„Das Angebot Gottes zu allen Menschen tragen“

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Mirjam Schweizer
Mirjam Schweizer (Foto: Schweizer)
Schwäbische Zeitung

Fronleichnam, ein Kirchenfest, mit dem die wenigsten etwas anfangen können. Was kann uns dieses Fest sagen, gerade in dieser Zeit? Blicken wir nach Neviges (Velbert):

Wer dort die Wallfahrtskirche betritt, ist überrascht. In dem auffälligen Betonbau erinnert die Beleuchtung an Straßenlampen und in der Mitte ist ein gepflasterter Platz zu sehen, der an einen Marktplatz erinnert. Der Architekt wollte damit ausdrücken: Hier handelt es sich nicht nur um einen frommen Veranstaltungsort, sondern ihr steht mitten in der Öffentlichkeit und was ihr feiert, soll der ganzen Stadt, der ganzen Welt zugutekommen. Darum läuten die Glocken auch laut zur Einladung für alle Menschen und die Glocken im Gottesdienst zeigen, dass in der Wandlung im kleinen Stück Brot der Himmel die Erde berührt und damit dann auch ein Auftrag verbunden ist: Ihr wurdet gestärkt, um nun gesandt zu werden, um jetzt etwas von dem Erlebten unter die Menschen zu tragen.

Einmal im Jahr an Fronleichnam ziehen wir aus der Kirche hinaus in die Öffentlichkeit und demonstrieren mit der Monstranz (einem sonnenähnlichem heiligen Gefäß), was wir glauben. Wir möchten dabei nicht unsere Frömmigkeit zur Schau stellen oder katholische Folklore zeigen, nein, wir tragen das Angebot Gottes zu allen Menschen hinaus. Bei jeder Demonstration werden Forderungen gestellt, wir Christen aber zeigen, wer unserem Leben Sinn und Orientierung geben kann. Das kleine, fast durchsichtige Brot, Jesus Christus, will sagen: Es gibt etwas zwischen Himmel und Erde, das kannst du dir nicht kaufen, aber das kann deinen inneren Hunger stillen. Die kleine Scheibe Brot in der festlichen Monstranz ruft uns zu: „Ich verschenke mich!“ Dieser Jesus kann reizen, kann ein wenig provozieren, aber er will auch unsere Entscheidung. „Komm, ich gebe deinem Leben eine neue Blickrichtung, wenn du willst. Fragt nicht immer, was bringt mir das, sondern mach es wie ich: Verschenke dich, ohne zu fordern!

So sollte Fronleichnam an jedem Tag gefeiert werden: Denn wir sollten jeden Tag hinausgehen zu den Menschen, die uns brauchen; uns verschenken, die Nächstenliebe hochhalten, um zu zeigen, wir sind füreinander da und gehen miteinander. So ist die Botschaft von Fronleichnam wichtiger denn je. Ein gutes Wort über den Zaun kann reichen, ein freundliches Nicken trotz der Maske, ein Dankeschön, eine kleine Aufmerksamkeit an der Haustür. Verschenke dich!

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