„Das Engagement ist bewundernswert“

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Redaktionsleiter

Claas-Dieter Knoop lebt und arbeitet in einer angenehmen Umgebung. Die deutsche Botschaft in Addis Abeba verfügt über einen großen Park, über repräsentative Gebäude, sie liegt in einem besseren Viertel der Hauptstadt. Und sie ist begehrtes Anlaufziel für Menschen, die dem Land den Rücken kehren wollen. Vor dem separaten Eingang zur Visa-Abteilung bilden sich häufig Schlangen. Der Botschafter kann die Menschen verstehen. Und doch hält er den Drang vieler, das Land zu verlassen, für falsch. „Äthiopien kommt dadurch nicht weiter.“

Der Botschafter kennt mittlerweile die Nöte des Landes zur Genüge. Alle Außengrenzen sind instabil. Im Norden schwelt der Dauerkonflikt mit Eritrea, im Südosten befindet sich das Dauerkrisenland Somalia. Die äthiopische Armee befindet sich dort im Krieg, seit sie Ende 2006 einmarschiert ist. Die Unruhen in Kenia haben zu Jahresbeginn auch Äthiopien nervös gemacht, im Westen liegt der Sudan. Seit den Wahlen im Mai 2005 hat sich die innenpolitische Lage verschärft, ein Teil der Opposition wanderte in die Gefängnisse.

Mehr Bildung gehört deshalb aus Sicht Knoops zu den großen Herausforderungen für das Land, um sich fortzuentwickeln. „Das hat auch die Regierung erkannt.“ Doch Programme allein garantieren den Fortschritt noch nicht. So fehlt in Äthiopien ausreichend qualifiziertes Personal an den Hochschulen. Afrikanische Lehrkräfte aus Ländern wie Kenia oder Nigeria aber arbeiten nur zu deutlich höheren Bezügen als Äthiopier in dem Land. Wer insbesondere in Medizin ein Studium absolviert hat, schielt danach häufig über die Grenzen. Vor allem die Golfstaaten sind bevorzugte Adresse. Geld lockt jene Experten weg, die das Land so dringend benötigt.

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