Das wollen die Bürgermeisterkandidaten für Mittelbiberach

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Mittelbiberach steht finanziell gut da. Wie wollen Sie dafür sorgen, dass das auch in Zukunft so bleibt?

Hänle: Geordnete und solide Finanzen sind die Grundlage jeder erfolgreichen kommunalen Arbeit. Dass es in Mittelbiberach so bleibt ist mir sehr wichtig, dennoch darf man sich auch nicht "kaputtsparen", denn dies holt uns sehr schnell wieder ein. Vorausschauend in die Zukunft investieren - sinnvoll und effizient die Mittel verwenden heißt die Devise. In meiner früheren Tätigkeit bei der Kommunalaufsicht habe ich die Gemeindekämmerer bei der Beantragung und Verwendung von Zuschüssen beraten. Dieses Wissen werde ich für Mittelbiberach nutzen. Darüber hinaus können auch durch Kooperationen Einspareffekte erzielt werden. Wichtig ist auch, die Einnahmenbasis breiter aufzustellen, hierzu kann die gezielte Förderung des Gewerbes dienen.

Weber: Mit Transparenz, Kommunikation und Innovation ist das Finanzpolster auch in Zukunft zu erhalten. Die Ausgaben sind also nach Wichtigkeit und Dringlichkeit zu sortieren und Schritt für Schritt umzusetzen. Es ist nicht sinnvoll das Sparbuch heute komplett leer zu räumen und morgen ohne Ersparnisse dazustehen. Zur Überprüfung der laufenden Finanzlage bekommt der Gemeinderat künftig in regelmäßigen Abständen von 3 Monaten eine Berichterstattung durch die Verwaltung. Abweichungen sind dann frühzeitig zu erkennen und zu beheben. Zusätzlich sollte die Gemeinde auch durch aktive Wirtschaftsförderung neue Unternehmen in die Gemeinde locken. Dadurch erhöht sich die Gewerbesteuer und damit auch das Rücklagenpolster.

Die Breitbandversorgung treibt viele in Mittelbiberach um, auch weil sich manche Teile vom Ort abgehängt sehen. Welchen Stellenwert hat der Breitbandausbau für Sie und wie sollte sich die Gemeinde in den nächsten Jahren aufstellen?

Hänle: Schnelles Internet gehört heutzutage ebenso zur Grundversorgung wie Wasser, Abwasser oder Strom und ist somit ein wichtiger Standortfaktor. Flächendeckender Breitbandausbau ist ein Muss für alle Haushalte. Der Ausbau ist besonders dort voranzutreiben, wo eine mangelhafte Versorgung herrscht. Hier sind intensive Bemühungen gefragt. Zur Sicherstellung der Grundversorgung der Bürger wird die Gemeinde weiter investieren müssen. Förderprogramme von Bund und Land erleichtert diesen notwendigen finanziellen Kraftakt. In meiner bisherigen Gemeinde gelang es, die Breitbandversorgung großflächig voranzutreiben. Das will ich auch hier erreichen.

Weber: Die Breitbandversorgung hat höchste Priorität. Mein Ziel ist es, die Verwaltung zukunftsfähig aufzustellen und das Online-Angebot auszubauen. Dafür ist es aber auch zwingend notwendig, dass jeder in der Gemeinde die Möglichkeit hat über ein schnelles Internet auf die Gemeinde-Homepage zuzugreifen. Auch Unternehmer müssen im Jahr 2018 in der Lage sein ohne Verzögerungen am Computer arbeiten zu können. Deshalb ist es mir ein großes Anliegen die vorhandenen Breitbandlücken zu schließen und ein schnelles Internet zur Verfügung zu stellen. Gleiche Verhältnisse im Ort sorgen dafür, dass sich kein Ortsteil abgehängt oder benachteiligt fühlt.

Eine ausreichende Zahl an Betreuungsangeboten für Kinder zur Verfügung zu stellen, wird eine große Aufgabe für die Gemeinde. Wie wollen Sie diese bewerkstelligen?

Hänle: Im Rahmen einer sich ständig verändernden Arbeitswelt ist für Eltern das Angebot wichtig, ihre Kinder angemessen und vor allem flexibel unterzubringen. Da ich bisher schon für Kindergärten zuständig bin, ist mir der personelle und räumliche Notstand gut bekannt. Wir haben realistische Lösungen entwickelt. Da alle kommunalen Arbeitgeber tarifgebunden sind, bleibt hier jedoch kaum Spielraum. Man kann aber als attraktiver Arbeitgeber Mitarbeiter schon frühzeitig an sich binden. Aus diesem Grund haben wir in unserer jetzigen Gemeinde mit großem Erfolg überproportional viele Kiga-Ausbildungsstellen. Bauliche Maßnahmen runden das Konzept ab.

Weber: Als Vater von zwei Kindern schätze ich ein individuelles Betreuungsangebot. Deshalb spreche ich mich für den Ausbau und die Flexibilisierung des Betreuungsangebots aus. Weg vom buchbaren Regel- oder Ganztageskindergarten, hin zur Einführung von individuellen Stundenpaketen z. B. 20, 30 oder 40 Stunden pro Woche. Sofern die vorhandenen Betreuungsplätze belegt sind, es keine weiteren räumlichen Ausweichmöglichkeiten gibt und die Kinderzahlen auch weiterhin steigen, könnte auch ein Anbau oder Neubau eine Option sein. Wo genau, kann ich heute nicht sagen, das müsste mit dem Gemeinderat und den Kindergartenleitungen besprochen werden.

Mittelbiberach hat ein vielseitiges Vereinsleben. Wie wollen Sie das Vereinsleben weiter fördern?

Hänle: Ich war schon immer ein Vereinsmensch und habe selbst Verantwortung übernommen, daher kenne ich die Sorgen und Nöte der Vereine. Ich möchte ein kompetenter und aufgeschlossener Ansprechpartner sein. Dies ist heute z.B. bei der Vielzahl von Auflagen hilfreich. Die Vereine als Garant des dörflichen Zusammenlebens und als Aushängeschild der Gemeinde müssen wieder einen hohen Stellenwert bekommen. Hierzu dienen die direkten und indirekten Zuschüsse, aber auch die Gestaltung der Rahmenbedingungen durch die Gemeinde. Wichtig wird zunehmend die Integration der Neubürger z.B. durch Werbemaßnahmen.

Weber: Durch ein aktives Vereinsleben steht und fällt eine gute, funktionierende Dorfgemeinschaft, die es in Mittelbiberach und Reute gibt. Deshalb biete ich den Vereinen immer die Möglichkeit des Gesprächs an - jederzeit. Darüber hinaus werde ich die Vereine dort unterstützen wo ich kann, z. B. bei der Organisation von Festen oder bei der Stellung von Räumlichkeiten. Natürlich sind Vereine auch immer finanziell gefordert. Auch hier biete ich meine Unterstützung an. Sofern die Forderungen plausibel und damit nachvollziehbar sind, kann ich auch Zuschüsse befürworten.

Bürger wollen bei vielen Entscheidungen mit einbezogen werden. Welche Angebote wollen Sie dafür schaffen?

Hänle: In den letzten Wochen habe ich deutlich gemacht, dass mir der Kontakt mit den Bürgern besonders wichtig ist. Durch aktives Zugehen und viele Veranstaltungen und Hausbesuche bin ich mit vielen Bürgern ins Gespräch gekommen. Gute Instrumente um Bürger einzubeziehen, sind Bürgerversammlungen, Sprechstunden, Vereinsvorständetreffen, Anlieger- und Quartiersversammlungen und das Konzept „Rathaus vor Ort“. Auch digitale Möglichkeiten der Information und Rückmeldung finde ich interessant. Bei allem gilt, dass die Verwaltung fachlich fundierte Lösungsvorschläge erarbeiten muss, auf deren Grundlage dann beraten werden kann – und zwar ergebnisoffen!

Weber: Wie in meinen Reden in Mittelbiberach und Reute dargelegt, ist es mir ein großes Anliegen die breite Bevölkerung an einen Tisch zu holen. Ich plane daher Workshops zu denen ich alle interessierten Einwohner einlade. In diesen Workshops könnten beispielsweise die Themen Dorfentwicklung, Nahversorgung oder Heimatfest gemeinsam diskutiert und Lösungsvorschläge erarbeitet werden. Mir ist es wichtig, einen breiten Konsens zu diesen und anderen Themen zu finden. Denn es sollte sich jeder der in der Gemeinde lebt auch mit dem identifizieren können, was die Gemeinde, also der Gemeinderat, beschließt und umsetzt. Zusätzlich plane ich eine monatliche Bürgerfragestunde einzurichten.

Das Heimatfest hat über die Jahre etwas an Anziehungskraft verloren. Die Besucherzahlen gehen zurück. Haben Sie Pläne, um das Heimatfest wieder zu beleben?

Hänle: Das Heimatfest wird von mehreren engagierten Vereinen organisiert und hat tolle Programmpunkte. Ich denke da z.B. an den stimmungsvollen Zapfenstreich im Schlosshof. Es gilt nun, auch die anderen Tage für die Gemeindebürger attraktiver zu machen. Der Bürgermeister kann hier Impulsgeber und Moderator sein, wofür ich gerne zur Verfügung stehe. Letztlich sollte es der Gemeinde auch etwas Wert sein, das gezeigte Engagement und die Wirkung eines erfolgreichen gemeinsamen Dorffestes ausreichend zu unterstützen.

Weber: Schön wäre es, wenn das Heimatfest als Gemeindefest zukünftig wieder größeren Zuspruch findet. Vielleicht ist es notwendig neue Wege zu gehen. Als Gemeinde kann ich das nur unterstützen, da ein Heimatfest der Zusammengehörigkeit dient und zudem eine gute Werbung für die Gemeinde nach außen hin darstellt. Ich sehe mich als Bürgermeister gerne als Vermittler zwischen den Beteiligten und könnte mir auch, sofern das Zukunftskonzept passt, eine stärkere finanzielle Beteiligung der Gemeinde vorstellen.

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