Digitalisierung in Gammertingen sorgt für Kopfzerbrechen

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Lisa Winter kommt mit ihrem dreijährigen Sohn Leo (Foto) und ihrem neun Monate alten Sohn Pepe regelmäßig in die Bücherei.
Lisa Winter kommt mit ihrem dreijährigen Sohn Leo (Foto) und ihrem neun Monate alten Sohn Pepe regelmäßig in die Bücherei. (Foto: Sebastian Korinth)

Mit gemischten Gefühlen hat Stefan Bihler, Leiter der Stadtbücherei in Gammertingen, am Dienstag seinen Jahresbericht im Gemeinderat vorgestellt. Einerseits berichtete er von einem Anstieg der Ausleihen um 3,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Andererseits gibt es einen insgesamt negativen Trend beim Ausleihen von Kinder- und Jugendbüchern – auch wenn sich dieser im vergangenen Jahr ausnahmsweise nicht bestätigte. Kopfzerbrechen bereiten dem Bücherei-Team aber auch die Nonbook-Medien und die Sachbücher.

Den Nutzern der Stadtbücherei standen im vergangenen Jahr 20 600 Medien zur Verfügung: Kinder- und Jugendliteratur (33 Prozent), Sachbücher (29 Prozent), Romane (22 Prozent), CDs, DVDs und Spiele („audiovisuelle Medien“, 13 Prozent) und Zeitschriften (3 Prozent). Am häufigsten ausgeliehen wurden Kinder- und Jugendbücher, gefolgt von audiovisuellen Medien, Romanen und Sachbüchern. „Bei den Romanen haben wir mit rund 11 000 Ausleihen einen Rekord verzeichnet“, sagte Stefan Bihler im Gemeinderat. Im Vorjahr waren es 10 300 gewesen. Insgesamt stieg die Zahl der Ausleihen von 50 173 auf 51 846.

Einen Rückgang verzeichnete die Bücherei beim Verleihen von Sachbüchern, DVDs, CDs, Spielen und CD-ROMs. Ein Plus gab es neben den Romanen auch bei den Zeitschriften, bei den digitalen Medien („Onleihe“) und bei den Kinder- und Jugendbüchern. Doch der Zuwachs bei den Kinder- und Jugendbüchern ist offenbar nur eine Ausnahme. In den vergangenen Jahren seien die Ausleihen immer weiter zurückgegangen, sagte Stefan Bihler. Gründe dafür sieht er im zunehmenden Besuch von Ganztagsschulen und in der veränderten Mediennutzung bei Kindern und Jugendlichen. Diese greifen immer häufiger zum Smartphone als zum gedruckten Buch.

Sachbuchbestand als Sorgenkind

Als „Sorgenkind“ bezeichnete der Büchereileiter den Sachbuchbestand. Trotz rückläufiger Entleihungen sei es aber wichtig, daran festzuhalten. In seinem Bericht verweist Stefan Bihler auf den Schulstandort Gammertingen, für den die Bücherei Sachbücher für Referate oder Seminararbeiten bereitstellen müsse. Der Bestand dürfe sich deshalb nicht nur auf Ratgeberliteratur in populären Sachgebieten konzentrieren.

Den höchsten Umsatz – dieser gibt an, wie oft jedes Medium im Jahr durchschnittlich entliehen wurde – verzeichnete die Bücherei bei Nonbook-Medien, vor allem bei DVDs und CDs. Doch auch in diesem Bereich deutet sich ein Rückgang an, weil Streaming-Dienste eine immer größere Rolle einnehmen. Dennoch will Stefan Bihler auch an den Nonbook-Medien festhalten, damit Kindern und Jugendlichen die entsprechende Medienkompetenz vermittelt werden kann.

Obwohl die Bücherei insgesamt unter der Digitalisierung leidet, blicken die Verantwortlichen optimistisch nach vorn. „Die hohe Akzeptanz durch die Bevölkerung bestätigt uns in unserer Arbeit“, schreibt Stefan Bihler in seinem Bericht. Auch Bürgermeister Holger Jerg zog alles in allem ein positives Fazit. Insgesamt 80 000 Entleihungen in den kooperierenden Büchereien in Gammertingen und Winterlingen seien eine „stolze Zahl“, sagte er.

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