Die Pflege kann nicht ins Homeoffice

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Pflegerin kümmert sich um Senior im Sessel
Pflegekräfte in der Alten-, Behinderten-, oder Suchthilfe können nicht einfach im Homeoffice arbeiten. Soziale Einrichtungen fordern deshalb zusätzliche Maßnahmen angesichts des sich ausbreitenden Coronavirus. (Foto: Die Zieglerschen/Rolf Schultes)
Schwäbische Zeitung

Soziale Einrichtungen müssen angesichts des Corona-Virus besondere Vorsicht walten lassen. Die damit verbundenen finanziellen Belastungen dürfen nicht an den gemeinnützigen Trägern hängen bleiben, fordert das diakonische Sozialunternehmen „Die Zieglerschen“ in einer Pressemitteilung.

Die Bundesregierung hat angekündigt Sofortmaßnahmen zur Stabilisierung der Wirtschaft zu ergreifen. Soziale Einrichtungen werden hier jedoch nicht erwähnt. Dabei sind gerade sie angesichts der Corona-Pandemie besonders verwundbar: In Pflegeheimen, Wohnangeboten für Menschen mit Behinderung oder Suchtkliniken werden viele Menschen aus besonders gefährdeten Risikogruppen betreut.

Aktuelle Maßnahmen genügen nicht

„Unsere Mitarbeitenden vor Ort gehen sehr besonnen und professionell mit der Thematik um. Im Zweifel entscheiden wir uns immer dafür, Leute heimzuschicken“, erklärt Gottfried Heinzmann, Vorstandsvorsitzender bei den Zieglerschen in Wilhelmsdorf.

An den besonders hohen Standards der sozialen Einrichtungen festzuhalten, hält Heinzmann für unverzichtbar. Er stellt klar: „Andere Unternehmen schicken ihre Mitarbeitenden auch nach Hause, um der Verbreitung des Virus vorzubeugen. Doch die können dann einfach von zu Hause aus arbeiten. Pflege geht aber nicht im Homeoffice.“

Kostenträger drohen mit Leistungseinstellung

Besonders drastisch könnte es Sucht-Rehakliniken treffen. Andreas Schmidt, der bei den Zieglerschen den Geschäftsbereich Suchthilfe leitet, berichtet: „Unser Kostenträger, die Deutsche Rentenversicherung Bund, hat uns Anfang März in einem Schreiben mitgeteilt, dass sie die Zahlung für die Reha-Leistungen einstellt, wenn eine Einrichtung vom Gesundheitsamt unter Quarantäne gestellt wird. Das könnte für die ohnehin kaum auskömmlich refinanzierten Kliniken den Ruin bedeuten.“

Finanzielle Zusagen nötig

Vorstand Gottfried Heinzmann bewertet den derzeitigen Fokus der öffentlichen Debatte kritisch: „Die besonderen Herausforderungen für die Sozialwirtschaft müssen in der aktuellen Situation mehr Beachtung finden. Freigemeinnützige Träger sind Non-Profit-Unternehmen, die zusätzliche finanzielle Belastungen nicht ohne weiteres schultern können. Deshalb braucht es klare finanzielle Zusagen von Bund und Ländern.“

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