Die Autowelt als Markenkarussell - Neue Anbieter

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Deutsche Presse-Agentur

Je schwieriger die Zeiten, desto schneller dreht sich in der Autowelt das Markenkarussell. Während bekannte Marken auf der Kippe stehen, drängen neue Hersteller auf den Markt.

Nachdem über viele Jahrzehnte kaum ein neuer Anbieter auf den Plan getreten oder ein alter ausgeschieden ist, kommt nun mit Klimanöten und Absatzeinbruch somit gleich doppelt Bewegung ins Spiel. „Doch eine Marke zu etablieren, ist kein Kinderspiel“, sagt Autoexperte Prof. Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen.

Angesichts der Überkapazitäten und anhaltenden Kaufzurückhaltung stehen einige Marken zur Disposition: Hummer wird von General Motors und Volvo von Ford zum Verkauf angeboten. Auch bei Saab gibt es entsprechende Gerüchte. Was passiert, wenn sich kein Käufer findet, ist ungewiss. „Man kann nicht mehr ausschließen, dass die bedrohten Marken dann einfach verschwinden“, zeichnet Nick Margetts vom Marktbeobachter Jato Dynamics in Limburg eine düstere Prognose, die langfristig womöglich auch größere Marken trifft. Denn weltweit rechnet zum Beispiel Fiat-Chef Sergio Marchionne zum Ende der aktuellen Krise nur noch mit sechs Autokonzernen.

„Doch der Abschied hat lange vor der Wirtschaftskrise begonnen“, sagt Margetts: 2005 wurden Rover und MG nach China verkauft und in Europa nicht mehr gesehen. Fahrzeuge von Proton, Ssangyong oder Isuzu gibt es hier nur noch gebraucht, und auch die deutsche Autogeschichte kennt viele große Pleiten: Borgward oder zuletzt Wartburg und Trabant sind nur ein paar prominente Beispiele.

Während alte Marken verschwinden, tauchen neue auf. Sieht man von Mercedes-Schwester Smart ab, galt das vor allem für Sportwagenbauer. Denn mit Fahrzeugen wie dem YES!-Roadster oder dem Gumpert Apollo reichen schon kleine Stückzahlen für große Umsätze. „Zumindest in der Nische haben solche Autos deshalb eine Chance“, sagt Dudenhöffer und blickt auch auf den neuen Artega GT, der jetzt von Dellbrück aus seinen Siegeszug antreten will. Von der Wirtschaftskrise merken die Westfalen nichts: „Die erste Jahresproduktion ist weitgehend verkauft“, sagt Vertriebschef Benedikt Altrogge.

Doch in Zeiten wachsender Klimasorgen gesellen sich zu den exklusiven Sportlern zusehends auch umweltfreundliche Saubermänner, die von neuen Marken an den Start gebracht werden. Am weitesten ist dabei die US-Firma Tesla mit ihrem Elektro-Roadster. In ihrem Windschatten fährt Designer Henrik Fisker, der seinen Namen zur Marke gemacht und für 2010 die Elektro-Limousine Karma angekündigt hat.

Dass solche Neugründungen nicht ohne Hürden sind, zeigt das Beispiel der Schweizer Firma Mindset mit ihrem Elektroauto aus der Feder des ehemaligen VW-Designchefs Murat Günak. Zwar gibt es nun einen fahrfähigen Prototypen des Viersitzers. Doch bevor die Serienproduktion beginnen kann, braucht Mindset Finanzpartner.

Als Reaktion auf aktuelle Trends rücken auch die sogenannten Billigmarken weiter ins Blickfeld. Die populärste Neueinführung ist die rumänische Renault-Tochter Dacia, die in Deutschland 2004 mit 24 Zulassungen angefangen hat und 2008 auf 24 000 Verkäufe kam. „Da kann man lernen, wie eine erfolgreiche Marke aufgebaut wird“, sagt Prof. Dudenhöffer. Eine ähnliche Karriere könnte es für den indischen Großkonzern Tata geben, wenn dieser sein Billigauto Nano nach Europa bringt. „Dieses Auto hat die besten Chancen, sich ein Alleinstellungsmerkmal zu sichern“, glaubt Dudenhöffer.

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