Kurator Martin Oswald, Zeichner und Bildhauer Robert Schad und Mentor Jupp Eisele (von links) in der Ausstellung „Über die Lini
Kurator Martin Oswald, Zeichner und Bildhauer Robert Schad und Mentor Jupp Eisele (von links) in der Ausstellung „Über die Linie“ in der Kornhausgalerie Weingarten. (Foto: Babette Caesar)
Babette Caesar

Weingarten - Bildhauer Robert Schad ist auch Zeichner – das rückt die am Donnerstagabend eröffnete Ausstellung „Über die Linie“ in den Fokus. Ihr gelingt es, Handzeichnungen und Modelle in einem stimmigen Kontext zu platzieren, so dass Besucher beim Betreten der Kornhausgalerie sogleich in den Bann gezogen werden. Bei der Vernissage führte Kurator Martin Oswald in die Präsentation ein, wonach Robert Schad Einblicke in seine künstlerischen Intentionen gab.

Noch sind bei der Freiluftausstellung „Von Ort zu Ort“ seine 60 überdimensionalen Stahlskulpturen an 40 Orten in fünf Landkreisen in Oberschwaben und am Bodensee zu sehen (bis 30. November) . „Meine Skulpturen aus rostrotem massivem Stahl ziehen sich wie ein roter Faden durchs Land und bringen die unterschiedlichsten Orte in Oberschwaben in Verbindung“, äußert er sich zu seinem viel beachteten Großprojekt, das einmal mehr beweist: Robert Schad gehört zu den renommierten Bildhauern der Gegenwart. Betritt man nun den Weingartener Ausstellungsraum, wird auch einmal mehr klar – der 1953 in Ravensburg geborene Künstler ist „Zeichner“.

Besucher sind Mitgestalter

An der Wand entlang sind dicht an dicht 29 Handzeichnungen aus den Jahren 2013 bis 2019 gehängt. Davor und unter Freilassung der rückseitigen Wand bilden zehn Modelle aus Vierkantstahl einen Halbkreis. Diese Anordnung betont die Leichtigkeit und die Offenheit zwischen Skulptur und Zeichnung. Besucher brauchen keine inneren Hürden zu überwinden, um sich zwischen, vor und hinter den Arbeiten zu bewegen. Sie sind automatisch Mitgestalter dieser Schau, die Martin Oswald als den Höhepunkt des diesjährigen, vom Galeriebeirat der Stadt Weingarten ausgerichteten Ausstellungsprogramms bezeichnete. Es sei als Schlussakkord gedacht, als passende Ergänzung zu Schads Skulpturenprojekt, um auf die Ursprünge der plastischen Zeichnung zurückzukehren. So handele es sich bei den in Kreide auf Papier gesetzten Notationen um eigenständige Werke und nicht um Vorzeichnungen.

Sie bestechen durch ihre Schlichtheit und starke Präsenz, hervorgerufen mittels variierender Farbabstufungen. So reicht die Palette von tiefschwarzen Linien bis hin zu grautonigen, transparenten Flächen, die sich gegenseitig aufladen, ohne dabei in Konflikt zu geraten.

Künstler lässt die Linie laufen und schaut, was entsteht

Als „geradeaus, ehrlich und gesprächsbereit“ würdigte Oswald den Künstler, der mit jeder Arbeit etwas Neues schaffe. Dessen räumlichen Zeichnungen das Einmalige sei. „Gezeichnet habe ich schon immer“, stieg Schad, der in Larians in Frankreich und Chamosinhos in Portugal lebt, in das Gespräch ein. Die Linie einfach laufen zu lassen und überrascht davon zu sein, was daraus entsteht – das sei seine bewusste Vorgehensweise. Wie Geschwister der Zeichnungen verhielten sich die Skulpturen. Sie sind auf Sockeln fixiert und bei ihnen handelt es sich um Modelle aus den Jahren 2011 bis 2019. Sie sind in der Ausstellung stellvertretend für große, zurzeit noch in öffentlichen Räumen platzierte Werke zu sehen. Gegenseitig würden sich Zeichnung und Skulptur anregen. Bringt der Kreideauftrag doch ebenso Schweres und Leichtes zum Ausdruck wie das an sich schwere Material Stahl, dem Schad tänzerische Leichtigkeit verleiht. Diese Gegenüberstellung fasziniert, ohne dass es hierzu viele Erklärungen braucht.

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