Dänische Referees bestätigen Bestechungsversuch

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Deutsche Presse-Agentur

Die vom Spielbetrieb suspendierten Schiedsrichter Frank Lemme und Bernd Ullrich sowie ihre dänischen Kollegen Martin Gjeding und Mads Hansen haben schwere Vorwürfe gegen die Europäische Handball-Föderation (EHF) erhoben.

Nach Meinung der Magdeburger Referees würden Unparteiische, die einen Bestechungsversuch melden, nicht mehr eingesetzt. Die Dänen werfen dem Verband vor, nach einem von ihnen gemeldeten Bestechungsversuch vor dem WM-Qualifikationsspiel Rumänien gegen Montenegro im Juni 2008 untätig geblieben zu sein.

„Wir wussten aus Gesprächen mit Kollegen, wie die EHF reagiert, wenn ein Bestechungsversuch angezeigt würde: Die Schiedsrichter wurden aus dem Verkehr gezogen, die betreffenden Vereine hingegen kamen ungeschoren davon. Da überlegt man sich dann schon, ob man überhaupt etwas erzählt“, wird Bernd Lemme in der „Magdeburger Volksstimme“ zitiert.

Die beiden Magdeburger Referees hatten einen Bestechungsversuch vor dem Final-Rückspiel im Europacup zwischen Medwedi Tschechow und BM Valladolid im April 2006 verschwiegen. Am Folgetag waren bei der Ausreise vom russischen Zoll 50 000 Dollar in Ullrichs Gepäck gefunden worden. Biede bestreiten, das Geld genommen und Spiele manipuliert zu haben.

Die EHF hatte erklärt, dass ihr keine offiziellen Meldungen zu versuchten Bestechungen vorliegen. „Bei uns wird kein solcher Fall in den zuständigen Gremien behandelt. Ob es Beschwerden von Schiedsrichtern gegeben hat, dass sie sich unter Druck gesetzt fühlten, kann ich nicht sagen. Ich schließe nicht aus, dass es Statements gegeben hat“, sagte EHF-Generalsekretär Michael Wiederer der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Dagegen behaupten die dänischen Spitzenschiedsrichter Gjeding und Hansen, im Sommer 2008 die EHF von einer versuchten Bestechung vor einem WM-Qualifikationsspiel Rumänien gegen Montenegro informiert zu haben. Wie die Zeitung „Jyllands-Posten“ (Århus) meldete, wurden den Unparteiischen nach eigenen Angaben im Juni 2008 je 30 000 Euro in einem Koffer geboten, um den Rumänen zu einem Sieg zu verhelfen. Sie hätten dies abgelehnt. Die Rumänen gewannen das Spiel genau mit dem zum Weiterkommen nötigen Vorsprung von fünf Toren.

In dem dänischen Zeitungsbericht hieß es, Gjeding und Hansen hätten der EHF umgehend vom rumänischen Bestechungsversuch Bericht erstattet. Es sei danach aber nichts passiert. Der Geschäftsführer des dänischen Verbandes, Morten Stig Christensen, meinte zu dem Fall: „Das erschüttert uns und zeigt, dass im Handball dringend radikale Veränderungen durchgesetzt werden müssen.“

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