Damals in der DDR: Fastnacht im Visier der Stasi

Lesedauer: 5 Min
Deutsche Presse-Agentur

In der ehemaligen DDR drohte Karnevalsvereinen das staatliche Verbot, mit politischen Büttenreden konnte man seine Existenz gefährden und Kostüme mussten meist selbst genäht werden.

Dennoch ließ sich die Fastnachtskultur nach dem Zweiten Weltkrieg auch im Osten Deutschlands nicht unterkriegen. Zunächst vom Regime als „konservativ-reaktionär“ abgelehnt, wurde Karneval schließlich - angesichts seiner vielen Anhänger - offiziell zum Kulturträger der Republik erklärt. In der Fastnachtshochburg Mainz zeigt noch bis Aschermittwoch (25. Februar) eine Ausstellung im Rathaus, wie im anderen Teil Deutschlands gefeiert wurde.

Dabei werden zum einen viele Gemeinsamkeiten deutlich - im Westen wie im Osten gab es Saalfastnacht und Straßenumzüge, Prinzen und Plaketten. Auf der anderen Seite macht die Ausstellung auch den ungeheuren Druck spürbar, der auf den DDR-Fastnachtern lastete. So werden unter anderem Dokumente der Staatssicherheit gezeigt, bei denen es um die Überwachung des Erfurter Büttenredners Rolf Fliedner geht - Deckname: Der Prediger. Fliedner war mit kritischen Bemerkungen über die DDR-Gesellschaft aufgefallen und ins Visier der Stasi geraten.

Nur der Solidarität seiner Arbeitskollegen sei es zu verdanken gewesen, dass er kein Berufsverbot bekam, heißt es in der Schau. Allerdings wurde Fliedner mit einem Auftrittsverbot belegt. „Gerade für uns hier in Mainz ist es schwer vorstellbar, dass eine kritische Büttenrede tiefe Einschnitte in das persönliche und berufliche Leben eines Menschen haben konnte“, sagte der Kulturdezernent der Stadt, Peter Krawietz.

Die Ausstellung „Fasching, Fastnacht und Karneval in der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik - Gratwanderung zwischen Anspruch und Wirklichkeit“ wurde vom Bundesverband des Deutschen Karnevals initiiert und zusammengestellt. Die Exponate sollen später im Deutschen Fastnachtmuseum in Kitzingen/Main in Bayern gezeigt werden.

Nach Zahlen des Zentralen Arbeitskreises Karneval gab es im Sommer 1988 rund 1340 offiziell registrierte Karnevalsclubs in der DDR mit etwa 70 000 aktiven Mitgliedern. Dabei war es für die Narren nicht immer ganz einfach, sich mit Kostümen und Zubehör auszustatten: Wie die Ausstellung dokumentiert, gab es nur zwei Hersteller von Orden, Abzeichen und Plaketten, drei Anbieter von Masken und Scherzartikeln und einen Hersteller von Elferratsjacken und Kostümen. „Daher wurden viele Kostüme mit viel Liebe selbst gemacht“, sagt Dietmar Schönfeld vom Mainzer Kulturamt.

Vor ihrem Auftritt in der Bütt und auf der Karnevalsbühne mussten die Künstler einen Test vor einem städtischen Gremium ablegen - etwa für die „Zulassung für die anleitende Tätigkeit im künstlerischen Volksschaffen“. „Die Reden waren oft subtiler, hintergründiger als im Westen. Vieles musste zwischen den Zeilen gesagt werden“, sagt Schönfeld. Denn jedem war klar - die Stasi saß bei den Fastnachtsveranstaltungen mit im Saal. Und sie durfte vor allem die sogenannten „Flüsterwitze“ nicht hören.

Die wurden auf keinen Fall in der Bütt, aber im Freundeskreis erzählt. Von diesen Witzen präsentiert die Ausstellung einige Beispiele, etwa: „Was ist der Unterschied zwischen der Republik und unserem Kulturhaus? Im Kulturhaus sind die Fluchtwege ausgeschildert.“

Karneval in der DDR - Ausstellung im Mainz: http://www.mainz.de/WGAPublisher/online/html/default/lmhr-7mfed7.de.html

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen