Dem Alamannenmuseum droht der Spartod

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Schwäbische Zeitung

Dem Ende 2001 eröffneten Ellwanger Alamannenmuseum droht das Aus. Angesichts ihrer dramatischen Finanzlage prüft die Stadt derzeit neben vielen anderen Sparmaßnahmen auch die komplette Schließung des Museums, das in seinen achteinhalb Jahren auf bislang 80 000 Besucher verweisen kann. Inzwischen laufen auch Wissenschaftler und Museumsfreunde Sturm gegen eine mögliche Aufgabe dieser Einrichtung.

Von unserem Redakteur Eckard Scheiderer

Finanziell auf Rosen gebettet ist die Stadt Ellwangen noch nie gewesen. Was sie in den letzten Jahren etwa in ihre Schulen investieren konnte, war nur mit Unterstützung des Landes möglich. Hinzu kamen reichlich Zuweisungen aus weiteren Landestöpfen. Weil an denen wegen der Finanzkrise inzwischen aber auch solche Städte hängen, die sich einst Zebrastreifen aus Carrara-Marmor geleistet haben, droht Ellwangen in der Finanzplanung bis 2013 ein Loch von 14 Millionen Euro: weniger Zuweisungen vom Land, weniger Anteil an der Einkommensteuer. Für eine 25 000-Einwohner-Stadt mit aktuell einem 46-Millionen-Etat eine unvorstellbare Größe, wie Oberbürgermeister Karl Hilsenbek und sein Stadtkämmerer Gerhard Senger betonen.

Stadt prüft Kosten des Museums

Nach Ostern hatten sich Stadtspitze und Gemeinderat zur Sparklausur getroffen, zig Etatpositionen durchgeforstet. Einer der Prüfaufträge an die Verwaltung: Zusammenrechnen, welche positiven Folgen eine Schließung des Alamannenmuseums für die Finanzen der Stadt hätte. Immerhin lässt die sich das Museum bislang 172 000 Euro im Jahr kosten: die Deckung des Fehlbetrags zwischen 245 000 Euro an Ausgaben (darunter 142 000 Euro Personalkosten) und 73 000 Euro an Einnahmen. {element}

2001 hat Ellwangen das Alamannenmuseum eingerichtet, im Gebäude der mittelalterlichen Nikolauspflege, einem der ältesten Siechenhäuser im Land. Kernstück der Dauerausstellung: hochrangige Funde aus dem benachbarten Lauchheim, wo seit 1988 der größte alemannische Friedhof in Baden-Württemberg nebst Siedlung ausgegraben worden war. Die Exponate mit einem Versicherungswert von 720 000 Euro, darunter die weithin bekannten Lauchheimer Goldblattkreuze, hat das Land der Stadt als Leihgaben zur Verfügung gestellt, zur Einrichtung des Museums hat es zudem 1,3 Millionen Euro als Zuschuss beigesteuert.

Die Bilanz des Alamannenmuseums in den achteinhalb Jahren seines Bestehens kann sich sehen lassen: 80 000 Besucher, darunter 500 Schulklassen. Im Schnitt also 9400 Besucher pro Jahr. Zahlen, die – wie Fachleute meinen – für eine Stadt und ein Museum dieser Größe und Art beachtlich sind. Andreas Gut, Museumsleiter seit Anbeginn, ist dabei weit mehr als der wissenschaftliche Betreuer der Sammlung. Der studierte Vor- und Frühgeschichtler, der zuvor als Archäologe am Landesmuseum Württemberg und im Biberacher Braith-Mali-Museum tätig war, organisiert Museumstage und -feste, dazu hochrangige Sonderausstellungen und eine Vielzahl an erlebnisreichen Kursen und Angeboten, auch und gerade für Kinder und Jugendliche. Jetzt muss Gut um seinen Arbeitsplatz fürchten. Dienstlich sagen darf er zu einer eventuellen Schließung derzeit nichts, die Stadt hat ihm ein Schweigegebot verordnet.

Freie Bürger wollen Schließung

Noch vor der Sommerpause, so ist aus dem Rathaus zu hören, will die Verwaltung dem Gemeinderat das Ergebnis ihres Prüfauftrags mitteilen. Derweil die vier Fraktionen im Rat teils noch an ihrer Haltung feilen, teils aber auch schon konkrete Vorstellungen haben. „Schließen“, sagen die Freien Bürger glasklar, gegen das Museum wäre auch die SPD, wenn die Alternative etwa „exorbitant hohe Kindergartenbeiträge“ wären. Käme es schon jetzt zum Schwur, wäre der Fortbestand des Alamannenmuseums, so scheint’s, mehr als ungewiss.

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