Der Bundesliga-Nachwuchs startet durch

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Deutsche Presse-Agentur

Jung, begehrt und dabei gar nicht so wild: Die Fußball-Bundesligisten setzen auf den Nachwuchs, doch die Neulinge geben sich bescheiden. Auch nach Einsätzen im Rampenlicht hat die Jugend keine Star-Allüren.

Konstantin Rausch (18) von Hannover 96 braucht kein dickes Auto, „bloß weil ich jetzt Bundesliga spiele“. Eintracht Frankfurts Stürmer Juvhel Tsoumou (18) packt gerne nach dem Training den Materialwagen: „Ich habe ja noch nichts erreicht.“ Insgesamt kamen in der Hinserie mehr als 70 Spieler zum Einsatz, die am 1. Januar 2009 21 Jahre oder jünger waren - immerhin knapp ein Fünftel aller Profis. 33 von ihnen gaben ihr Erstliga-Debüt. „Die Clubs zeigen zunehmend Bereitschaft, junge Spieler einzubauen“, erklärte DFB-Sportdirektor Matthias Sammer den Trend.

In der Rückrunde wird mindestens ein hoffnungsvolles Juwel dazukommen. Die halbe Liga war laut Stuttgarts Manager Horst Heldt hinter Timo Gebhart von 1860 München her. Der 19 Jahre alte Mittelfeldspieler entschied sich für den VfB: „Ich weiß, dass junge Spieler hier eine Chance bekommen.“

In der Abwägung zwischen behutsamem Aufbau und dem schnellen Wurf ins kalte Wasser setzte sich bei deutschen Clubs in der Vergangenheit häufig die Politik der schützenden Hand durch. Beispielhaft dafür ist der Umgang des FC Bayern München mit Toni Kroos. „Lassen Sie den schön mal unten“, fauchte Manager Uli Hoeneß bei Lob von Journalisten für Kroos. Die Karriere eines der größten deutschen Talente stagniert seit anderthalb Jahren, Bayern weigert sich ihn auszuleihen. Andere fanden ihr Glück erst in der Fremde: Der ehemalige Münchner Mats Hummels (20) bei Borussia Dortmund, die Schalker Mesut Özil (20) und Sebastian Boenisch (21) schafften den Durchbruch bei Werder Bremen.

So entstehen Chancen für den Nachwuchs manchmal nur aus Unwägbarkeiten. Als sich in Hannover die halbe Abwehr verletzte, vertraute Trainer Dieter Hecking auf U 19-Nationalspieler Rausch, der vorige Saison 67 Bundesliga-Minuten absolviert hatte. Der Linksverteidiger überzeugte und kämpft mit dem mehr als doppelt so alten Michael Tarnat (38) um einen Stammplatz. Die Schwäche seiner Mitspieler beim 1. FC Köln nutzte Kevin Pezzoni (19) und rackerte sich ins Team. „Vor zehn Monaten war er noch irgendwo im Nirgendwo in England, jetzt ist er Stammspieler in der Bundesliga - das ist wie im Märchen“, beschrieb Trainer Christoph Daum den Aufstieg.

Wie eine Fabelgeschichte nimmt sich auch die Leistung der vom Boulevard als „Kinder-Riegel“ bezeichneten Abwehr rund um die Debütanten Neven Subotic und Marcel Schmelzer sowie Hummels (alle 20) aus. Auch von Bayer Leverkusens Sturmtalent Richard Sukuta-Pasu und Stuttgarts Sebastian Rudy (beide 18) sind in der Zukunft noch wunderbare Aktionen zu erwarten. Einzig der Vorletzte VfL Bochum und Energie Cottbus (16.) setzten keine Spieler unter 22 ein, Tabellenführer 1899 Hoffenheim hingegen sechs.

Dabei ist eine Jugend-Philosophie alleine nicht die Garantie für Erfolg, doch zumindest stabilisierten Tony Jantschke (18) und Christian Dorda (20) die Mönchengladbacher Borussia. Von Trainer Hans Meyer gab es für Jantschke jedoch direkt eine Warnung mit auf den Weg: „Die ersten drei Spiele sind für einen jungen Spieler doch die einfachsten. Er hat nichts zu verlieren. Schwieriger wird es, wenn die eigenen Ansprüche und die von Außen kommen.“

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