Die richtigen Schritte

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 Ein Kommentar von Reiner Schick
Ein Kommentar von Reiner Schick (Foto: SZ)
Schwäbische Zeitung

„Ich habe nichts gegen Fremde. Einige meiner besten Freunde sind Fremde. Aber diese Fremden sind nicht von hier.“ Getreu diesen Worten des guten alten Methusalix im Asterix-Band „Das Geschenk Cäsars“ haben am Mittwochabend einige ältere Achstetter Bürger ihr Bedauern darüber ausgedrückt, dass ihre Heimat auch nicht mehr das ist, was sie einmal war: Ein Ort, in dem der Maier den Huber kennt und umgekehrt und in dem jeder jeden grüßt.

So ein verklärter Blick zurück ist herzzerreißend, aber eben realitätsfremd. Achstetten boomt auch deswegen, weil es optimal eingebettet liegt zwischen den (ober-)schwäbischen Zentren Ulm und Biberach, die dank perfekter Anbindung an die B30 in einer guten Viertelstunde zu erreichen sind, und auch die Große Kreisstadt Laupheim nur einen Steinwurf entfernt liegt. Da ist es kein Wunder, dass der Zuzug überdurchschnittlich und die Nachfrage nach Wohnraum entsprechend groß ist. Weil es bis dato keinen Bebauungsplan gibt, musste die Gemeinde Wohnklötze dulden, die jeden Dorfcharakter zunichte machen. Deshalb sind die Veränderungssperre und der Bebauungsplan die richtigen Schritte, um Schlimmeres zu verhindern. Der mit großem Aufwand erstellte Vorentwurf mit seinen geplanten Festsetzungen ist eine gute Sache, weil er sich an den Gegebenheiten orientiert und klare Grenzen setzt.

Verständlich ist die Sorge von Bürgern, weiterer Zuzug könnte zu erheblichen Verkehrsproblemen führen. Doch auch hier scheint mit dem Stellplatzschlüssel ein probates Gegenmittel gefunden – vorausgesetzt, Verwaltung und Gemeinderat lassen sich nicht von Ablöseangeboten für Stellplätze verführen.

Apropos Verwaltung und Gemeinderat: Etwas verwundert nahm mancher Besucher des Bürgerinfoabends zur Kenntnis, dass Bürgermeister Kai Feneberg ebenso durch Abwesenheit geglänzt hat wie der Großteil des Gemeinderats, von dem nur eine Handvoll Vertreter dabei war. Feneberg begründete sein Fernbleiben am Donnerstag im SZ-Gespräch mit einem wichtigen Personalgespräch, das länger als geplant gedauert habe. Schade – es hätte dem Gemeindeoberhaupt gut zu Gesicht gestanden, sich die Sorgen seiner Bürger anzuhören.

r.schick@schwaebische.de

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