Die Titans setzen auf einen jungen Trainer

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Willkomman an Bord: Stelian Moculescu, Trainer des VfB Friedrichshafen (rechts) begrüßt Gegely Chowanski als neuen Kollegen.
Willkomman an Bord: Stelian Moculescu, Trainer des VfB Friedrichshafen (rechts) begrüßt Gegely Chowanski als neuen Kollegen. (Foto: Günter Kram)
Schwäbische Zeitung

In Wuppertal wird weiter Bundesliga-Volleyball gespielt. Unter dem neuen Namen A!B!C! Titans Bergisches Land geht die Mannschaft ab dem 23. Oktober an den Start. Sportdirektor Lars Dinglinger ist sich sicher, dass die neue Mannschaft das Potenzial hat, die Klasse zu halten.

Von unserem Mitarbeiter  Christian Schyma

An Frank Schranner führt noch immer kein Weg vorbei. Wer sich über den aktuellen Leistungsstand der Spieler, die Stimmungslage der Fans, Ergebnisse aus der glorreichen Wuppertaler Historie oder auch Neuigkeiten aus der großen Volleyball-Welt informieren möchte, der muss die Homepage des Wuppertaler Edelfans anklicken. Unter dem allumfassenden Titel „Volleyball beim SV Bayer Wuppertal“ lädt der Volleyball-Experte im Internet unter www.schranni.com zum Stöbern ein. Unten auf der Startseite ist auch die wohl wichtigste Nachricht der vergangenen Monate verlinkt: Unter dem neuen Namen A!B!C Titans Bergisches Land gibt es weiterhin Erstliga-Volleyball in Wuppertal zu sehen. Mit dem TSV Bayer Leverkusen vereinbarten die Titans, sportlich aus der Bundesliga abgestiegen, kurzerhand eine Kooperation und tauschten das Spielrecht mit dem Meister der 2. Liga Nord.

Mehr Tiefen als Höhen

Der hatte das Unternehmen 1. Bundesliga alleine nicht stemmen wollen, während rund 50 Kilometer weiter Geschäftsführer Thorsten Westhoff schon früh signalisiert hatte: „Wuppertal in der zweiten Liga wird es mit mir nicht geben.“ Verständlich erinnern sich die Verantwortlichen heute nur ungern an eine Saison mit vielen Tiefen und nur wenigen Höhen. „Jetzt müssen wir erst einmal niedrig pokern“, sagt Sportdirektor Lars Dinglinger. „Unsere neue Mannschaft wird Zeit brauchen, aber das Potenzial ist da. Ziel ist der Klassenerhalt, also die Play off-Teilnahme. Es wäre vermessen, zu sagen, dass wir oben mitspielen wollen.“

Die Idee einer Kooperation mit Bayer Leverkusen zeichnete sich schon früh ab, Anfang April gab es erste Gespräche. „Ich hatte deshalb schon noch Hoffnung, dass es hier weitergeht“, verrät Trainer Gergely Chowanski, der nur in Notfällen als Zuspieler selbst auf dem Parkett stehen möchte. „In der vergangenen Saison war ich Spielertrainer, jetzt will ich mehr Trainer als Spieler sein.“ Zur Entlastung soll noch ein Co-Trainer verpflichtet werden, mit einem Kandidaten ist der Verein derzeit in Verhandlung.

Bei der Zusammenstellung der neuen Mannschaft konzentrierten sich die Verantwortlichen rund um Chowanski auf junge Spieler mit viel Potenzial. „Ich bin ein junger Trainer, da muss altersmäßig ein Unterschied sein.“ Der 29-Jährige hat bei der Auswahl viel Wert darauf gelegt, dass die Neuzugänge vor allem einen guten Aufschlag haben. „Das ist heute sehr wichtig“, glaubt Chowanski. „Meine Philosophie ist, klar auf Angriff zu setzen und da ist der Aufschlag ein entscheidender Ball. Ich bevorzuge das schnelle Spiel.“ Die W-Frage war auch schnell geklärt – aus Leverkusen übernahmen die Titans mit Alexander Walkenhorst, Daniel Wernitz und Henrik Wessel die Stützpfeiler der Aufstiegsmannschaft. Gesetzt für die Stammsieben sind indes Libero Julian Stuhlmann, der neue Zuspieler Daan van Harlem und Kapitän Peter Lyck. „Daneben kämpfen noch alle um ihren Platz“, verrät Gergely Chowanski. Gute Chancen haben auch die beiden Neuzugänge Björn Matthes und der Lette Romans Sauss. Auch Trainer Chowanski hat in Wuppertal ein gutes Standing. „Er ist schon sehr lange im Verein, kennt die Strukturen und das Umfeld“, betont Sportdirektor Dinglinger. „Er ist eine sehr gute Lösung, das war kein Schnellschuss.“

In Sachen Zuschauerresonanz haben die Titans noch reichlich Nachholbedarf. Die Fans quittierten die teilweise schwachen Vorstellungen, nur zwischen 400 und 500 kamen in der vergangenen Saison zu den Heimspielen in die Bayer-Sporthalle. „Wir müssen wieder auf die 800 kommen – und gegen die Spitzenteams auch mal auf die 1000“, erklärt der Trainer. Dazu sollen die Heimspiele mit verschiedenen Aktionen verbunden werden. „Aber die Wuppertaler muss man erst mal begeistern, das ist nicht so einfach.“

Harte Realität

Der Etat, mit dem die Titans das Unternehmen Klassenerhalt angehen, ist ähnlich niedrig wie in der Vorsaison. „Wir sind weiter auf Sponsorensuche“, erklärt Lars Dingliner. Bayer hat sich bekanntlich schon vor Jahren zurückgezogen, Hauptsponsor ist der Namensgeber A!B!C. Ob man in naher Zukunft wieder dahin kommen könne, wo man Ende der 90er Jahre stand, macht der Sportdirektor am finanziellen Background fest. „Damals hatten wir einen Etat, der dreimal höher war. Langfristig ist es aber natürlich unser Ziel, sportlich wieder da hin zu kommen.“ Mit 200 000 Euro mehr könne man heute schon einige Plätze in der Tabelle gut machen, glaubt auch Trainer Chowanski. Aber die harte Realität haben die Titans ja direkt vor der Haustür – Leverkusen fehlte schlichtweg das Geld für den Aufstieg.

In Wuppertal indes steht und fällt in der kommenden Saison alles mit dem Erfolg – daran hängen Zuschauerzahlen, Sponsoreninteresse und nicht zuletzt die sportliche Zukunft. Davon, dass die Mannschaft trotz ihres jungen Durchschnittsalters und der geringen Erfahrung das Zeug zum Klassenerhalt hat, sind Lars Dinglinger und Gergely Chowanski fest überzeugt. „Es wäre schön, wenn wird das so früh wie möglich schaffen“, so Chowanski. „Über welchen Weg ist noch fraglich – vielleicht müssen wir auch den harten Weg gehen.“ Das wäre dann erneut der Umweg über die Play-downs.

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