Der Eisvogel ist Vogel des Jahres 2009

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Deutsche Presse-Agentur

Er gilt als „fliegender Edelstein“: Der Eisvogel fällt nicht nur wegen seines wunderschön glänzenden, rostrot-blauen Gefieders auf. Der etwa spatzengroße Vogel ist auch sonst ein ungewöhnliches Tier.

Es brütet in metertiefen Röhren in der Erde, geht blitzschnell auf Fischjagd - und wurde vom Naturschutzbund Deutschland (NABU) zum Vogel des Jahres 2009 gekürt. „Der Eisvogel steht dabei symbolisch für einen ganzen Lebensraum und das sind in diesem Fall die naturnahen Gewässer“, erklärt der Vogelschutz-Experte des NABU, Markus Nipkow aus Berlin, diese Wahl. Denn wenn Bäche und Flüsse stark bebaut würden, finde der Eisvogel weder genügend Nahrung noch ausreichend Brutmöglichkeiten. Problematisch ist dabei jedoch, dass das Umweltbundesamt derzeit nur zehn Prozent der Fließgewässer in Deutschland als naturnah einstuft.

Trotz dieser Einschränkungen ist der einst gefährdete Eisvogel aber wieder überall in Deutschland verbreitet - außer im Hochgebirge und an der Küste. „Da gibt es schließlich keine geeigneten Steilwände und keine Gewässer, die ihm ideale Voraussetzungen zum Fischen bieten“, sagt die Ornithologin Margret Bunzel-Drüke aus Soest.

Mit Eis hat der Eisvogel (Alcedo atthis) allerdings nichts zu tun: Man nimmt laut NABU-Experte Nipkow stattdessen an, dass sich der Name entweder vom althochdeutschen „eisan“ ableitet - was so viel wie schillern oder glänzen bedeutet -, oder dass er möglicherweise „Eisenvogel“ bedeutet - wegen des blauen Rücken- und des rostfarbenen Bauchgefieders. „Kalte Winter hingegen können für den Vogel den Tod bedeuten“, sagt Nipkow. „Dann kann er nicht mehr fischen.“ Der Eisvogel gehört schließlich zu den wenigen Vögeln, die ihre Beutejagd tauchend erledigen. „Selbst in extrem schnell fließenden Gewässern kann er erfolgreich auf Jagd gehen“, erklärt der Präsident der Deutschen Ornithologen-Gesellschaft, Franz Bairlein aus Wilhelmshaven.

Die Fische, von denen sich der Eisvogel ernährt, werden im Sturzflug erbeutet. „Dafür setzt er sich auf einen der unteren Äste des Ufergebüschs und späht ins Wasser“, schildert Nipkow die Jagdszenerie. „Nachdem er dann seine Beute fixiert hat, schießt er pfeilschnell ins Wasser.“ Dabei hat der Eisvogel die äußerst nützliche Fähigkeit, den Brechungswinkel des Lichts im Wasser berücksichtigen zu können. „Wenn er das nicht könnte, würde er häufiger auch mal daneben greifen“, sagt der 47-Jährige.

Eine weitere Besonderheit ist das Brutverhalten. Statt in Nestern zu brüten, legt er seine Eier in bis zu einen Meter lange Brutröhren. „Wie ein Specht hackt er sie im rechten Winkel in die Erde an den Steilufern“, erklärt Eisvogel-Expertin Bunzel-Drüke.

Bis es soweit kommt, müssen sich Männchen und Weibchen im Frühjahr erst zur Fortpflanzung treffen. Eigentlich ist der Eisvogel ein Einzelgänger, der den Winter über sein Revier verteidigt. „Im Frühjahr muss er allerdings sein Revierverhalten aufgeben und seine Aggressivität abbauen“, sagt NABU-Experte Nipkow. Haben sich Männchen und Weibchen gefunden, gehen sie eine sogenannte Saisonehe ein. Gebrütet wird bis zu dreimal pro Jahr, bevor das Paar wieder getrennte Wege geht.

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