Marc Schnatterer freut sich über ein Tor.
Marc Schnatterer freut sich über ein Tor. (Foto: Stefan Puchner)
Sportredakteur

Ostrach - An Pfingsten (19. bis 21. Mai) wird in Ostrach zum 48. Mal der Yokohama-Cup ausgespielt. Zum ersten Mal treten im Buchbühl U17-Mannschaften an. Die „Schwäbische Zeitung“ stellt einige der Vereine vor, heute den 1. FC Heidenheim.

Sie sind so etwas wie der Underdog, der Außenseiter im Buchbühl bei der 48. Auflage des Internationalen Juniorenfußballturniers um den Yokohama-Cup: der 1. FC Heidenheim. Der Aufstieg der Mannschaft von der Ostalb begann im Jahr 2007, mit der Abspaltung vom Hauptverein, dem Heidenheimer SB, bislang eher bekannt durch seine Fechter, allen voran Weltklasseflorettfechter Ralf Bißdorf, dekoriert mit Olympiasilber 2000 in Sydney. Fußball spielte bis zu diesem Zeitpunkt eine fast untergeordnete Rolle. Nur 1934/35 stand die Mannschaft kurz vor dem Sprung in die Erstklassigkeit, scheiterte aber am Aufstieg zur Gauliga Württemberg, spielte nach dem Krieg noch in der dritthöchsten Klasse Deutschland. Als VfL Heidenheim dümpelte sie danach lange Jahrzehnte in unteren Sphären, mit kurzen Zwischenhochs (Oberliga) selbst nach der Fusion mit dem TSB zum Heidenheimer SB. 2007 spaltete sich der 1. FC Heidenheim vom Heidenheimer SB ab, der FC übernahm die Strukturen vom HSB, auch weil der Gesamtverein die Lizenzauflagen des DFB nicht erfüllte. 2008 gelang der Aufstieg als Tabellenvierter von der Oberliga in die Regionalliga Süd, die Mannschaft gewann den WFV-Pokal und unterlag in der ersten Runde des DFB-Pokals dem VfL Wolfsburg mit 0:3. Am Ende dieser Saison 2008/2009 stieg der 1. FC Heidenheim in die 3. Liga auf und legte auf Anhieb eine starke Saison hin, belegte am Ende der Runde Rang sechs.

Trainer ist seit 2007 im Amt

Am 11. Mai 2011 der erste Höhepunkt im Dasein des 1. FC Heidenheim. Der Verein hatte zum dritten Mal den WFV-Pokal gewonnen, stand in der ersten Runde des DFB-Pokals und schlug Werder Bremen mit 2:1. In Runde zwei unterlag Heidenheim nur knapp Borussia Mönchengladbach mit 3:4 im Elfmeterschießen. 2012/2013 spielte die Mannschaft in der 3. Liga die beste Saison der Vereinsgeschichte, stand bis zum letzten Spieltag auf dem Relegationsrang, verlor diesen jedoch und beendete die Saison auf Rang fünf. Doch nur ein Jahr später, am 19. April 2014, stieg der 1. FC Heidenheim in die 2. Bundesliga auf, dank eines 1:1 gegen den SV Elversberg. In der neuen Voith-Arena beendete der 1. FC Heidenheim die erste Zweitligasison seiner Geschichte auf Rang acht. In den Folgejahren belegten die Ostälber die Ränge elf und acht. In der gerade zu Ende gegangenen Saison mussten die Heidenheimer etwas länger zittern. Am Ende wurde es Rang 13.

Ein Spieler, der den gesamten Aufstieg mitmachte, ist der heutige Kapitän Marc Schnatterer. Schnatterer kam 2008 vom Karslruher SC II an die Brenz und absolvierte bislang 303 Spiele für Heidenheim und erzielte dabei 91 Tore. Ebenfalls besonders ist die Beziehung zu Trainer Frank Schmidt, der sogar noch ein Jahr länger im Amt ist, als Schnatterer beim FC HDH spielt. Schmidt, übrigens ein waschechter Heidenheimer und an der Brenz geboren, spielte von 2003 bis 2007 für seinen Heimatklub und wurde 2007, nach dem Ende seiner aktiven Zeit, Trainer beim 1. FC Heidenheim. Er führte die Mannschaft von der Oberliga bis in die 2. Bundesliga. Seine Arbeit in Heidenheim war schon Gegenstand in einem Film. In der Dokumentation „Trainer!“ beleuchtet Regisseur Aljoscha Pause die Arbeit von Jürgen Klopp, Hans Meyer, Michael Oenning, Armin Veh, Stephan Schmidt, André Schubert und eben Frank Schmidt. Holger Sanwald holte Schmidt einst nach Heidenheim zurück. Mit dem Manager, der seit fast einem Vierteljahrhundert Geschäftsführer ist, ist der Name des 1. FC Heidenheim untrennbar verbunden. Als 27-Jähriger übernahm Sanwald die Geschicke des Vereins. Sein Team war weit entfernt von den glänzenden Oberliga-Tagen der 70er-Jahre. Zu den Spielen kamen im Schnitt 150 Zuschauer, Geld war keines da und der alte Abteilungsleiter hatte gerade aufgehört.

„Der ganze Fußball in Heidenheim drohte auseinanderzufallen. Das wollte ich nicht - das wollte niemand aus der Mannschaft“, erinnerte sich Sanwald einst im SWR. 2007, im Jahr der Abspaltung, machte der Abteilungsleiter Sanwald sein Hobby zum Beruf, wurde Manager und Geschäftsführer, initiierte unter anderem den Bau der Voith-Arena: Nur ein Ziel bleibt noch, die Bundesliga. Das aber sei kein definiertes Ziel, eher eine Vision für das 50 000-Einwohner-Städtchen an der Brenz.

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