Das „Lotsenhaus“ steht für eine neue Kultur des Sterbens

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Deutsche Presse-Agentur

Als Ort des Trauerns, Abschiednehmens und Gedenkens ist das „Lotsenhaus“ in Hamburg-Altona bundesweit einmalig. „Erstmals wurde der Hospizgedanke hier so erweitert, dass er die Angehörigen eines todkranken Menschen in den Mittelpunkt stellt.“,

Das sagt die Leiterin des Hospizes „Hamburger Leuchtfeuers“ Petra Fischbach. Dort wurde das „Lotsenhaus“ 2007 als ergänzendes Angebot gegründet. „Es geht um eine neue, andere Kultur des Sterbens. Es geht darum, dem Trauern nicht auszuweichen, auch Verzweiflung ist erlaubt“, betont die gelernte Krankenschwester.

Im „Lotsenhaus“ ist alles freundlich und hell, eine Ausstellung zeigt farbenfrohe Särge, Urnen, Seelenschiffe, Grabbeigaben und Gedenksteine. Ein Mann am Empfang sorgt dafür, dass niemand umherirren muss, wenn er hereinkommt. Außerdem gibt es eine fest angestellte Bestatterin und Trauerbegleitung durch eine Theologiestudentin.

Das Lotsenhaus sei entstanden aus der Erfahrung, dass Trauern Zeit und Raum brauche, die Bestattung so zu gestalten, wie sie gewünscht werde, sagt Fischbach. Zudem wollen die Initiatoren eine Veränderung im gesellschaftlichen Umgang mit dem Sterben erreichen: „Der Tod soll wieder ein Gesicht bekommen.“

So können Angehörige im „Lotsenhaus“ ihre Toten aufbahren lassen, bei ihnen Wache halten. Hier werden Trauerrituale besprochen, finden Trauerfeiern statt, „zu marktüblichen Preisen“, wie die Geschäftsführerin sagt. Die Einrichtung solle helfen, mit dem Tod eines geliebten Menschen umzugehen, eine neue Kultur des Sterbens zu schaffen. „Dazu bieten wir psychosoziale und spirituelle Begleitung“.

Unter anderem gibt es Veranstaltungen, die sich dem Thema Abschied und Trauer widmen, Trauerbegleitung, Krisengespräche, Gruppenangebote und Workshops. Haupt- und ehrenamtlich arbeitende Menschen begleiten die, die den Tod eines geliebten Angehörigen verkraften müssen.

„Wer Mut und Gelegenheit hat, sich auf die Erfahrung des Sterbens einzulassen, bekommt eine Fülle von Lebenskraft und Energie zurück“, meint Fischbach. Weil auch soziale Unternehmen professionellen Umgang mit Finanzressourcen brauchen, hat sie sich sich zur „non profit managerin“ ausbilden lassen. „Leuchtfeuer“ war eines der ersten Hospize bundesweit. Jetzt hoffen die Initiatoren auch auf Nachahmer für das „Lotsenhaus“, das mit Eigenmitteln und Spenden eingerichtet wurde.

Aber nicht nur die Angehörigen, auch die Todkranken selbst scheinen erleichtert zu sein, dass es eine solche Einrichtung gibt. So heißt es im Gästebuch vom „Lotsenhaus“: „Endlich kann man wieder gelassen sterben. Weil man weiß, dass es für geliebte Zurückgelassene einen Ort gibt. Weitersagen.“

Weitere Informationen: www.hamburgleuchtfeuer.de

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