Die Priesterbruderschaft St. Pius X. in Deutschland

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Deutsche Presse-Agentur

Die erzkonservative Priesterbruderschaft St. Pius X. ist auch in Deutschland aktiv. Bundesweit betreibt sie nach eigenen Angaben 12 Priorate, 3 Schulen, ein Seminar, ein Karmel-Kloster, ein Schwesternnoviziat, ein Altenheim und etwa 30 Kapellen.

Sie bietet dort Messfeiern im alten lateinischen Ritus an. Auch Exerzitien und Einkehrtage gehören zum regelmäßigen Programm. Der deutsche Distriktsobere Pater Franz Schmidberger sitzt in Stuttgart. Er warnt vor einer Islamisierung Deutschlands durch türkische Zuwanderer und fordert eine neue katholische Missionsbewegung. Nach eigenen Angaben hat die Priesterbruderschaft mit Hauptsitz in Menzingen in der Schweiz heute 417 Priester, 62 Brüder und ebenso viele Schwestern sowie 183 Seminaristen.

Ziel der Vereinigung ist eine „Erneuerung des Priestertums“. Damit ist vor allem eine Rückbesinnung auf die mittelalterliche Tradition der katholischen Kirche gemeint. Die vom Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) ausgelöste Modernisierung der Kirche lehnt sie ab. Religions- und Gewissensfreiheit, Ökumene und Dialog der Religionen seien mit der Tradition nicht vereinbar, meinte der Gründer der Bewegung, der französische Erzbischof Marcel Lefebvre (1905-1991).

Die Priesterbruderschaft will auch die Liturgiereform rückgängig machen, die 1970 von Papst Paul VI. in Kraft gesetzt wurde. Die neue Gottesdienstordnung ersetzte den rund 450 Jahre alten tridentinischen Messritus, bei dem die Hauptgebete auf Latein gehalten werden und der Priester dem Kirchenvolk den Rücken zukehrt.

„Die Messfeiern müssen wieder mehr in lateinischer Sprache sein, sie müssen den Opfercharakter stärker betonen und die Ehrfurcht vor der heiligen Kommunion verstärken“, erklärte Schmidberger. Die Zahl der Messen im lateinischen Ritus habe sich in Deutschland seit der päpstlichen Wiederzulassung der tridentinischen Feier im Sommer 2007 verdoppelt. Die meisten katholischen Bischöfe in Deutschland wollen allerdings an der Liturgiereform festhalten und lehnen eine Ausweitung der alten Messform ab.

Nach der von Rom untersagten Weihe von Bischöfen im Jahr 1988 wurde Lefebvre exkommuniziert. Seit dem Tod ihres Gründers wird die Gemeinschaft der Traditionalisten von Bernard Fellay geführt. Der Namensgeber Pius X. (1835-1914) war der letzte Papst, der heiliggesprochen wurde. Er hatte den Kampf gegen die Modernisierung der Kirche zu einem Schwerpunkt seines Pontifikats gemacht.

Priesterbruderschaft St. Pius X.: www.shjz.info/news

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