Diät der Tochter kritisch beäugen: Magersucht erkennen

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Deutsche Presse-Agentur

Wenn die Tochter ständig Diät hält und dabei erfolgreich ist, sollten Eltern das genau beobachten. Denn aus dem Erfolg könne sich eine Magersucht entwickeln, warnte Prof. Jörn von Wietersheim mit Blick auf die Fachtagung „Leben hat Gewicht“ (12. bis 13. Februar) in Berlin.

Die meisten Diäten scheiterten. „Diese Mädchen machen aber erfolgreich Diät und werden von ihrem Umfeld bestärkt.“ Von Freunden und Verwandten hörten sie: „Du hast eine tolle Figur bekommen. Wie schaffst du das nur?“, sagte von Wietersheim, der sich an der Universitätsklinik Ulm mit Essstörungen beschäftigt.

Oft fingen Frauen Diäten gemeinsam mit Freundinnen an. Dabei entstünden teilweise Wettbewerbe, wer am besten durchhält. „Problematisch wird es, wenn das Gewicht konstant runtergeht“, sagte von Wietersheim. Die Mädchen fingen an, beim Essen Fette wegzulassen - Fleisch und Butter beispielsweise. Stattdessen stünden vor allem Obst und Gemüse auf dem Speiseplan. „Die sagen dann: 'Ich esse doch gesund', blenden aber aus, dass zu einer gesunden Ernährung auch Fette gehören.“

Bei den gemeinsamen Mahlzeiten bekommen Eltern diese Veränderungen meist mit. „Sie sollten das thematisieren“, empfahl von Wietersheim. Zu ihm kämen oft Jugendliche, deren Eltern genau das nicht taten und stattdessen lange zuschauten. Bei einem Gespräch sollte aber nicht nur das Essverhalten angesprochen werden. Gut sei, wenn die Eltern auch nachfragen, ob das Kind Probleme hat oder es ihm nicht gut geht. Schließlich sollten auch die eigenen Sorgen geschildert werden. „Ich glaube, für Jugendliche ist die Rückmeldung wichtig: 'Du bist zu dünn, das ist nicht gesund'“, erklärte der Experte.

Ständiges Nörgeln nach dem Motto „Iss doch endlich mal Butter, du hast ja schon wieder nichts gegessen“ bringt laut von Wietersheim dagegen wenig. Haben die Eltern den Eindruck, dass ihr Kind sein Essverhalten nicht mehr ändern kann, sollten sie genau das sagen: „Ich glaube, du schaffst es nicht alleine. Wir holen Hilfe.“ Ein Ansprechpartner ist der Hausarzt, der organische Ursachen für den Gewichtsverlust ausschließen kann. Hilfe geben auch Jugendberatungsstellen. Der nächste Schritt sei dann ein Psychologe oder Psychotherapeut.

Weitere Informationen: www.leben-hat-gewicht.de

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