Dieses Jahr soll’s wieder weihnachten – „Spektakulatius“ planen vier Konzerte

 Spektakulatius im KubAA 2020. Von links: Ralf Meiser, Christian Steiner, Thomas Göhringer, Martina Fritz, Christian Bolz, Flori
Spektakulatius im KubAA 2020. Von links: Ralf Meiser, Christian Steiner, Thomas Göhringer, Martina Fritz, Christian Bolz, Florian Blau, Aysun Idrizi und Markus Braun. (Foto: Michael Häußler (Archiv))
Redakteur / Regio-Onliner Ostalb

Corona und die Kunst. Nachdem den Sommer über allen voran Musiker wieder Hoffnung schöpfen konnten – wie bereits im vergangenen Jahr – bereitet der Herbst erneut Kopfzerbrechen. Die Infektionszahlen steigen auf noch nie dagewesene Höchstwerte, alles bleibt unsicher. Jede Veranstaltung steht auf wackeligen Beinen.

So auch die nach dem Ausfall im vergangenen Jahr vier geplanten Konzerte der Weihnachtsband „Spektakulatius“. Zwar alles mit 2G geplant, doch die Regelungen und Vorgaben überholen sich zum Teil von selbst. Davor haben auch die Musiker Bammel, die dem ersten Gig am 4. Dezember entgegenfiebern. Alles zeitverzögert, wie sie sagen, aufgrund der übermäßig hohen Planungsarbeit.

Eigentlich - eines DER Wörter der Pandemie

Zugeschaltet via Videotelefonie sind die Aalener Christian Bolz und Thomas Göhringer, zwei von acht der Weihnachtsband, die endlich wieder auftreten will. Und das können sie auch. Oder droht eine Absage? „Eigentlich nicht“, sagt Christian Bolz. „Es gibt ja die 2G-Regel.“ Aber da ist es, das Wort, das in der Pandemiezeit Hochkonjunktur hat: eigentlich. Alles ist möglich, zu jeder Zeit, für alle Bereiche der Gesellschaft.

Und das zeigt sich auch: „Es kommen jeden Tag Absagen rein für Auftritte“, so Bolz weiter. Noch vor einigen Monaten sah es gut aus für Profimusiker wie Göhringer und Bolz. „Es war ein relativ normaler Sommer“, blickt Göhringer zurück. Aber: „Ein bisschen seltsam. Veranstaltungen schossen wie Pilze aus dem Boden.“ Jeder wollte die Zeit und Gunst nutzen. „Spannend wird sein, was übrig bleibt“, meint Göhringer, der wie Bolz als Lehrer an der städtischen Musikschule in Aalen unterrichtet und somit zumindest eine Art Sicherheit genießt.

Jeder von uns kennt Profis. Aber Nachwuchs passt besser zu uns.

Thomas Göhringer

So wie viele andere ihrer Kollegen in der Region. Göhringer, der bei „Spektakulatius“ am Schlagzeug sitzt, weiß aber auch von denen, die in den größeren Städten leben, und klarkommen müssen. „Da sieht es ganz anders aus, die mussten sich möglichst schnell Alternativen suchen.“ Wie Florian Blau, Pianist der Gruppe, der sonst extra aus dem Großraum München anreiste, um die Aalener in Weihnachtsstimmung zu spielen. „Er unterrichtet mittlerweile so viel, dass er keine Zeit mehr hat“, so Göhringer.

Seinen Platz am Klavier wird der 30-jährige Martin Sörös aus Heidenheim einnehmen. „Der kam schon früher als 16-Jähriger in den Löwenclub zu Sessions“, erzählt Christian Bolz. „An den haben wir uns erinnert und ihn gefragt.“ Denn die Musiker müssten zur Band passen. „Jeder von uns kennt Profis. Aber Nachwuchs passt besser zu uns“, ergänzt der Schlagzeuger. Und so wird auch Sängerin Martina Fritz ersetzt, die in diesem Jahr passen muss. Johanna Richter tritt ans Mikrofon, 19 Jahre alt, aus Aalen. Aufgefallen beim Jugendworkshop „Bandcamp“.

Es treten noch 14 Gastmusiker auf.

Thomas Göhringer

Also acht Band-, fünf Crewmitglieder. War’s das? Natürlich nicht. 2019 wird praktisch wiederholt, so der Hinweis von Thomas Göhringer. „Es treten noch 14 Gastmusiker auf.“ Schüler von Christian Bolz und anderen Lehrern der Musikschule. Zwei Stücke mit acht Saxophonen und ein weiteres mit sechs Klarinetten. „Die Proben waren schon super“, schwärmt Bolz von seinen Schützlingen, die zum Teil erst zehn Jahre alt sind. „Die sind schon ganz aufgeregt.“

Gleichermaßen das potenzielle Publikum. Denn die Nachfrage sei bereits rege. Bei den Vorverkaufsstellen wie beispielsweise Rad und Sport Stütz in Unterkochen klingelt ständig das Telefon. Auch bei den Künstlern selbst. Tickets gibt es allerdings erst seit Mitte der Woche. Bei Dr. Fashion in Aalen zum Beispiel oder bei Opel Spiegler. Aber wie viele Karten können sie überhaupt verkaufen - mit Blick auf Abstände und Einlasskontrollen?

In Zeiten der Corona-Krise dürfen Konzerte nicht stattfinden. Deswegen bringt Schwäbische.de Spektakulatius zu Ihnen nach Hause.

„2G sieht eigentlich Vollbesetzung vor“, sagt Christian Bolz. Dennoch hat sich die Gruppe dazu entschlossen, nicht überall jeden Platz zu besetzen. „Die Leute sollen sich auch wohlfühlen. Wir schauen jetzt, wie der Ticketverkauf läuft.“ Für die Künstler bleibt zu hoffen, dass ihnen die Fans, die sich, wie sie erzählen, sehr über den Weihnachtsgruß im vergangenen Jahr von Schwäbische.de gefreut hätten, treu bleiben. Bolz: „Ein Konzert hat Benefizcharakter, der Erlös geht nach Chile.“ Aber auch die Künstler wollen natürlich nicht leer ausgehen. „Wir sind Berufsmusiker. Wir müssen auch Geld verdienen“, so Bolz abschließend.

Die Ministerpräsidentenkonferenz am Donnerstag bringt ein wenig mehr Sicherheit. Zumindest teilweise. Denn Bund und Länder haben sich auf neue Grenzwerte geeinigt. Dabei geht es um die Belastungen der Krankenhäuser in den Bundesländern, um die sogenannte Hospitalisierungsrate. Werden drei Corona-Patienten pro 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche eingeliefert, gilt flächendeckend 2G.

Bei sechs Covid-Patienten wird das System zu 2G-Plus ausgeweitet – es wird also ein zusätzlicher negativer Coronatest benötigt. Steigt die Rate noch höher, die Grenze liegt hier bei neun, können die Länder laut Medienberichten selbstständig reagieren. Wie, das ist noch offen. Baden-Württemberg liegt aktuell, so das Landesgesundheitsamt, bei einer Hospitalisierungsrate von 5,7.

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