Die Dorfsanitäter erwarten Aufschwung durch den Schulbau

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Herbert Beck
Redaktionsleiter

Salomon Sisai, ein 24-jähriger junger Mann mit 12-monatiger Grundausbildung in der Krankenpflege, fühlt sich als Pionier im äthiopischen Gesundheitswesen. Er hat in Bedada Arbeit gefunden in einer kleinen privaten Krankenstation, die ein Arzt aus der Kreisstadt Jarso betreibt. Sisai stammt aus Südäthiopien, in seiner 1600 Kilometer entfernten Heimat fand er jedoch keine Arbeit. Jetzt kümmert er sich in seinem dunklen, unaufgeräumten Behandlungszimmer um Durchfallerkrankungen, um Bronchitisfälle, um Parasitenbefall – wenn der Chef Medikamente besorgt hat. Sisai kann diese aber nicht gekühlt aufbewahren, es fehlt der Strom. Häufig kommen die Menschen auch ohne Geld zu ihm. „Es ist wirklich hart hier“, sagt der junge Mann, der sein kärgliches Verdienst so gut es geht auf die hohe Kante legt, um bald eine Weiterbildung finanzieren zu können.

Mohammed Sheik Moussa, 45 Jahre alt und elffacher Vater, betreibt hinter seinem kleinen Gemischtwarenlädelchen eine weitere Gesundheitsstation. An seinem Spritzenbesteck klebt getrocknetes Blut, Löcher überziehen die Decke auf seiner Liege für Untersuchungen. Der Raum riecht nach Kerosin, das er in einer alten Leuchtfunzel verbrennt. Seit 22 Jahren geht Moussa nach einer einjährigen Ausbildung seinem Zweiterwerb nach und behauptet: „Die Leute vertrauen mir.“ Umgerechnet zwei Euro verlangt er bei schweren Erkrankungen, bis zu 30 Fälle behandelt er in der Woche. Moussa hofft, dass durch den Schulbau bald auch mehr Geld in das Dorf kommt und den Umsatz erhöht: „Nur dann kann ich die Menschen besser versorgen.“

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