Die schwierige Kunst des Plakatierens

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Kulturvereinen fehlt ein „Kommunikationsbudget“. Das stellt die Verwaltung in ihrem aktuellen Sachstandsbericht zum künftigen Kulturentwicklungskonzept der Stadt Friedrichshafen fest. Viele Vereine haben also nicht das Geld, das sie bräuchten, um ihre Veranstaltungen ausreichend bekannt zu machen. In Sachen Pressearbeit fehlt es oft an Erfahrung, öfter noch an Zeit. Im Grunde bräuchte man also jemanden, der Pressetexte gegen Bezahlung schreibt. Anzeigen zu Werbezwecken wiederum schalten Vereine so gut wie nie und auch große Plakataktionen leisten sie sich selten. Schließlich kosten sie doppelt – einmal für die Genehmigung von der Stadt, ein zweites Mal für den Dienstleister, der die Plakate aufzieht und sie verteilt.

In Sachen Plakatierung bleibt also oft das Klinkenputzen: Ein Vereinsmitglied geht in einen Laden und bittet darum, ein Plakat aufhängen zu dürfen. Meistens erhält man die freundliche Antwort, man solle das Plakat hier lassen, es werde ganz bestimmt aufgehängt. Gelegentlich bleibt es beim bloßen Versprechen; das Plakat verschwindet für immer hinter der Ladentheke. Vielleicht wurde es vergessen, vielleicht war der gute Wille geheuchelt. Man weiß es nicht. Es sei denn, man fragt nach und schafft es, sich dabei nicht unbeliebt zu machen.

Vergebliches Klinkenputzen

Viel öfter weiß der Klinkenputzer vom Verein aber, dass er mit seinem Plakat gar nicht erst anzutanzen braucht. Meistens dann, wenn er vor Filialen großer Firmen steht. Firmen, die die hohen Ladenmieten in den Innenstädten noch bezahlen können – mit dem Ergebnis, dass die Einkaufsstraßen zwischen Friedrichshafen und Husum überall gleich aussehen, weil hier wie dort dieselben Unternehmensketten mit ihren Einheitsdesigns sitzen. Wer trotzdem bei solchen Filialen anfragt, bekommt von der Modeboutique bis zum Schuhgeschäft eigentlich immer dieselbe Antwort: dass Veranstaltungsplakate grundsätzlich nicht aufhängt werden. Auf diese Weise machen sich solche Läden noch mehr zur fremden Insel – weil sie sich gegen das Leben sperren, das in der Stadt stattfindet.

Deshalb brechen wir eine Lanze für den alteingesessenen Häfler Einzelhandel. Er verbindet mit seinem Standort etwas. Wer ein Plakat aufhängen will, geht damit am besten zum Getränkehändler oder Metzger um die Ecke, zur Buchhandlung, zum Uhrmacher, zum Apotheker, zum Bäcker oder in die Blumenhandlung. Zu Leuten, die man oft noch mit Namen kennt. Auch wenn die freie Schaufensterfläche noch so knapp ist – man kann fast sicher sein, dass das eigene Plakat dort Platz findet; neben den Plakaten der anderen.

Vereine brauchen Plakatwände

Vereinzelt haben Veranstalter wie der Kulturverein Caserne oder das Konzertmanagement Briody es in den Plakat-Verteiler des Kulturbüros geschafft. Sie finden ihre Plakate inzwischen auf Litfaßsäulen wieder. In der Breite würde das aber nicht funktionieren, sonst müssten weitere Säulen her. Allerdings sind zusätzliche Plakatiermöglichkeiten für Vereine ohnehin dringend notwendig. Sie werden den Vereinen vom Häfler Rathaus auch schon seit Jahren versprochen – ohne, dass dem Taten folgten. Und so kannibalisieren sich die Vereine an den raren Stellen, an denen plakatiert werden kann, immer wieder gegenseitig: Da wird schon mal ein fremdes Plakat abgerissen, damit das eigene Platz findet. Gut fürs Miteinander in der „Szene“ ist das nicht.

Es spricht also einiges dafür, in der Kernstadt Plakatwände für Vereine aufzustellen. Das dürfte für die Politik auf Dauer auch billiger sein, als jedem Verein ein „Kommunikationsbudget“ zu verschaffen.

An lohnenden Kulturveranstaltungen platzt die aktuelle Woche vom 16. bis 22. April aus den Nähten: Am Dienstag, 19.15 Uhr, spricht Joachim Kunstmann in der Zeppelin-Unversität im Rahmen der Bürger-Uni über die Bedeutung der Bildung für den Menschen. Ebenfalls am Dienstag, 19.30 Uhr, verwandelt das Hans-Otto-Theater (Potsdam) im GZH Julie Zehs Roman „Unterleuten“ in eine Inszenierung: Ein geplanter Windpark entzweit die Bewohner eines Dorfs in Brandenburg. Am Donnerstag, 20 Uhr, ist der Pianist Fazil Say mit den CHAAARTS Chamber Artist zu Gast im GZH, mit Werken von Mozart und Schubert, sowie Fazil Says „Kammersinfonie“. Zeitgleich liest die deutsch-amerikanische Schriftstellerin Irene Dische im Kiesel aus ihrem Roman „Schwarz und Weiß“, einer bösen Satire auf die USA der 1960er-Jahre. Am Samstag muss man sich zwischen mehreren erstklassigen Bands aus der Region entscheiden: Im Münzhof Langenargen spielen ab 19.30 Uhr die Big Band LA sowie die Jugend-Bigband der Musikschule. Im Bürgersaal des Rathauses im Immenstaad feiert die DO X Memorial Big Band um 19.30 Uhr ihre mittlerweile 30. Jazznacht – und im Theater Atrium heizt am Samstag um 20 Uhr die Agathe Paglia Band mit Funk und Soul ein. Viel Entschlusskraft bei der Qual der Wahl!

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