hat keine Straßenzulassung und ist nach Angaben des Lehrstuhls nur etwa 50 km/h schnell. Dafür kann sie fast so viel wie die gerade von den Profis getesteten Elektroautos Mini E oder Smart ed - nur dass diese mehr als viermal so viel wiegen und dreimal so teuer sind.

Ebenfalls als Autoentwickler profiliert haben sich Studenten der RWTH Aachen, die zum 100. Jubiläum des legendären Modell T von Ford die Neuinterpretation eines leichten, schlichten und preiswerten Massenautos entworfen haben. Ihr Entwurf ist ein kleiner Dreisitzer mit offener Ladefläche, der nur 800 Kilogramm wiegt, für weniger als 5000 Euro produziert werden könnte und je nach Motorvariante zwischen 54 und 100 Gramm CO2 pro Kilometer ausstoßen würde. Das hat dem Hersteller des Originals so imponiert, dass der US-Konzern die Aachener zum Sieger ihres Nachwuchswettbewerbs erklärt haben. Aus der aktuellen Misere allerdings wird dieses Auto den wankenden Riesen kaum retten: Denn konzipiert ist die Tin Lizzy aus Aachen für 2015.

Dass es auch schneller gehen kann und solche Entwürfe tatsächlich ihren Weg aus dem Zeichenblock der Uni in Konstruktionsbüros und auf die Straße finden können, beweist ein Beispiel aus Großenhain bei Dresden. Dort baut die Funke & Will AG seit mittlerweile sieben Jahren den YES!-Roadster in Serie. Dabei war auch dieser Zweisitzer ursprünglich nichts anderes als die Vision der beiden Studenten Herbert Funke und Philipp Will, die sie fünf Jahre vorher als ihre Diplomarbeit eingereicht hatten.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen