Mit Hubschraubern wird die Waldkalkung in VS in den nächsten Wochen durchgeführt. Die Situation hinsichtlich pH-Wert, Basensätt
Mit Hubschraubern wird die Waldkalkung in VS in den nächsten Wochen durchgeführt. Die Situation hinsichtlich pH-Wert, Basensättigung und Kohlenstoffspeicherung soll sich verbessern. (Foto: Regierungspräsidium Freiburg)
Schwäbische Zeitung
sbo

Ab Montag, 19. August, werden die südwestlichen Revieren des Stadtwaldes mit Bodenschutzkalk per Hubschrauber gestreut.

Die zu kalkenden Waldgebiete reichen von Tannheim im Süden bis nach Villingen im Norden. Die L 181 begrenzt die Kalkungsfläche im Osten.

„Die bundesweite Bodenzustandserhebung II hat gezeigt, dass eine gezielte Kalkung von Waldflächen die Situation hinsichtlich pH-Wert, Basensättigung, Kohlenstoffspeicherung, Vielfalt und Häufigkeit von Bodenlebewesen, auf durch Menschen verursachten versauerten oder zur Versauerung neigenden Waldböden, deutlich verbessert“, sagt Forstamtsleiter Tobias Kühn. „Klimastabile Wälder sind natürliche Wasserfilter und Garant für sauberes Grundwasser. Über 70 Prozent unseres Trinkwassers kommt aus dem Wald.“

Je nach Wetterlage wird die Maßnahme mindestens acht Wochen in Anspruch nehmen. In dieser Zeit kann es sein, dass Wege gesperrt sind.

Es ist zudem mit einem erhöhten Lastwagen-Verkehr aufgrund der Materialanlieferungen sowie gelegentlich herabstürzenden Klumpen verbackenen Kalkstaubs aus dem Streukübel des Helikopters zu rechnen und es könnte staubig werden, wie es in einer Mitteilung heißt.

Eine gesundheitliche Gefährdung für Menschen durch das Kalkmaterial besteht nicht. „Mit der Ausbringung von Kalk soll die Versauerung der Waldböden abgemildert und die natürlichen Regenerationsprozesse der Böden unterstützt werden“, betont der Forstamtsleiter.

Gemisch aus Dolomit, Holzasche und Wasser

Baden-Württemberg setzt seit Mitte der 1980er Jahre Gemische aus Dolomit, Holzasche und Wasser für die Bodenschutzkalkung ein, die entweder mit Hubschrauber ausgebracht oder mittels speziell ausgerüsteter Fahrzeuge vom Boden aus verblasen werden. In den Bereichen, in denen der Stadtwald Villingen-Schwenningen gekalkt wird, sind die Böden aus Buntsandstein sehr basenarm, was durch die Einträge von Luftschadstoffen weiter verschlechtert wurde. Der Säureeintrag hat zur Auswaschung von Nährelementen wie Magnesium geführt, aber auch bedenkliche Elemente wie Aluminium mobilisiert. Durch die Kalkung soll dieser Auswaschungsprozess gestoppt werden und damit sowohl die Vitalität der Wälder als auch die Qualität des Trinkwassers nachhaltig positiv beeinflusst werden.

Im Oberboden hat sich durch bereits durchgeführte Kalkungen die Situation schon deutlich verbessert, jetzt geht es um die tieferen Bodenschichten. „Der Boden hat ein langes Gedächtnis“, spielt Kühn auf die Luftschadstoffe an, die seit der industriellen Revolution im 19. Jahrhundert durch den Regen in die Böden kamen. Durch die Entschwefelung der Kohlekraftwerke, schwefelarmes Heizöl und schwefelarmer Dieselkraftstoff sowie Katalysatoren in den Fahrzeugen sei die Luftqualität im Vergleich zu den 1980er Jahren schon erheblich besser geworden. Aber in den Böden sei dieser Prozess noch nicht abgeschlossen.

Das VS-Forstamt rechnet mit einer weiteren Kalkungsaktion in einigen Jahren auf Flächen, die in diesem Jahr noch nicht kalkungsnotwendig sind. Dann, so die Hoffnung der Forstleute, habe man einen Zustand erreicht, der keine weitere Kalkgabe erfordere. Bei der Maßnahme handelt es sich um eine EU-kofinanzierte Maßnahme.

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