Der Mühlenhelfer arbeitet für einen Euro am Tag

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Redaktionsleiter

Mädchen, die vormittags die Dorfschule besuchten, sitzen an diesem Nachmittag am Rand der Dorfstraße vor Abdullahs Mühle. Sie warten, bis sie ihr Getreide abgeben können. Umgerechnet fünf Eurocent berechnet Abdullah für vier Kilogramm. Tadschuddin Ibrahim, einer seiner Helfer, steht ohne Mundschutz neben dem prustenden alten Dieselmotor, der die Mühle antreibt. Ihm bezahlt der Chef knapp einen Euro am Tag. Der 17-Jährige ist froh, dass er so ein wenig Geld verdienen kann, er ging nie zur Schule. Er wechselt sich an dem staubigen Arbeitsplatz in der lauten Hütte mit Sharif Jussuf ab. Zwei weitere Helfer, die gelegentlich einspringen, bekommen nur 50 Cent am Tag – wenn es Arbeit gibt.

Der Mühlenbesitzer, der früher mit Vieh und Getreide gehandelt und als Tagelöhner gearbeitet hat, wagte vor vier Jahren den Schritt ins freie Unternehmertum in seinem Heimatdorf. Rund 3000 Euro berappte er für die gebrauchte Mühle, „die ersten Jahre war ich mit dem Erlös sehr zufrieden“. Mittlerweile aber belastet ihn der Preisanstieg für den Sprit. Für den Liter Diesel muss er fast doppelt so viel wie vor einem Jahr bezahlen. „Aber für mich gibt es kein Zurück. Außerdem müssen die Menschen ihr Getreide ja irgendwo mahlen.“ Für sein Dorf erhofft er sich neue Perspektiven durch den Schulneubau. „Wir wissen hier viel zu wenig von der Welt.“ Und er? „Ich bin drei Jahre zur Schule gegangen. Mehr Möglichkeiten gab es für mich nicht. Aber ich habe mich durchgebissen.“

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