Sie führen den Pfarrgemeinderat in der Seelsorgeeinheit Sigmaringen an: Anja Sauter als Vorsitzende und Martin Metzger als ihr
Sie führen den Pfarrgemeinderat in der Seelsorgeeinheit Sigmaringen an: Anja Sauter als Vorsitzende und Martin Metzger als ihr Stellvertreter. (Foto: Mareike Keiper)
Schwäbische Zeitung

Am 22. März heißt es wieder: Kreuzchen setzen. Dieses Mal geht es bei der Wahl aber nicht um Politik, sondern um die Kirche. 28 Menschen aus der Seelsorgeeinheit Sigmaringen kandidieren wieder um einen Platz im Pfarrgemeinderat. SZ-Redakteurin Mareike Keiper hat mit der Vorsitzenden Anja Sauter (48 Jahre) und ihr Stellvertreter Martin Metzger (57 Jahre) über die Wahl gesprochen – und welche Rolle der Pfarrgemeinderat heutzutage einnimmt.

Was war der Grund, dass Sie sich, Frau Sauter, vor zehn Jahren und Sie, Herr Metzger, vor fünf Jahren sich als Pfarrgemeinderat haben aufstellen lassen?

Sauter: Ich habe gute Erfahrungen während der Erstkommunionszeit meiner Tochter gemacht. Bei den jüngeren Kindern war ich in der Krabbelgruppe aktiv und im Team des Kleinkindergottesdienst dabei. Über diese Schiene bin ich reingerutscht und konnte mir gut vorstellen , im Pfarrgemeinderat mitzuarbeiten.

Metzger: Bei mir war es ein bisschen anders. Damals wurden Kandidaten gesucht. Eine Pfarrgemeinderätin ist auf mich zugekommen und hat mich gefragt, ob ich es mir vorstellen kann, zu kandidieren – gleich mit der Aufforderung, ich solle mir den neuen Pfarrer Baumgartner, einmal anschauen. Der kam damals neu in die Seelsorgeeinheit Sigmaringen, die gerade mit Sigmaringendorf und Bingen fusioniert ist. Als ich ihn kennengelernt habe, war mir klar, dass mit ihm etwas zu bewegen ist. Meine Entscheidung hing also eng mit Pfarrer Baumgartner zusammen.

Wie läuft denn inzwischen die Suche nach neuen Kandidaten ab?

Metzger: Wir waren in Bingen vier Kandidaten und wussten, dass einer nicht mehr kandidiert, also brauchten wir einen Neuen. Wir haben uns mit dem Gemeindeteam zusammengesetzt und sind Namen durchgegangen, wer in Frage kommen könnte.

Was sind denn die Kriterien für neue Kandidaten? Sind das die typischen Sonntags-Kirchgänger?

Metzger: Wir haben geschaut, wer sich schon engagiert hat in der Gemeinde. So sind wir auf zehn Namen gekommen. Wer schon viel aktiv ist und wenig Zeit hat, kam eher nicht in Frage. Und wer keinen Bezug zur Kirche hat, der ist auch schwer, für das Amt zu begeistern. Die anderen haben wir angesprochen und uns natürlich gefreut, wenn Interesse bestand.

Sauter: Natürlich fragt man kirchennahe Menschen, ob sie sich nicht diesbezüglich engagieren möchten. Jeder soll es freiwillig und gerne tun. Dabei sind die Kriterien vielfältig: Manche bringen als Typ eher die Fähigkeit zu gestalten mit, andere setzen Aufgaben lieber um oder es liegt ihnen eine Gruppe besonders am Herzen – für alle ist im Pfarrgemeinderat Platz.

Ist es denn schwer, neue Kandidaten zu finden?

Sauter: Hört jemand auf, entwickeln die Gemeinden Ideen, den Sitz wieder zu besetzen. Da herrscht kein Konkurrenzkampf. Ich sehe es also nicht unbedingt negativ, dass es nur 28 Kandidaten bei 27 Plätzen gibt, sondern eher als Zeichen des guten Miteinanders in der Gemeinde.

Was sind die Aufgaben des Pfarrgemeinderats?

Sauter: Wir haben die Aufgabe, die drei Grundaufträge von Gemeinde – Gottesdienst, Verkündigung und Dienst am Nächsten – zu gewährleisten. Wir haben zum Beispiel ein Leitbild entwickelt, das uns als Grundlage dazu dient. Wir haben Ausschüsse, darunter der Stiftungsrat, der sich um Finanzen, Personal und Gebäude kümmert, oder eine Ehrenamtskoordinatorin. Aber unsere Hauptaufgabe ist es, für die Menschen das Evangelium erlebbar zu machen.

Warum ist der Pfarrgemeinderat wichtig?

Sauter: Weil er die Bedürfnisse der Gläubigen wahrnimmt und die Pflicht hat, ihnen gerecht zu werden. Manchmal haben wir auch Entscheidungen getroffen, die uns nicht leicht gefallen sind.

Zum Beispiel?

Sauter: Den Liturgieplan von drei Pfarrern auf zwei zusammenzuschneiden. Das war ein harter Prozess. Wir haben uns Zeit gelassen, um zu einem guten Ergebnis zu kommen und zu schauen, dass jede Gemeinde zum Zug kommt.

Was haben Sie neben dem geänderten Liturgieplan in den vergangenen fünf Jahren noch geschafft?

Sauter: Stichwort viel Neues wagen und Traditionen beibehalten: Wir haben zum Beispiel Festen ein Profil gegeben, Projekte wie AbenteuerKirche ins Leben gerufen, Katechese weiterentwickelt, gebündelt und evaluiert.

Die Pfarrgemeinderatswahlen

Am Sonntag, 22. März, dürfen Katholiken in diversen Gemeinden ihre Pfarrgemeinderäte wählen. Vorab funktioniert das auch per Briefwahl und erstmals im Internet. Die Informationen dazu haben die Wahlberechtigten bereits erhalten. Die Wahl findet alle fünf Jahre statt. Die Kandidaten werden aufgestellt. Um tatsächlich zu kandidieren, brauchen sie aber Unterschriften von zehn Pfarrgemeindemitgliedern. Möglich ist es auch, dass am Wahltag ein neuer Kandidat dazustößt. Er muss aber auch von zehn Pfarrgemeindemitgliedern aufgeschrieben werden, damit er in das Gremium einzieht. Nach der laufenden Amtszeit hören elf Pfarrgemeinderäte in der Seelsorgeeinheit auf. Da 28 Kandidaten antreten, sind zwölf von ihnen neu auf der Liste. Allerdings können nur 27 Kandidaten gewählt werden. Jeder Wähler hat 27 Stimmen, entsprechend der maximalen Pfarrgemeinderatsanzahl. Er darf aber jedem nur eine Stimme geben – sie dürfen nicht bei bestimmten Kandidaten summiert werden. (mke)

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