Der Hertha-Traum geht weiter

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Deutsche Presse-Agentur

Der blau-weiße Glücksgott Andrej Woronin lässt den Tabellenführer weiter tanzen - und selbst der skeptische Trainer Lucien Favre konnte sich beim titelreifen Hertha-Happening dem Willen seiner Spieler nicht verweigern.

„Ich war katastrophal! Aber ich konnte das nicht ablehnen und habe mein Bestes gegeben“, beschrieb der schüchterne Schweizer seine unfreiwillige Tanzeinlage nach dem 1:0 (0:0) über Bayer Leverkusen. Für dessen Trainer Bruno Labbadia war nach der Partie klar: „Mit so einer Art, mit so einer Ruhe kann man deutscher Meister werden.“

Taktiker Favre tanzte zwar nicht so lange und ausgelassen wie Manager Dieter Hoeneß nach dem 3:1 in Cottbus - dafür feierten die Fans im Olympiastadion 20 Minuten lang die Profis, die sich nach der Defensiv-Demonstration auf dem Rasen in die Kurve setzten und das stimmgewaltige Aufzählen ihrer Namen genossen. Nicht nur die Hertha-Anhänger sangen nach dem zehnten Heimsieg in Folge vom Titel, auch die Spieler legen allmählich ihre Zurückhaltung ab.

„Ich würde lügen, wenn ich nicht sagen würde, dass ich deutscher Meister werden möchte - und ich glaube, so leicht wie dieses Jahr wird es nie wieder“, gestand Kapitän Arne Friedrich. „Ich hoffe, wir sehen noch einige andere Tänzer, aber da müssen wir noch hart arbeiten.“ Der Nationalspieler war gemeinsam mit Josip Simunic der Garant für das erste Hertha-Rückrundenspiel ohne Gegentor. „Alles ist möglich, wenn man daran glaubt“, unterstrich Simunic. Vor zwei Wochen hatte der Innenverteidiger verkündet, dass acht Siege aus den letzten zwölf Partien zum ersten Titel seit 1931 reichen. Nach dem dritten Erfolg in Serie rechnete Simunic wieder über das Stadionmikrofon vor, dass noch sechs Erfolge aus zehn Partien fehlten.

Favre und Hoeneß denken lieber von Woche zu Woche. „Irgendwelche Planspiele aufzumachen, macht keinen Sinn. Wir fahren gut damit“, sagte Hoeneß. Mit derzeit 49 Punkten sei man noch nicht einmal im UEFA-Cup. „Wenn wir das erreichen, dann gucken wir auf die Champions League“, erklärte der in einen Hertha-Schal gehüllte Woronin.

Mit seinem glücklichen Schulter-Brust-Tor nach 50 Minuten war der Ukrainer wie im Hinspiel der Matchwinner gegen seinen Ex-Club. „Meine geile Brust“, scherzte die Liverpooler Leihgabe und sprach am Ende eines gelungenen Nachmittags vom schönsten Gefühl seit langer Zeit. Dank seines elften Saisontreffers und des achten in den vergangenen sechs Spielen laufen die Hauptstädter auch am kommenden Samstag beim VfB Stuttgart mit einem Vier-Punkte-Polster auf. „Wenn wir da gewinnen, dann sind wir noch einen Schritt näher an unserem Ziel“, sagte Woronin, dessen persönliche Zukunft weiter ungeklärt ist.

Bei aller Freude auf der blauen Stadion-Laufbahn blieben die Berliner im Ton so sachlich wie vorher vor 59 000 Zuschauern auf dem Rasen. Bayers 26-Tore-Sturm Patrick Helmes und Stefan Kießling hatte nur zwei Möglichkeiten. „Wir müssen einfach auch mal aus wenigen Chancen ein Tor machen“, forderte Kießling nach dem vierten sieglosen Spiel in Folge. Der Pokal-Halbfinalist muss die Negativ-Serie gegen Eintracht Frankfurt beenden, wenn über die Bundesliga der Sprung ins internationale Geschäft gelingen soll. Seine Mannschaft laufe den vergebenen Chancen in der Rückrunde hinterher, klagte Trainer Labbadia. Der Ex-Torjäger sah darin einen großen Unterschied zum Spitzenreiter und momentanen Meister der Effektivität: „Da fehlt uns noch die Ruhe - im Gegensatz zu Hertha.“

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