Demonstration gegenhöhere Kita-Gebühren

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 Die geplante Erhöhung der Kita-Gebühren ist in VS umstritten.
Die geplante Erhöhung der Kita-Gebühren ist in VS umstritten. (Foto: dpa)
sbo

Ein Dreikäsehoch schleppt ein mannshohes Schild durch eine pfeifende Menge. „Herr Roth, Ihr Vorschlag ist ein Faustschlag in unser Gesicht.“ Das war deutlich und nur eine von vielen deutlichen Meinungsäußerungen bei der Demo gegen eine Kitagebühren-Erhöhung am Mittwoch vor dem Matthäus-Hummel-Saal in Villingen.

„Jetzt kommt Herr Roth, jetzt müsst ihr pfeifen“ – zwischen 150 und 200 Eltern, Kinder, Omas und Opas ließen sich das vom stellvertretenden Vorsitzenden des Gesamtelternbeirats der Kitas in VS (GEB), Michael Osburg, nicht zweimal sagen. Sie bliesen die Backen auf, pusteten durch Trillerpfeifen, streckten ihre Plakate in die Höhe und zeigten mit ihren Gelbwesten Signal gegen die vom Oberbürgermeister Jürgen Roth angekündigte und von ihm angestrebte Gebührenerhöhung.

Dazu steht er nach wie vor, wie er auch den Demonstranten deutlich machte. Wenn diese sorgenvoll auf millionenschwere Summen blickten, versuchte Jürgen Roth im Kleinen zu beruhigen. „Wir reden von 26 Euro“, sagte er zum GEB-Vorsitzenden Srdjan Zivkovic und Vize Michael Osburg. Lediglich so groß sei der Unterschied zwischen der Gebühren-Empfehlung der kommunalen Landesverbände und dem tatsächlichen Beitrag für das erste Kind im Regelkindergarten für Familien in Villingen-Schwenningen – und das sei die Lücke, die er angekündigt habe, schließen zu wollen, so Roth.

Trotz schriller Pfiffe der Demonstranten war das Gesprächsklima mit den GEB-Verantwortlichen und einzelnen Eltern keineswegs vergiftet. Roth stellte sich der Diskussion, nahm Sorgen und Fragen entgegen und versuchte, für seine Sichtweise als Stadtoberhaupt Verständnis zu wecken. Und zumindest einen Konsens gab es: Roth versprach Zivkovic und Osburg in die Hand, mit ihnen als Vertreter der Eltern im Oberzentrum im Gespräch zu bleiben und sie anzuhören.

Später kündigte er das auch im Verwaltungs- und Kulturausschuss ein Stockwerk höher an die Adresse der Stadträte an und skizzierte das weitere Vorgehen: „Wir werden im Jugendhilfeausschuss im Juni darüber beraten und dann im Gemeinderat natürlich beschließen.“ Dem GEB sei es wichtig, nicht nur eine Vorlage zu bekommen, sondern vorher eingebunden zu werden. „Das habe ich ihm zugesagt. Wenn wir uns mal konkrete Gebührensätze ausgedacht haben, werden wir das dem Gesamtelternbeirat vorlegen und dann kann das diskutiert werden."

Die Eltern sollen sich dann auch zu Wort melden können. „Sie können dann abwägen, was wir tun“, so Jürgen Roth an die Adresse der Stadträte. Auch wenn das Gros von ihnen auf dem Weg zur Sitzung im Matthäus-Hummel-Saal schnurstraks daran vorbeimarschiert ist, wird in ihren Gedanken manche Plakataussage im Sommer 2020 widerhallen: „Denken Sie an unsere und Ihre Zukunft, Kinder!“ oder „Heute Kinder, morgen arm.“

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