Die Promi-Geburtstage vom 23. Januar 2009: Georg Baselitz

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Deutsche Presse-Agentur

Den Maler Georg Baselitz plagen immer noch Schuldgefühle wegen seines Weggangs aus der DDR 1957. „Es ist letztlich das Empfinden, dass das Weggehen als Lösung meiner Probleme zu einfach gewesen ist“, sagte er im vergangenen Jahr der „Dresdner Morgenpost“. Heute wird Baselitz 71 Jahre alt.

Es sei egoistisch gegenüber seiner Familie gewesen. „Ich war damals 18 Jahre alt, ungestüm und völlig unängstlich, habe das Land im Protest verlassen.“ Ob sein Weggehen für die Verwandten negative Folgen haben könnte, habe er nicht bedacht. Erst nach der Wende habe er beim Lesen seiner Stasi-Akten erfahren, dass sie alle betroffen waren. „Hätte ich das damals geahnt, wäre es vielleicht anders gekommen.“

Es ist ganz so, als ob Georg Baselitz gleichzeitig in seine Vergangenheit schauen und seine Künstlerschaft erneut unter Beweis stellen möchte. Mit den „Russenbildern“ machte der prominente Maler Schlagzeilen.

Baselitz zählt seit Jahrzehnten zu den pointiertesten deutschen Nachkriegskünstlern. Er malt sich mit den sehr eigenen Varianten sowjetischer Propaganda-Motive seine DDR-Vergangenheit vom Leibe. Selbstverständlich steht auch der Aquarell-Stalin vor lichtblauem Hintergrund auf dem Kopf, erscheint Lenin als Agitator auf der Rednertribüne kopfüber im luftigen Pointillismus.Die 180-Grad-Drehung seiner Bilder, die Baselitz-Werke seit bald 40 Jahren unverwechselbar gemacht hat, ist mehr als eine bisweilen von der Fachwelt kritisierte Masche: „Ich wollte das Bild aus der fatalen Abhängigkeit zur Wirklichkeit wegbringen“, begründet der Maler seinen Kniff, die Qualität der Malerei, das Medium an sich, jenseits von Form und Thema wirken zu lassen. Der Erstling der „Kopfstand- Bilder“, ein 1969 gemaltes Waldmotiv, erscheint dann auch eher als ein filigran-abstraktes Gespinst und nicht wie ein Baum mit dürren Ästen.Zuvor hatte Baselitz, der gerade sein Kunststudium bei Hann Trier beendet hatte, mit dem Bild eines onanierenden Knaben („Die große Nacht im Eimer“/1962/63) für einen veritablen Skandal gesorgt. Sein Ruf als raubeiniger Provokateur der Kunstszene, abhold bürgerlicher Konventionen, war damit in der Welt.Der Künstler, der am 23. Januar 1938 als Georg Kern in Deutschbaselitz (Oberlausitz) geboren wurde und nach Reibereien im Kunststudium im Alter von 20 Jahren die DDR Richtung Westberlin verließ, hatte einen eigenen Weg entdeckt. Seine Malerei im Kopfstand vermied fortan den durch NS-„Kunst“ und Ost-Malerei diskreditierten Realismus, ohne sich einer aus den USA von der Westkunst bedingungslos übernommenen Abstraktion anzubiedern.Während sich seine ebenfalls aus dem Osten stammenden Malerkollegen Gerhard Richter oder Sigmar Polke nach der Übersiedlung in den Westen eher theoretisch reflektierend mit Abbild und Wirklichkeit auseinandersetzten, schuf Baselitz kraftvolle Gemälde ganz im Erbe der expressionistischen Brücke-Maler und in den Spuren von Lovis Corinth. Sein Bildnis „Nachtessen in Dresden“ bezieht sich auf diese Vorbilder.Die mit kraftvollem Pinselstrich geschaffenen Bilder aus der verkehrten Welt des Georg Baselitz, der aus einem Schloss bei Hildesheim an den Ammersee nach Oberbayern umgezogen ist, werden zunehmend von Zeichnungen und Grafiken ergänzt. Ab etwa 1980 entstehen aus Holzblöcken kantig gesägte Skulpturen, die bisweilen Ahnungen an die Kunst des Schwarzen Kontinents aufkommen lassen: Baselitz besitzt eine der bedeutendsten Sammlungen afrikanischer Kunst in Deutschland, die er 2003 erstmals öffentlich gezeigt hat.Jüngere Werke suchen die Auseinandersetzung mit dem großen Romantiker Caspar David Friedrich - und mit dem eigenen Oeuvre: In der 2006 in München präsentierten Ausstellung „Remix“ erfand sich Baselitz neu, indem er seine früheren Werke durch erneutes Malen auch erneut interpretierte. Die Kunstwelt überraschte er zudem mit Gemälden, deren lasierend leichte Farben fast die Transparenz von Aquarellen haben.Bedeutende Ausstellungen in Deutschland oder im New Yorker Guggenheim-Museum (1995), 2007 sogar in der ehrwürdigen Royal Academy of Arts in London, die Teilnahme an der Documenta Kassel und der Biennale in Venedig, ebenso Auszeichnungen wie der Kaiserring der Stadt Goslar (1986) machten den Ruf des ruppigen Malers aus. Gern nannte er die Staatskünstler der DDR auch mal „Arschlöcher“ und warf dem heutigen Kunstpublikum vor, es interessiere sich nur für Millionen-Preise. Den größten Zuwachs erhielt nach Angaben des Magazins „manager magazin“ der Neoexpressionist Baselitz, dem 2008 - im Jahr seines 70. Geburtstages - zahlreiche Ausstellungen gewidmet waren. Baselitz belegt jetzt Platz vier in der Rangliste des Kunstkompasses.

NAME BERUF ALTER GEBURTSDATUM GEBURTSORT GEBURTSLAND BOHM, Uwe deutscher Schauspieler 47 23.01.1962 Hamburg Deutschland ANDERSON, Richard Dean amerikanischer Schauspieler 59 23.01.1950 Minneapolis USA HAUER, Rutger niederländischer Schauspieler 65 23.01.1944 Breukelen Niederlande

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