Das Beste kommt am Anfang: Glamouröse Couture in Paris

Lesedauer: 5 Min
Deutsche Presse-Agentur

Man kann nur hoffen, dass die Pariser Couture nicht gleich zu Anfang ihr Pulver verschossen hat. Mit Chanel sowie Armani und Dior zeigten die klangvollsten Namen gleichsam vor der ersten Halbzeit der dreitägigen Schauen der Hohen Schneiderkunst ihre Modelle.

Dabei boten sie im Grunde schon ein abschließend gültiges Statement darüber, was Couture kann. Chanel zeigte die Architektur vollendeter Schnittführung, Armani den Glamour kostbarer Materialien und Dior gab mit einer vom Barock inspirierten Kollektion ein meisterhaftes Beispiel der alltagsfernen Traumwelt, für die die exklusive Haute Couture bis heute steht.

Karl Lagerfeld hatte sich in seiner Chanel-Kollektion für Frühjahr/Sommer 2009 Flora als Muse erwählt, die Entwürfe sollten der Schönheit von Blüten nicht nachstehen. Da weiße Kamelien, die Lieblingsblumen Coco Chanels, zu einem Symbol des Hauses geworden sind, inszenierte er eine fast ganz in Weiß und Creme daherkommende Schau. Und wohl jede Couture-Kundin mit heranwachsenden Töchtern konnte sich danach eine ganz und gar von Lagerfeld ausgestattete Hochzeit derselben vorstellen. Die Feste der Superreichen gelten als eines der tragenden Elemente des Metiers der Hohen Schneiderkunst, das - statt wie das Prêt-à-Porter Millionen - nur Hunderte von Kunden zählt. Vielleicht war deswegen der lichte Salon, in dem das Defilee über die Bühne ging, so prächtig wie bei einer veritablen Hochzeit geschmückt, mit üppigen weißen Girlanden und Decken aus unglaublich kunstvoll zugeschnittenen Papierblüten, mit einem schwarz lackierten Laufsteg und lauter kleinen Tischchen, an denen die Gäste saßen.

Die Kollektion stand der Dekoration in ihrer Kunstfertigkeit nicht nach. Die Form der knapp knielangen, steifen Tageskleider und Kostüme erinnerte an Blütenkelche mit A-förmig geschnittenen Röcken, wippenden Bolerojacken und trapezartigen Schultern, die Ärmel erinnerten oftmals an Glockenblumen. Auf dieser Grundform, später durch lange Roben variiert, entfachte Lagerfeld ein Feuerwerk an Ideen, ließ schlichten Tweed erglänzen, verzierte ihn mit Bordüren, zeigte durchbrochene Spitze, Paillettenstickereien, Federkleider und immer wieder Stoffblüten. Die wenigen schwarzen Entwürfe taugten weiter als Hommage an Coco Chanel, die Schwarz und Weiß als die „absolute Schönheit“ bezeichnet hatte. Die weiße Braut am Ende trug lange Paillettenhosen zum Kelchkleid, wirkte aber mit ihrer runden Blütenhaube eher wie ein Astronaut denn wie ein Blumenkind.

Bei Giorgio Armani war das Ambiente im Palais Chaillot am Trocadéro nicht ganz so spektakulär, dafür schoss er in Sachen Prominenz den Vogel ab. Neben der Hollywood-Schauspielerin Glenn Close und der italienischen Diva Claudia Cardinale, beide treue Kundinnen, konnte er Charlene Wittstock begrüßen. Die Freundin von Albert von Monaco, die von vielen als zukünftige Fürstin gesehen wird, stach mit ihrer frischen Art, ihrem hübschen Gesicht und dem sportlichen Kurzhaarschnitt einer Profi-Schwimmerin die schönheitsoperierten, hoch toupierten Armani-Kundinnen locker aus.

Die Kollektion hingegen wirkte bei allem Glanz zurückhaltender als sonst. Armani hatte sich von China und dem Fernen Osten inspirieren lassen und zeigte Seidenkleider mit Pagodenärmeln und schönen Blütenmotiven. Einige Entwürfe erinnerten in ihrem dunkelglänzenden Violett an die lackierten Oberflächen chinesischer Koromandel-Schirme, andere, in strahlendem Gelb, wirkten wie die gewickelten Gewänder von Geishas. Die Linie bleibt dabei, typisch Armani, figurbetont und schmeichelnd.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen