Der Stadtrat fordert seit Jahren die Inselanbindung

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Redaktionsleiter

Was will eigentlich die Stadt in dem Streit um den Inselbahnhof?

Lange war der Stadtrat in dieser Frage ebenso uneins wie die Bürger der Inselstadt selbst. Doch seitdem die Räte nach einer nichtöffentlichen Sitzung im Herbst 2001 ein Positionspapier veröffentlicht hatten, standen sie zumindest offiziell ziemlich geschlossen. Offiziell gelten bis heute die Beschlüsse, die der Stadtrat im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens vor fünf Jahren getroffen hat.

Zentrale Forderung der Stadt ist dabei die nach einer Inselanbindung. Wörtlich lautet die Forderung an die Bahn AG: „Die Schienenanbindung des Inselzentrums nach dem Konzept des VWI, Stuttgart, ist in das Planfeststellungsverfahren einzubeziehen.“ Harry Dobeschinsky vom VWI hatte im Auftrag der Stadt eine Schienenanbindung geplant. Demnach sollten Züge möglichst aus allen Richtungen, zumindest aber aus Bregenz und Friedrichshafen auf die Insel fahren. Im Beschluss ist nichts darüber gesagt, ob wie bisher alle Züge auf die Insel fahren sollen oder ob es zum Beispiel reicht, wenn jede Stunde ein Zug die Insel anfährt, wie das damals auch diskutiert wurde. Zugleich schlägt die Stadt vor, die Häfler Züge in Aeschach zu flügeln, also den vorderen Teil auf die Insel und den hinteren Teil nach Reutin fahren zu lassen. Auf dem Rückweg könnten beide wieder aneinander gekoppelt werden.

Dobeschinsky hat für Lindau sogar ausgerechnet, was ein neuer Inselbahnhof und die nötigen Gleise, Weichen, Oberleitung und so weiter kosten würden. Seiner Berechnung nach sind zwei Weichen, vier Signale, etwa 2,5 Kilometer Gleise, rund 1,4 Kilometer Oberleitung, 200 Meter Bahnsteig und 30 Meter Bahnsteigüberdachung nötig. Die Gesamtkosten bezifferte Dobeschinsky vor fünf Jahren auf 2,6 Millionen Euro. Vor diesem Hintergrund wird verständlich, warum sich OB, Stadträte und Verwaltung so sehr wunderten, als die Bahn AG im vergangenen Jahr die Kosten auf bis zu über 20 Millionen Euro angab.

In der Sitzung im Januar 2004 hatten die Räte zuvor zwar die Pläne der Bahn AG für den Festlandbahnhof komplett abgelehnt, hatten zugleich aber eben eigene Pläne vorgelegt, nach denen sich die Stadt Lindau einen Festlandbahnhof durchaus vorstellen könnte. Der Plan enthält vor allem die zweigleisige Inselanbindung bis zu einem neuen Bahnhof hinter dem Postgebäude. Weitere zentrale Forderung der Stadt war der Bau einer Über- oder Unterführung am Langenweg, um die Schranken zu ersetzen.

So war der Stadtrat auf eine neue Linie eingeschwenkt. Gab es früher nur die Haltung Inselbahnhof oder Reutiner Bahnhof, so beschlossen die Räte vor fünf Jahren ein Sowohl-als-auch. Und dies einstimmig, auch wenn mancher Freund des Inselbahnhofs ebenso viel Bauchschmerzen hatte wie diejenigen, denen eine völlig schienenfreie Insel am liebsten wäre.

Im Rückblick kann man sicher darüber streiten, ob diese Haltung der Stadt Schuld ist daran, dass seitdem nichts mehr weitergeht im Bahnhofsstreit. Einerseits ist das sicher so, denn die Bahn hatte nicht mehr leichtes Spiel damit, die verschiedenen Lindauer Fraktionen gegeneinander auszuspielen. Vielmehr sahen sich die Manager aus München, Frankfurt und Berlin einer einhelligen Front der Inselstadt gegenüber. Gestärkt wurde die Position der Stadt dann noch beim Erörterungstermin im April 2004, als sowohl der Vertreter der Regierung von Schwaben, der damals die Verhandlung führte, als auch ein anwesender Vertreter des Eisenbahnbundesamtes Verständnis für die Haltung der Lindauer durchklingen ließen.

Seit diesem Termin ist nicht mehr viel passiert. Die Bahn AG hat immer mal wieder angekündigt, sie werde das Verfahren in Kürze wieder aufnehmen, um wenig später erneut zu vertrösten. Die Lindauer Seite hat weiter die Inselanbindung gefordert.

Dass die Haltung in der Bürgerschaft nicht ganz so einhellig ist, wie es der Stadtratsbeschluss vermuten ließe, macht die Industrie- und Handelskammer deutlich, die im Oktober 2006 Pläne für eine Tagungshalle im Gebäude des Inselbahnhofs vorstellt, die mit Wohnhäusern auf der Hinteren Insel bezahlt werden soll. Dabei führen zumindest in ersten Entwürfen keine Gleise mehr auf die Insel. Auch wenn die IHK das kurz darauf ändert und einen Bahnhalt auf Höhe der Post einzeichnet, trägt die unentschlossene Haltung zum Inselbahnhof dazu bei, dass viele Bürger das Konzept in Bausch und Bogen ablehnen.

Die Haltung des Stadtrates schien einhellig, bis in jüngster Zeit einige Räte der CSU durchblicken ließen, dass das schier endlos dauernde Verfahren sie derart nervt, dass sie zugunsten einer schnellen Unterführung und dem Traum von der Tagungshalle am Hafen bereit wären, auf die Unterführung zu verzichten. Das gelte umso mehr, wenn die Stadt Lindau tatsächlich was zahlen müsste dafür, dass auch weiter Züge auf die Insel fahren. Doch das ist erstens noch nicht geklärt, und die Höhe möglicher Zahlungen ist ebenfalls offen. Und ob diese Haltung wirklich einen Zeitvorteil bringt, ist auch nicht klar. Die Diskussion um den Inselbahnhof bleibt also vorerst spannend.

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