Die Rebellen: Amazonen sind Vögel mit Charakter

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Deutsche Presse-Agentur

Sie sind die Rebellen unter den Papageien: Amazonen schreien sich mit Freude die Seele aus dem Leib. Unter ihren leuchtend grünen, blauen, gelben oder auch roten Federn scheinen sie vor Selbstbewusstsein zu strotzen.

Drohgebärden und Imponiergehabe sind ihnen zudem offenbar ins Nest gelegt. Doch wer ihr Verhalten zu lesen weiß und sie richtig pflegt, wird eine Menge Spaß mit ihnen haben. „Amazonen sind sehr clever. Das kann man ausnutzen“, sagt Heike Mundt-Poettgen vom Papageien Park Bochum. Bestens beschäftigt sind die Vögel aus dem tropischen Amerika etwa, wenn der Halter Leckereien versteckt und sie danach suchen lässt. „Es gibt auch Boxen, an denen die Vögel ziehen und drehen müssen, um an ein Leckerchen zu kommen.“ Damit rege man ihre Gehirnzellen an - und könne förmlich sehen, wie die Vögel grübeln. Kein Zweifel: Amazonen wollen beschäftigt werden.

Wichtig sind auch frische Äste in der Voliere: „Die Vögel nagen sehr gerne“, sagt der Diplom-Biologe Rainer Niemann. Daneben zählt das Baden zu den Lieblingsbeschäftigungen von Amazonen. „Sie lassen sich gern mit Zerstäubern beregnen“, erläutert der leitende Redakteur des in Bretten (Baden-Württemberg) erscheinenden „WP-Magazin“, einer Zeitschrift, die sich Wellensittichen und Papageien widmet.

Auch wenn Amazonen optimalerweise als Pärchen gehalten werden und keine Kuscheltiere sind: Der Kontakt zum Menschen spielt eine große Rolle, sagt Jörg Asmus von der Vereinigung für Zucht und Erhaltung einheimischer und fremdländischer Vögel (VZE) in Leipzig. „Man sollte täglich mehrere Stunden mit dem Vogel verbringen. Zum Beispiel kann man ihnen während des Fernsehens den Kopf kraulen.“ Werden sie vernachlässigt, machen sie womöglich schreiend auf sich aufmerksam.

Amazonen sind alles andere als Eintagsfliegen: „In Menschenobhut erreichen sie häufig ein Alter zwischen 15 und 20 Jahren“, so Rainer Niemann. Zwar gibt es 31 verschiedene Arten. „Aber nur etwa eine Handvoll davon werden bei uns gehalten.“ Unter Tierhaltern am weitesten verbreitet sind Blaustirn-, Venezuela- und Gelbscheitelamazonen.

„Ihnen sollte eine Flugstrecke von mindestens fünf Metern zur Verfügung stehen“, so der Experte. Daher ist ein normaler Käfig eher nicht geeignet. Am besten seien Amazonen in einer Außenvoliere aufgehoben, in der sie am Tag überdacht sitzen können, rät Asmus. Ein direkter Zugang zum beheizbaren Schutzhaus muss sein. Dann können die Tiere sogar bei Minusgraden in die Außenvoliere gelassen werden.

„Amazonen fressen einfach alles“, sagt Niemann - aber sie sollen längst nicht alles fressen, sonst werden sie schnell fett. Vor allem gehören sogenannte Extrudate auf den Speiseplan: Trockennahrung aus stärkehaltigen Rohstoffen. Die Hauptmahlzeit gibt es nachmittags. „Dabei sollten fünf Prozent des Körpergewichts in Form von Extrudaten gefüttert werden.“ Dazu können Obst und Gemüse kommen.

„Menschliche Nahrung sollte tabu sein, auch wenn sie einen bettelnd angucken.“ Sonnenblumenkerne füttern Amazonen-Besitzer nur spärlich - wegen des hohen Fettgehalts. Als Folge falscher Ernährung drohen Stoffwechselerkrankungen und Leber-Nieren-Schäden. „Anzeichen dafür können zu lange Krallen und Schnäbel, Kurzatmigkeit und trockene Haut sein“, sagt Heike Mundt-Poettgen. Auch das Rupfen der eigenen Federn müsse nicht unbedingt, könne aber an falscher Ernährung liegen.

Wer sich Amazonen zulegen will, lässt sich nach Niemanns Worten besser nicht auf Wildfänge ein. „Man sollte sich Nachzuchten anschaffen und darauf achten, dass die Volieren des Züchters sauber sind.“ Ein seriöser Anbieter stehe auch nach dem Kauf für Fragen zur Verfügung. Amazonen gibt es zu Preisen ab 500 Euro, sagt Asmus. „Für einen geeigneten Käfig fallen noch einmal rund 300 Euro an, für das Futter 20 bis 30 Euro im Monat.“

Für unerfahrene Halter sind Amazonen weniger geeignet: „Sie sind sehr selbstbewusst. Besonders ihr territoriales Verhalten ist gewöhnungsbedürftig“, sagt Niemann. „Wenn man ihrem Käfig zu nahe kommt, benehmen sie sich wie pubertäre Rüpel.“ Amazonen testen gerne ihre Grenzen aus, gibt auch Jörg Asmus zu bedenken. „Manchmal sind sie hinterhältig, und man läuft Gefahr, gehakt zu werden.“

Fächern die Vögel ihren Schwanz, laufen sie auf der Stange nervös hin und her und verengen sich ihre Pupillen, sei Vorsicht geboten, erklärt Asmus. Allerdings könne das gleiche Verhalten auch Ausdruck von Heiterkeit sein. Genau in solchen Dingen liegt für Heike Mundt-Poettgen der eigentliche Reiz der Tiere: „Sie haben Ecken und Kanten und einen eigenen Charakter.“

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