Die Risiken von Abwrackprämie und Verschrottung

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Deutsche Presse-Agentur

Die Abwrackprämie lässt derzeit so manchen Altautobesitzer überlegen, seine alte Kiste in den Schrott zu geben und sich dafür einen Neuwagen zu kaufen. Allerdings bleiben Fragen offen.

Zum Beispiel die, wo der Altwagen abgegeben werden kann, was bei einer Verschrottung wirklich damit geschieht - und ob das alles auch so funktioniert, wie es gedacht ist. Die Theorie ist einfach: Das alte Auto wird zum Verschrotten gegeben, der Besitzer bekommt dafür einen Beleg und kann die 2500 Euro beantragen. Doch wo soll der Wagen abgegeben werden? Die Antwort lautet, bei einem zertifizierten Autoverwerter. Wo sich einer befindet, erfahren Altautobesitzer beim Verbund Deutscher Autoverwerter aus Regensburg. Der bietet unter „arge-altauto.de“ eine Suchmöglichkeit nach Verwertungsbetrieben in der Nähe des eigenen Wohnortes.

Allerdings ist Zahl solcher Betriebe eher gering, so dass Fachleute schon die Frage stellen, ob diese den erwarteten Ansturm überhaupt bewältigen können. „Im Großraum Frankfurt am Main gibt es kaum fünf solcher zertifizierten Verwertungsbetriebe“, sagt Dieter Ritter vom Automobilclub von Deutschland (AvD) in Frankfurt.

Während Suche und Anfahrt also etwas länger dauern können, gibt es in einem anderen Zusammenhang kaum Probleme: Denn der zwielichtige Hinterhof-Schrottplatz von einst hat längst ausgedient. „Es dürfte heute kaum noch Betriebe geben, die nicht zertifiziert sind“, sagt Manfred Groß vom Technikzentrum des ADAC in Landsberg (Bayern).

Wenn alles nach Plan geht, steht dem alten Auto eine umfangreiche Behandlung bevor, für die es zahlreiche Vorschriften gibt. Ein wichtiger Punkt ist das Trockenlegen. „Es werden alle Flüssigkeiten entnommen“, erklärt Gottfried A. Höll vom Verbund Deutscher Autoverwerter. Dazu gehören Öle ebenso wie die Bremsflüssigkeit, das Kühlwasser oder das, was sich in einer Klimaanlage befindet.

Zu den weiteren Schritten zählt die Demontage von Motor und Getriebe, oder das Separieren von Kunststoff und Glas. Außerdem entscheidet der Verwerter, ob sich einige Bestandteile des Fahrzeugs noch für den weiteren Einsatz in einem anderem Auto eignen.

Das besagte Schreddern und Pressen ist das, was gemeinhin unter Verschrotten verstanden wird - tatsächlich aber ist es nur der letzte Schritt. Der vorerst nicht verwendete Rest des Autos wird zusammengepresst und kommt in einen Schredder. Dort wiederum gibt es die Möglichkeit, die Rest-Materialien noch einmal zu separieren, um sie dem Recycling zuzuführen. Im Extremfall könnten Reste eines Kunststoffarmaturenbrettes Bestandteil künftiger Badeschlappen sein.

Kritiker warnen jedoch zum Start des erwarteten Abwrack-Marathons, dass nicht alles wirklich durchdacht ist. So sichert der Verwerter zwar in dem Nachweis zu, dass er den Wagen verschrotten wird. „Aber was dann passiert, ist die Frage“, so Gerd Lottsiepen vom Verkehrsclub Deutschland (VCD) in Berlin. Denn überprüft werde die Ausführung dieser Zusage noch nicht. In der Vergangenheit sei etwa die Hälfte der stillgelegten Fahrzeuge tatsächlich fachgerecht entsorgt worden - der Rest sei als günstiger Gebrauchter ins Ausland verkauft worden. Wer weiß: Vielleicht steht der Begriff Abwrackprämie in anderen Ländern bald für jene Zeit, als Massen günstiger Gebrauchtwagen aus Deutschland dort auf die Straßen kamen.

Verbund Deutscher Autoverwerter: www.arge-altauto.de

Das Abwrackprozedere kann auch über Autohändler abgewickelt werden. Dieter Ritter vom Automobilclub von Deutschland (AvD) in Frankfurt rät von dieser Möglichkeit im Zusammenhang mit einem angedachten Neuwagenkauf aber ab. Ein Neuwagenkäufer befinde sich immer in einer besseren Verhandlungsposition, wenn vom Händler kein gesonderter Service erwartet wird. Vorsicht sei auch beim Kauf eines Modells mit langer Lieferfrist geboten: Die Prämie gebe es erst bei Neuzulassung - und niemand wisse heute, wie lange sich noch Geld im Topf mit der Abwrackprämie befindet.

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