Der Kaufrausch in der Bundesliga ist vorbei

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Deutsche Presse-Agentur

Der große Kaufrausch ist vorbei: Viele Fußball-Bundesligisten haben sich im Winterschlussverkauf einen Sparkurs auferlegt. Besonders die Topvereine tendieren zum preiswerten Leihprofi.

Einzig Borussia Mönchengladbach will mit Finanzkraft den Sprung vom Tabellenende schaffen, die anderen Abstiegskandidaten jagen nach Schnäppchen. Wie eine Erhebung der Deutschen Presse-Agentur dpa ergab, verpflichteten die 18 Clubs in der am 2. Februar endenden Wechselperiode bislang 27 neue Spieler für 14,8 Millionen Euro.

Damit ist der zuletzt immer größer werdende Kapitalfluss nach dem Rekordwert von 47,87 Millionen Euro vor einem Jahr in Zeiten der Finanzkrise gestoppt. In der Bilanz bewegen sich die Ausgaben auf dem Niveau von 2007. Damals gaben die Erstligavereine 16,3 Millionen Euro aus, einen Winter zuvor waren es zehn Millionen.

Damit sind die Gesamtausgaben für neue Spieler in dieser Saison auf 165,75 Millionen Euro gestiegen und reichen längst nicht an den Spitzenwert aus der Spielzeit 2007/08 heran. Damals gaben die 18 Eliteclubs 194,38 Millionen Euro für neues Personal aus.

Borussia Mönchengladbach ließ sich die neue Defensivachse um Torwart Logan Bailly, die Verteidiger Dante und Paul Stalteri sowie Mittelfeldspieler Tomas Galasek mehr als fünf Millionen Euro kosten. „Wir haben richtig Geld investiert, aber ich hoffe, dass wir mindestens zwei Leistungsträger gefunden haben, die uns auch über die Rückrunde hinaus helfen können“, sagte Sportdirektor Max Eberl.

Auch die letzten Tage bis zum Transferschluss versprechen noch Aktivitäten: Hannover 96 will einen Defensivspieler verpflichten und favorisiert den ehemaligen Bremer Leon Andreasen. Hertha BSC Berlin sondiert den Markt nach einem Linksverteidiger. Der Hamburger SV sucht Ersatz für Nigel de Jong, der zu Manchester City abgewandert ist. Dabei garantieren Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer auch die 20 Millionen Euro Ablöse in der Tasche keine einfachen Verhandlungen. „Die Marktsituation gibt kein vernünftiges Preis-Leistungs-Verhältnis her“, beklagte er. Derzeit ist der 21 Jahre alte Tomas Rincon aus Venezuela als Leihspieler im Visier der Hanseaten.

Damit würde der HSV der bisherigen Zurückhaltung bei den Spitzenvereinen folgen. Die ersten Acht der Tabelle gaben zusammen weniger als eine Million Euro aus. Dabei schnappte sich 1899 Hoffenheim in dem früheren Nationaltorwart Timo Hildebrand ablösefrei den prominentesten Neuzugang. Als Ersatz für den verletzten Vedad Ibisevic soll der von Bremen ausgeliehene Boubacar Sanogo für Tore beim Tabellenführer sorgen. Werder hat sich die Dienste des Griechen Alexandros Tziolis ebenfalls zunächst nur auf Zeit bis zum Sommer 2009 gesichert. Auch Rekordmeister Bayern München griff mit dem bis Mitte März ausgeliehenen Landon Donovan nur auf dem Schnäppchenmarkt zu.

Während die Etablierten knausern, versuchen zwei Vereine aus dem Mittelfeld durch kostspielige Anschaffungen den Anschluss an die Europapokal-Plätze zu schaffen: Mit geschätzten drei Millionen Euro ist der 19 Jahre alte Timo Gebhart vom VfB Stuttgart der teuerste Neuzugang des Winters. Traditionell genehmigte beim VfL Wolfsburg der Geschäftsführer Felix Magath dem Trainer Felix Magath erneut eine ausgedehnte Einkaufstour. Für den Japaner Yoshito Okubo und Peter Pekarik gaben die Niedersachsen rund 3,3 Millionen Euro aus - Summen, von denen die „Kleinen“ weit entfernt sind. Jeweils drei neue Spieler sollen Energie Cottbus, die eine knappe Million investierten, und dem Karlsruher SC (rund 550 000) den Klassenverbleib sichern.

Doch weder die KSC-Rückkehrer Marco Engelhardt und Giovanni Federico (von Borussia Dortmund ausgeliehen) noch der Neu-Cottbuser Jan Rajnoch konnten die Pleiten der beiden Clubs im DFB-Pokal am Mittwoch verhindern. Im Sturm ruhen die Hoffnungen der Lausitzer auf dem Brasilianer Adi und Nils Petersen, der vom Drittligisten Carl Zeiss Jena kommt. „Wir können uns keine fertigen Bundesligaspieler leisten, aber deshalb haben wir noch nie gejammert“, sagte Cottbus- Manager Steffen Heidrich.

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