Die EAV spottet zum Abschied besonders bitter

Lesedauer: 4 Min
Erste Allgemeine Verunsicherung
Die Erste Allgemeine Verunsicherung zieht einen Schlussstrich. (Foto: Felix Hörhager / DPA)
Deutsche Presse-Agentur
Elena Koene

Der „Märchenprinz“ geht in Rente: Nach mehr als 40 Jahren macht die österreichische Pop-Rockband Ersten Allgemeine Verunsicherung (EAV) Schluss und verabschiedet sich mit dem Album „Alles ist erlaubt“ samt finaler Tournee.

Auf ihrem letzten Studioalbum hat sich die EAV tatsächlich sowohl musikalisch als auch textlich einiges erlaubt. Herausgekommen ist ein hochpolitisches und gesellschaftskritisches Album in musikalisch teilweise recht simplem Gewand, auf dem es - entgegen dem klamaukigen Ruf - eher wenig zu lachen gibt.

Schon in den vergangenen Jahren wurden die Lieder der EAV, die vor allem für Spaßhits wie „Küss die Hand, schöne Frau“, „Ba-Ba-Banküberfall“ oder „Märchenprinz“ bekannt ist und mehr als zehn Millionen Einheiten verkauft hat, immer weniger klamaukig und stattdessen bitter ironisch und anklagend. Für die Köpfe der Band - Sänger Klaus Eberhartinger und Texter und Komponist Thomas Spitzer - sind die kritischen Lieder heute auch dringend notwendig. „Ein Lied wird zwar nicht die Welt verändern, aber als intellektueller Künstler hat man die Pflicht, Stellung zu beziehen“, sagt Spitzer der Deutschen Presse-Agentur in München.

Und Stellung wird auf dem Album reichlich bezogen. Zu Wendehals-Politikern und Internet-Terroristen: „Früher brachte man den Feind auf Augenhöhe um - heut killt man hinterrücks im sozialen Medium“, heißt es in dem Titelsong „Alles ist erlaubt“. Zur Flüchtlingskrise stellt die EAV fest: „Das neue Motto heißt anstatt willkommen: Ab heute wird zurückgeschwommen“. Den rechten Mitläufern bescheinigt die Truppe „dem Pöbel mangelt es an Wissensdurst - er brät sich lieber eine Blut- und Bodenwurst“ und natürlich kriegt auch die Kirche ihr Fett weg: Denn „im Zölibat, geht's den Knaben an die Hosennaht.“

Untermalt werden die kritischen Songs teilweise von schmissigen Melodien und simplen Rhythmen. Dieser recht typische EAV-Sound, der bei manchen Liedern arg altbekannt wirkt, zieht sich aber keineswegs durch das gesamte Album. Es gibt auch ruhige und nachdenkliche Nummern. Für das melancholische Lied „Gegen den Wind“ hat Eberhartinger dem österreichischen Sänger Lemo das Mikrofon überlassen - das Lied könnte auch von einem Mark-Foster-Album stammen.

Auch Gastmusiker hat die Gruppe ins Tonstudio eingeladen und einen Großteil der Songs live eingespielt. „Zum Ende hin haben wir uns eben alles erlaubt“, sagt Spitzer. „Der Titel gilt ja nicht nur als Motto unserer Zeit, in der weder moralisch noch verbal Grenzen gelten, sondern auch uns. Wir hatten jahrelang die EAV-Pflicht, immer lustig sein zu müssen, das heben wir nun auf und sicher wird sich der eine oder andere fragen: Und wo ist der Gag?“ Für diejenigen Fans der EAV, die der Truppe weiter nach dem Märchenprinzen treu geblieben sind, wird die Verneinung der Frage wohl kaum ein Problem sein.

Website EAV

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen