Der Kälte blühend trotzen: Winterheide

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Deutsche Presse-Agentur

Die Farbintensität lässt staunen: Rubinrot, Weinrot, Weiß und Rosa in verschiedenen Schattierungen leuchten durch Winternässe, Raureif und Nebel. Sogar aus dem langsam tauenden Schnee schieben sich die kräftigen Farben.

Winterheide, auch Schneeheide genannt, ist es, die sich so nachdrücklich in Szene setzt. Sie gehört zu den echten Winterblühern und verdient ob ihrer Unerschrockenheit die gleiche Bewunderung wie Christrose oder Zaubernuss.

Die Winterheide, botanisch Erica carnea, manchmal auch Erica herbacea, stammt aus den Alpen. Bis über die Baumgrenze hinaus wächst sie dort in Geröll- und Felshalden, zwischen Latschenbeständen und in lichten Bergwäldern. An vergleichbaren Standorten kommt sie auch in der Hohen Tatra, dem Appenin und den Gebirgen des Balkans vor.

Überall dort gehören Schnee und lang andauernder Frost zum Winter. Nur wer ausreichend zäh und widerstandsfähig ist, überlebt unter derart harten Bedingungen. Dass die Winterheide dann auch noch in den Wintermonaten blüht, kommt einem kleinen Wunder gleich. Aber der Erfolg gibt ihr recht. Beginnt der Schnee zu tauen, sind die Insekten da. Sie fliegen im wahrsten Sinne des Wortes auf die ersten Nektar- und Pollenquellen.

Die Blüten werden bereits im Spätsommer und Herbst angelegt und warten als fest geschlossene Knospen, bis ihre Zeit gekommen ist. Lässt das Wetter es zu, öffnen sich die vier bis sechs Millimeter langen, kräftig-rosa Glöckchen, aus denen als hübscher Kontrast braune Staubblätter hervorschauen. Doch die Pflanzen sind vorsichtig: Nie öffnen sie alle Knospen auf einmal. So erstreckt sich die Blüte über viele Wochen hinweg.

Diese lange und attraktive „Blüte zur Unzeit“ macht die kleine Heide für die Gärten interessant. Anfang des 19. Jahrhundert tauchte sie in den ersten Katalogen der Gärtner auf. Erst in England, später dann hierzulande, nahm man sich auch züchterisch der Schneeheide an. Heute listet die in England angesiedelte Heather Society rund 130 Sorten auf.

Viele dieser reizvollen Sorten sind Zufallsfunde, am Naturstandort entdeckt oder in den Vermehrungsbeständen einer Gärtnerei. Einer dieser Zufallsfunde wuchs um die Wende des 19. zum 20. Jahrhunderts in der Darley Dale Gärtnerei im englischen Derbyshire heran. Er sah aus wie eine Erica carnea, aber er wuchs mit 70 Zentimetern Höhe und 80 Zentimetern Breite extrem kräftig und strauchig.

Der Grund: In der Nähe stand eine Erica erigena, die wild nur in Nordspanien, Südwestfrankreich und Nordwestirland vorkommt. Bienen hatten ihren Pollen auf die Narben der Winterheide getragen. Die Neuentdeckung war also eine Kreuzung, die man nach ihrem Fundort Erica x darleyensis, Englische Heide, nannte.

Sie wächst so gesund und blühfreudig wie die Mutter. Vom Vater erbte sie den kräftigen Wuchs, aber die geringere Winterhärte. Bei Kahlfrost und austrocknenden Winden bekommt die Englische Heide deshalb besser einen Schutz aus Fichtenzweigen. In raueren Regionen können die aus dem Schnee herausragenden Triebe erfrieren. In der Regel treibt der Strauch im Frühjahr aber willig wieder aus und startet durch zu neuer prächtiger Blüte.

Ein sonniger Platz ist wichtig für das Gedeihen von Winterheide und Englischer Heide. Anders als andere Heidearten ist Winterheide auch an kalkhaltige Böden gewöhnt und verträgt saure bis neutrale Standorte. Winterheide und Englische Heide verlangen einen ausreichend feuchten Boden - ohne Staunässe. Ein Winterheideteppich entsteht mit zehn bis zwölf Pflanzen je Quadratmeter. Während die Winterheide kaum geschnitten werden muss, bekommt die Englische unmittelbar nach der Blüte einen kräftigen Schnitt.

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