Die ARD will Oliver Pocher halten

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Deutsche Presse-Agentur

Die ARD steht beim Fernsehpublikum vor allem für umfassende Information, gute Filme und klassische Unterhaltung.

Bei Neuentwicklungen im Show- und Entertainmentbereich tut sich das Gemeinschaftsprogramm meist schwerer, um sich gegen die private Konkurrenz oder gar gegen die neuen Medien durchzusetzen. Der seit November amtierende Programmdirektor Volker Herres versucht nun mit seiner Personalpolitik, neue Figuren an das „Erste“ zu binden und beim Sender bereits bekannten Protagonisten neue Spielflächen zu geben.

So soll Harald Schmidt wieder auf eigenen Füßen stehen - ohne seinen „Sidekick“ Oliver Pocher. In einem Interview mit dem Branchendienst „kress report“ sagte Herres, Schmidt (51) werde am 17. September mit einem neuen, 45 Minuten langen Format in der ARD starten, und zwar auf dem gewohnten Sendeplatz am späten Donnerstagabend. Die neue Show erinnere etwas an das US-Vorbild von Jon Stewart und solle deutlich politischer und aktueller werden als bislang das Vorläufermodell „Schmidt & Pocher“.

Pocher steht nach Medienberichten vor der Qual der Wahl, ob er zu RTL wechseln oder der ARD treu bleiben soll. Nach von der ARD unbestätigten Berichten liegt ihm ein Angebot vor, am späten Samstagabend einmal die Woche eine kleine Unterhaltungsshow zu präsentieren. Herres hat sich öffentlich für den Verbleib des 31-Jährigen ausgesprochen, obgleich dieser nach seinem Auftritt mit Augenklappe und Wehrmachtsuniform im Stil des Hitler-Attentäters Claus Schenk Graf von Stauffenberg aus ARD-Kreisen kritisiert wurde.

Pocher liegt angeblich aber auch ein Angebot von RTL vor. Mit dem RTL-Kollegen Günther Jauch hat der Komiker eine Pilotsendung gedreht, die möglicherweise für den Kölner Privatsender in Frage kommt. Ob ein Weggang Pochers für die ARD ein Verlust wäre, bleibt offen. Immerhin hat Herres mit dem Talker Frank Plasberg eine weitere Option für die Show in der Hinterhand, denn der 51-Jährige erzielte mit dem Experiment „2008 - Das Quiz“ Ende des vergangenes Jahres mit knapp sieben Millionen Zuschauern eine beachtliche Quote.

Einen deutlichen Schritt nach vorn dürfte auch Ina Müller mit ihrem Moderationsauftritt in der Gala „100 Jahre Heinz Erhardt“ vor einigen Tagen gemacht haben. 5,30 Millionen Zuschauer schalteten die Sendung ein - für die forsche 43-Jährige, ein Gewächs des Norddeutschen Rundfunks, eine Empfehlung für weitere Aufgaben am Hauptabend. Sicher ist bereits, dass ihre NDR-Show „Inas Nacht“ vermutlich vom Sommer an mit einer neuen Staffel als Erstausstrahlung im ARD-Gemeinschaftsprogramm landen wird.

Nicht am Hauptabend, sondern zu einer problematischeren Sendezeit wird der Neuzugang Tim Mälzer eingesetzt. Der 38-jährige Fernsehkoch, der mit „Schmeckt nicht, gibt's nicht“ beim Privatsender Vox Karriere machte, soll am Samstagnachmittag künftig als Nachfolger von Alfred Biolek fürs ARD-Publikum brutzeln. Der Sendeplatz ist deswegen heikel, weil ohnehin wenige Zuschauer bundesweit samstags TV schauen und wenn, dann oft Sportberichte sehen. Auch andere ARD-Neuverpflichtungen haben schlechte Erinnerungen an den Samstag: zum Beispiel Ex-RTL-Talkerin Bärbel Schäfer, die 2004 mit „Wellness TV“ kein Land sah und danach den Sender wechselte.

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