Die Motorradsaison Schritt für Schritt vorbereiten

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Deutsche Presse-Agentur

Man könnte meinen, der Mensch sei ein lernfähiges und vernunftbegabtes Wesen. Beim Blick auf den jährlichen Start der Motorradsaison sind allerdings Zweifel angebracht.

Denn obwohl so mancher Biker schon seit Jahren mit den wiederkehrenden Anfangsproblemen einer Saison vertraut sein sollte, häufen sich in den ersten Monaten die Unfälle. Die Gründe dafür sind immer die selben: mangelnde Vorbereitung von Mensch und Maschine, nicht selten in Verbindung mit einer Portion Selbstüberschätzung. Wer mit dem Motorrad heil durch die ersten warmen Frühlingswochen kommen möchte, sollte daher Tipps der Experten des Instituts für Zweiradsicherheit (ifz) in Essen, des Deutschen Verkehrssicherheitsrates (DVR) in Bonn sowie von Automobilclubs wie ADAC und ACE berücksichtigen.

RISIKOBEWUSSTSEIN: Das Wissen über die möglichen Risiken und Gefahren ist ein wichtiger Punkt gerade für einen Motorradfahrer. Niemand sollte vor der ersten Ausfahrt Angst haben - aber es kann nicht schaden, daran zu denken, dass jeder fünfte Biker pro Jahr mindestens einen Zusammenstoß oder Sturz erlebt. Und Vorsicht ist gerade zum Saisonbeginn angebracht: 35 bis 40 Prozent der im Jahr tödlich verunglückten Zweiradfahrer kommen laut dem ACE in Stuttgart in den Frühlingsmonaten bei Verkehrsunfällen ums Leben.

SICHERHEITS-CHECK: Jeder Motorradfahrer sollte Wert darauf legen, dass das Zweirad vor der ersten Ausfahrt in einem optimalen technischen Zustand ist. Wichtig ist unter anderem eine Überprüfung der Bremsflüssigkeit. Die Reifen sind auf Risse zu überprüfen, das Profil sollte noch eine ausreichende Tiefe haben - empfohlen werden vier Millimeter als Mindestmaß. Menschen mit einem wenig ausgeprägten Faible für Schraubereien am Fahrzeug sollten sich rechtzeitig einen Werkstatt-Termin sichern, damit die Fachleute das Motorrad vor dem Start in Augenschein nehmen können.

FITNESS: Nicht nur die Technik, auch der eigene Körper sollte auf die kommenden Anforderungen vorbereitet werden. Denn anders als Autofahren ist das Bewegen eines Motorrades auch eine sportliche Betätigung. Ein Fitness-Training kann sich daher als nützlich erwiesen - gerade die Muskulatur im Bereich der Arme, Schultern und des Nackens wird bei der Fahrt beansprucht.

GEFÜHL: Auch wenn ein Fahrer über eine längere Erfahrung mit dem Motorrad verfügt, ist jeder Saisonstart auch wieder eine Sache der Eingewöhnung. Das Gefühl für das Zusammenspiel von Mensch und Maschine muss sich neu entwickeln. Niemand sollte daher gleich versuchen, sich wieder an die aus der Vorsaison bekannten Grenzbereiche heranzuwagen - so etwas kann schnell im Unfall enden.

ÜBUNG: Vor der ersten Ausfahrt sollte der Umgang mit dem Motorrad mit gefahrlosen Übungen geprobt werden. Als sinnvoll gilt der Fahrschulklassiker „eine Acht fahren“ - so gewöhnt sich der Fahrer wieder an das Handling der Maschine. Außerdem ist es ratsam, eine Strecke von mehreren hundert Metern so langsam wie möglich zu fahren, um ein Gespür für die Balance des Zweirades zu bekommen. Eine weitere Übung ist der „Trialstopp“: langsam fahren, bis zum Stillstand abbremsen und kurz verharren, ohne die Füße von den Rasten zu nehmen.

BEKLEIDUNG: Auch wenn die ersten Frühlingstage bereits warm erscheinen, darf auf die richtige Bekleidung nicht verzichtet werden. Wärmende Unterbekleidung in Verbindung mit einem Nierengurt gilt als sinnvoll. Motorradkleidung schützt aber nicht nur vor der Witterung, sondern mit etwas Glück auch vor Verletzungen bei einem Unfall: Neben dem Schutzhelm gehören daher Jacken und Hosen beziehungsweise Motorradkombis sowie Protektoren zur Ausstattung. Im Hinblick auf die Sicherheit gilt zudem, dass ein Motorradfahrer gut sichtbar sein sollte - besonders geeignet ist Bekleidung in auffälligen Farben.

TOURENPLANUNG: Gerade bei den ersten Ausfahrten sollte es sich nicht um Langstrecken handeln. Mehr als ein bis zwei Stunden sollten die Ausritte nicht dauern, ein Tagespensum von 200 Kilometern wird als Maximum genannt. Weil es sich zunächst um Eingewöhnungsfahrten handelt, wird auf die Mitnahme eines Sozius besser verzichtet.

STRAßENSCHÄDEN: Zum Saisonbeginn muss auch auf einer eigentlich bekannten Strecke mit neuen Straßenschäden gerechnet werden, die zusätzliche Gefahren darstellen. Das gilt unter anderem für noch nicht ausgebesserte Frostaufbrüche im Asphalt. Reste von Split sorgen zudem für Rutschgefahr - speziell in der Dämmerung und Dunkelheit kann auch noch Reifglätte für Probleme sorgen.

ANDERE VERKEHRSTEILNEHMER: Durch ihre Abwesenheit während der kalten Jahreszeit sind Motorradfahrer im Bewusstsein vieler anderer Verkehrsteilnehmer nicht mehr präsent. Sie müssen sich erst wieder an die schmale Silhouette und die möglichen Geschwindigkeiten gewöhnen. An Kreuzungen und Einmündungen ist es daher ratsam, lieber einmal mehr nach rechts und links sowie in den Rückspiegel zu schauen.

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