Die Polizei setzt auch auf die Dorfältesten

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Herbert Beck
Redaktionsleiter

Korporal Sisai Bilisso, den es aus einem Nachbarkreis nach Jarso verschlagen hat, und sein Kollege Abesa Deredschi ermitteln an diesem Tag in Bedada in einer Familienangelegenheit. Der Streit dreht sich um die Höhe der Mitgift bei einer Heirat. Keine der beiden Parteien will nachgeben, Sisai Bilisso übernimmt ungern diese Fälle: „Wir versuchen immer, zunächst die Dorfältesten einzuschalten, sie kennen sich am besten aus.“ Nicht immer klappt das.

Der 30-Jährige nennt die Lage in dem Landkreis, der in der Vergangenheit als durchaus aufrührerisch galt, ruhig, „aber es ist nicht meine Aufgabe, über politische Dinge zu reden“. Gerade 23 Beamte wachen über Recht und Ordnung in der Region, in der etwa 126000 Menschen leben. Am Tag nach den Ermittlungen in Bedada befindet sich der Korporal wieder in der Kreisstadt Jarso im Einsatz, der Markttag erfordert erhöhte Wachsamkeit. Bilisso regelt den Verkehr auf der Durchgangsstraße, mit seiner Trillerpfeife bahnt er den Weg frei für ein Paar Kleinbusse, einem Fahrzeug der Böhm-Stiftung weist er dienstbeflissen einen Platz zum Abstellen zu. Und er berichtet erleichtert: „Der Streit im Dorf ist geschlichtet worden.“ Das erspart ein Protokoll. Als sich zwei Bauern kurz anschnauben, weil sie sich nicht über den Preis für einen Esel einigen können, rückt der Korporal seine Mütze zurecht und fuchtelt kurz mit seinem Stock durch die Luft. Das wirkt schlichtend. Nach einer herzhaften Umarmung ziehen die beiden Männer von dannen.

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