Chipkonzern Qimonda pleite - 12 000 Jobs in Gefahr

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Deutsche Presse-Agentur

Die wochenlangen Rettungsbemühungen für den krisengeschüttelten Speicherchip-Hersteller Qimonda mit weltweit rund 12 000 Beschäftigten sind vorerst gescheitert. Am Freitag stellte das Unternehmen beim Amtsgericht München Insolvenzantrag.

„Der Vorstand von Qimonda ist bestrebt, wesentliche Unternehmensteile im Rahmen der Insolvenz zu sanieren“, erklärte das Unternehmen. In Deutschland sind durch die Pleite 3200 Arbeitsplätze im größten Werk in Dresden und weitere 1400 Jobs am Firmensitz in München in Gefahr. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde der Münchner Rechtsanwalt Michael Jaffé bestellt.

Trotz der Insolvenz will Qimonda den Betrieb aufrechterhalten. Der Vorstand sehe „gute Chancen“, die zur Neuausrichtung notwendigen finanziellen Mittel in Verhandlungen mit potenziellen Geldgebern und Investoren zu bekommen, hieß es. „Wir gehen davon aus, dass wir unseren Geschäftsbetrieb mit Unterstützung des vorläufigen Insolvenzverwalters sowie unserer Mitarbeiter im Sinne unseres Restrukturierungsprogramms fortführen können“, sagte Vorstandschef Kin Wah Loh.

Qimonda mit Standorten in Dresden, München und Porto und Richmond leidet seit langem unter dem dramatischen Preisverfall bei DRAM- Speicherchips und der Konkurrenz aus Fernost. Derartige Speicherchips kommen vor allem in Computern, Spielekonsolen und Handys zum Einsatz. Die Zahl der Beschäftigten hatte sich durch ein Sparprogramm von ursprünglich 13 000 auf mittlerweile 12 000 verringert. Das Unternehmen war 2006 von der Mutter Infineon abgespalten und an die Börse gebracht worden. Infineon hält noch rund 77,5 Prozent.

Durch die Pleite werden gravierende Folgen für die Standorte erwartet. Aber auch Infineon drohen nun hohe Lasten. Am Freitag kündigte der Konzern an, Rückstellungen über einen niedrigen dreistelligen Millionen-Euro-Betrag zu bilden. Ein Teil der Lasten solle bereits im abgelaufenen ersten Geschäftsquartal (Ende Dezember) verbucht werden. Infineon geht jedoch nicht davon aus, vor dem Ende des Geschäftsjahres 2008/09 (30. September) Zahlungen leisten zu müssen.

Qimonda steckte bereits seit Wochen in der Existenzkrise, nachdem die monatelange Suche nach einem Investor ergebnislos verlief. Zuletzt war bekanntgeworden, dass Qimonda weitere bis zu 300 Millionen Euro an frischem Kapital benötigt. Zusammen mit einem im Dezember geschnürten Finanzpaket summierte sich der Liquiditätsbedarf damit auf mehr als eine halbe Milliarde Euro, eine Insolvenz hatte sich deshalb bereits abgezeichnet.

Der Bund hat Qimonda auch wegen grundlegender Zweifel an einem belastbaren Konzept für die Zukunft Bürgschaften verweigert. Das Unternehmen habe nicht ausreichend begründen können, wie ein tragfähiges Geschäftsmodell aussehen soll, teilte das Bundeswirtschaftsministerium mit. Die volkswirtschaftliche Bedeutung von Qimonda sei dagegen wegen der vielen Arbeitsplätze und des technologischen Wissens unstrittig gewesen. Die Bundesregierung bemühe sich weiter um das Unternehmen.

Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) sagte einem möglichen Investor Hilfe zu. „Die Staatsregierung wird alles tun, um einen künftigen Investor zu unterstützen. Unser Hilfsangebot steht unverändert“, sagte Tillich in Dresden. Eine Beteiligung Sachsens an möglichen Firmenauslagerungen, die im Zuge der Insolvenz entstehen könnten, schloss er aus.

Der Bund sowie die Länder Sachsen und Bayern hatten zuletzt nach Angaben aus Finanzkreisen eine Absicherung des kurzfristig benötigten Finanzbedarfs über Bürgschaften abgelehnt. Auch die Banken hätten sich von Qimonda abgewendet, hieß es.

Die IG Metall warf dem Management Versagen vor. „Eine schier endlose Serie von Managementfehlern hat den Speicherchiphersteller Qimonda in die Insolvenz geführt“, sagte Bayerns IG-Metall-Chef Werner Neugebauer laut Mitteilung in München. Die Fehler hätten bereits mit der Ausgliederung aus Infineon begonnen. Schon damals habe die IG Metall darauf hingewiesen, dass Qimonda zu klein und nicht überlebensfähig sei.

Erst kurz vor Weihnachten hatten Sachsen, Portugal und der Mutterkonzern Infineon ein Rettungspaket über 325 Millionen Euro zugesagt. Sachsen wollte sich mit 150 Millionen Euro beteiligen, Infineon mit 75 Millionen Euro und Portugal als einer der Qimonda- Standorte mit 100 Millionen Euro. Daneben war eine Bürgschaft von Bund und Land Sachsen über 280 Millionen Euro vorgesehen.

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