Die wirtschaftliche Lage der OSK ist schlimmer als befürchtet

Lesedauer: 4 Min
Medizinische Leistungen der Krankenhäuser werden in Deutschland nicht gut genug bezahlt. Dadurch sind viele Kliniken in Finanznö (Foto: Oliver Berg)
Schwäbische Zeitung

Kein Ende der finanziellen Hiobsbotschaften: Die Oberschwabenklinik (OSK) hat 2011 noch mehr Miese gemacht als ursprünglich angenommen. Nach Vorlage aller Abrechnungen und Bewertungen der Steuerprüfer sind es acht Millionen Euro statt 5,8 Millionen Euro, wie bislang bekannt, die Ende 2011 in der Kasse fehlten. Am Montag beschäftigte sich der Ravensburger Gemeinderat mit dem Thema, am Donnerstag wird sich ab 13.30 Uhr der Kreistag im Wolfegger Bauernhausmuseum damit befassen.

Im Ravensburger Gemeinderat erläuterte OSK-Geschäftsführer Dr. Sebastian Wolf die Gründe für die erneute Erhöhung des „noch nie dagewesenen Defizites trotz noch nie dagewesener Leistungskurve“. Fünf Millionen Euro mehr Personalkosten, drei Millionen Euro mehr Miete (an den Eigenbetrieb IKP des Landkreises), hohe Rückstellungen für bereits geleistete Überstunden (im Wert von 2,6 Millionen Euro) und viele weitere Posten belasten das Ergebnis. Insgesamt belaufen sich die Rückstellungen auf 9,3 Millionen Euro. Hauptschuld an der Misere ist nach Überzeugung der meisten Experten jedoch die unzureichende Finanzierung der Krankenhausleistungen durch die gesetzlichen Krankenkassen, die derzeit zum Teil Milliardengewinne einfahren. Geld, das den Kliniken in ganz Deutschland offensichtlich fehlt.

Um das drohende zweistellige Millionen-Defizit im laufenden Geschäftsjahr abzumildern, laufen gerade Gespräche mit den Gewerkschaften Verdi und Marburger Bund über einen Notlagentarifvertrag, die sich laut Wolf gut entwickeln. Aber auch ein Stellenabbau steht nach SZ-Informationen im Raum. Bei einer Mitarbeiterbefragung (Beteiligung: 50,4 Prozent) hätten sich 57 Prozent für einen Sanierungsbeitrag seitens der Mitarbeiter entschieden, so Wolf.

Wie die Schwäbische Zeitung erfahren hat, bittet die OSK ihre Gesellschafter um ein Liquiditäts-Darlehen in Höhe von maximal 27,9 Millionen Euro. Die OSK gehört zu 95 Prozent dem Landkreis und zu 5 Prozent der Stadt Ravensburg. Der Kreis trägt also 26,5 Millionen Euro, die Stadt Ravensburg 1,4 Millionen Euro. 15 Millionen Euro sind bereits gewährt worden, über den Rest entscheidet der Kreistag am Donnerstag. Es ist nicht davon auszugehen, dass die Gesellschafter dieses Geld jemals wiedersehen.

Mit Spannung erwartet werden die Vorschläge eines externen Gutachters zur finanziellen Sanierung des Klinikverbundes, die im Herbst vorliegen sollen. In einer ersten Bewertung schätzt der Gutachter, die BAB aus Bremen, die wirtschaftliche Situation nach SZ-Informationen als besorgniserregend ein. Geschieht nichts, wird die OSK im Herbst zahlungsunfähig, das gesamte Eigenkapital wäre dann aufgebraucht.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen