Deutsche trinken nach wie vor zu viel

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Deutsche Presse-Agentur

Trotz eines leichten Rückgangs trinken die Deutschen jährlich immer noch knapp zehn Liter reinen Alkohol pro Kopf - und liegen damit weltweit auf Platz sechs.

„Das Konsumniveau ist weiterhin inakzeptabel hoch“, sagte Rainer Gaßmann, Geschäftsführer der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen, am Dienstag (20.1.) bei der Vorstellung des aktuellen Jahrbuches Sucht in Berlin. Schätzungsweise 9,5 Millionen Menschen waren danach 2007 hierzulande von legalen Suchtmitteln - von Alkohol über Tabak bis hin zum Glücksspiel - abhängig.

Während der Konsum der umstrittenen Alkopops nach den Preiserhöhungen unter Jugendlichen von 64 Prozent (2003) auf 45 Prozent (2007) sank, stieg der Anteil der jungen „Rauschtrinker“ dramatisch: Gut ein Viertel der 12- bis 17-jährigen greift laut Jahrbuch mindestens einmal im Monat zu fünf oder mehr alkoholischen Getränken. Nach wie vor sei die Werbung für alkoholische Getränke zu allgegenwärtig, kritisierten die Suchtexperten. „Es gibt ja kein Fußballspiel oder keinen Krimi, der ohne Werbepartner präsentiert wird“, sagte Reiner Hanewinkel vom Kieler Institut für Therapie- und Gesundheitsforschung. 104 Millionen Euro ließ die Branche sich ihre Werbung 2007 kosten, 77 Millionen waren es im Jahr zuvor.

Obwohl immer noch ein Drittel der Männer und knapp ein Viertel der Frauen in Deutschland zur Zigarette greifen, ging der Pro-Kopf-Konsum 2007 auf 1111 Glimmstängel zurück (2006: 1335). „2008 werden die Zahlen weiter gesunken sein“, sagte Gaßmann mit Blick auf die gesetzlichen Neuregelungen.

Immer noch unterschätzt sei die „stille“ Tablettensucht, sagte der Gesundheitsökonom Prof. Gerd Glaeske von der Uni Bremen. Etwa 1,5 Millionen Menschen sind abhängig von Medikamenten mit Suchtpotenzial; vor allem Ältere und Frauen greifen laut Jahrbuch zu den „Helfern“, die legal vom Arzt oder Apotheker zu beziehen sind. Das Spektrum reicht von Schlaf- und Beruhigungsmitteln bis zu Schmerztabletten und Hustensäften. „Hier sind vor allem die Ärzte in ihrer Verantwortung gefordert: 12 bis 15 Prozent von ihnen verordnen über 50 Prozent der fragwürdigen Mittel“, mahnte Glaeske.

Kritisch sieht er auch die sogenannten Psychostimulanzien („Viagra fürs Gehirn“). Glaeske warnte davor, die anregenden Mittel als „Alltagsdoping“ leichtfertig zu konsumieren und übers Internet von dubiosen Quellen zu bestellen.

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