Dieses Vorgehen könnte der Insel schaden

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Dirk Augustin
Dirk Augustin (Foto: cf)
Redaktionsleiter

Lindau - Dass Bewohner und Geschäftsleute auf der Insel Angst bekommen, ist nachvollziehbar. Denn in zwei Jahren gibt es auf der Hinteren Insel wegen der Vorbereitungen für die Gartenschau kaum mehr Parkplätze, bisher ist aber kein Plan erkennbar, wo die Autos dann stehen sollen. Dabei kann jeder derzeit täglich auf dem Seeparkplatz sehen, wie nötig diese Stellplätze sind.

Vor diesem Hintergrund ist es gut, dass die Verwaltung sich von der Idee einer Tiefgarage am Beverplatz verabschiedet hat, weil Planung, Genehmigung und Bau viel zu lange dauern und viel zu teuer würden. Zudem läuft die Planung für ein Parkhaus am Berliner Platz, das nicht nur für Bahnfahrer gedacht ist, sondern auch als Auffangparkplatz für die Insel funktioniert. Leider kommt diese Erkenntnis sehr spät in einem Prozess, der schon einige Jahre dauert.

Auf der anderen Seite stehen die Stadträte, die sich einer Zahl von 700 Stellplätzen verpflichtet fühlen, die sie vor einigen Jahren mal für den Beverplatz genannt haben. Das war aber bevor Fachbüros für Lindau ein Konzept für Verkehr und Parken erstellt haben, unter Beteiligung der Bürger und vom Stadtrat verabschiedet. Es wäre doch fahrlässig, diese Erkenntnisse bei den weiteren Planungen außer Acht zu lassen. Und die Erkenntnisse lauten nunmal, dass eine Entlastung des Berliner Platzes nur möglich ist, wenn die Tagesgäste ihre Autos vorher abstellen.

Die Fachleute erklären zudem eindeutig, dass Tagesgäste solch ein Angebot gerne annehmen, wenn es eine gute Shuttleverbindung gibt. Deshalb ist der Standort neben dem neuen Reutiner Bahnhof so gut, von dem aus zumindest alle zwanzig Minuten ein Zug auf die Insel fahren wird. Wenn die Autos der Tagesgäste außerhalb bleiben, wäre auf und direkt vor der Insel viel Platz für die Fahrzeuge derjenigen, die dort einkaufen oder zum Essen gehen wollen, die einen Arzttermin haben, die dort wohnen oder arbeiten.

Die Räte müssen nun aufpassen, dass sie mit einem übergroßen Parkhaus am Beverplatz nicht weitere Zeit verlieren. Denn egal wie der zu erwartende Bürgerentscheid ausgeht, ist mit all den nötigen Ausschreibungen, Planungen, Genehmigungen und Verzörgerungen, die Lindau aus laufenden Projekten zur Genüge kennt, eine Fertigstellung im Sommer 2020 nicht möglich. Dann wäre inzwei Jahren aber der Seeparkplatz weg, und der Beverplatz auch, weil es dort eine Baustelle gäbe. Das ist sicher nicht im Sinne der Insulaner. Das würde der Insel schaden.

Deshalb sollten sich die Stadträte bis zur Entscheidung Ende September nochmal gründlich nachdenken, ob sie wirklich vorrangig auf den Beverplatz setzen und mit der Zahl von 700 Stellplätzen an die obere Grenze gehen wollen.

d.augustin@lindauer-zeitung.de

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