Chance für Jobsuchende: Die Kreuzfahrtbranche boomt

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Deutsche Presse-Agentur

Es klingt wie der Traumjob schlechthin: Die Welt bereisen, neue Kontakte knüpfen und dabei auch noch Geld verdienen. Für Sonja König aus Berlin war das tatsächlich ein Traum, und sie hat ihn wahr gemacht.

Viereinhalb Jahre lang war sie Reiseleiterin auf der „MS Deutschland“, dem Flaggschiff der Reederei Peter Deilmann. Sonja König ist nicht die einzige, die ihren Traum verwirklichen konnte. Die Kreuzfahrtbranche boomt - und der Arbeitsmarkt auf den Schiffen gleich mit.

Experten zufolge wird auf den Kreuzfahrtschiffen deutscher Reedereien jährlich massenweise Personal gesucht. „Vom Zimmermädchen bis zum Fitnesstrainer, vom Arzt bis zum Ingenieur: Die Branchenvielfalt ist auf einem Kreuzfahrtschiff besonders hoch“, sagt Frank Fleischmann, Sprecher der Agentur für Arbeit in Suhl.

Fleischmann hat in Suhl die Messe „MeerArbeit“ ins Leben gerufen und konnte dadurch schon viele Arbeitssuchende auf die „Traumschiffe“ vermitteln. Gesucht würden in erster Linie Arbeitskräfte aus der Hotelbranche. Technische Berufe machen nur etwa 15 bis 20 Prozent des gesamten Jobangebots aus. Gute Einstiegschancen also für junge Hotelfachleute wie Sonja König, die ihren Horizont erweitern möchten. Auch auf der Reisemesse ITB in Berlin (11. bis 15. März) wird „MeerArbeit“ in diesem Jahr mit einem Stand vertreten sein.

Hintergrund für die verstärkte Suche nach Arbeitskräften ist laut der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg die wachsende Nachfrage bei Kreuzfahrten. Der Deutsche Reiseverband (DRV) in Berlin registrierte im Touristikjahr 2007/08, das am 31. Oktober 2008 endete, ein Umsatzplus von rund zwölf Prozent bei Kreuzfahrtenveranstaltern. „Das Angebot der Unternehmen ist vielfältiger geworden. Es ist mittlerweile auf viele verschiedene Zielgruppen ausgerichtet und zieht auch junge Menschen an“, erklärt DRV-Sprecherin Sibylle Zeuch.

Die Reedereien reagieren auf die Entwicklung mit Investitionen in neue Schiffe. Auch 2008 sind mehrere Ozeanriesen hinzugekommen, und 2009 stehen in der Hochseebranche gleich zehn Schiffstaufen an. „Das ist für viele Arbeitssuchende eine Chance“, sagt Frank Fleischmann. Voraussetzung für die Anstellung auf einem der Schiffe sind eine abgeschlossene Berufsausbildung und mindestens ein Jahr praktische Erfahrung. Außerdem sei die Arbeit auf hoher See nichts für schwache Nerven: „Leben und Arbeiten auf engstem Raum will gelernt sein. Auf einem Schiff kann man vor Konflikten nicht einfach weglaufen.“ Die Schlüsselqualifikation heiße daher Teamfähigkeit.

Sonja König hat vor ihrer Zeit auf der „MS Deutschland“ schon acht Jahre in der klassischen Hotellerie gearbeitet. Der Stress auf einem Kreuzfahrtschiff sei nicht zu unterschätzen, sagt sie: „Man merkt einfach, dass man sieben Tage am Stück arbeitet. Die zwei Tage Wochenende fehlen manchmal. Auch der Klimawechsel in südlichen Regionen war teilweise anstrengend.“

Auf Abruf bereitzustehen und dabei weitgehend auf Privatsphäre zu verzichten ist eine Herausforderung - auch für die persönliche Entwicklung. „Ich lasse mich nicht mehr so leicht aus der Ruhe bringen“, sagt König. Auch Stefanie Heckel vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) in Berlin ist der Ansicht, dass man nirgendwo an Land in solchem Maße seine Persönlichkeit schulen könne: „Vor allem die Belastbarkeit wird drastisch auf die Probe gestellt.“

Der Vorteil: Viele spätere Arbeitgeber schätzen diese Erfahrungen. „Es kann nie schaden, wenn junge Leute über den Tellerrand hinausblicken und sich in neuen Situationen beweisen. Das wird im Lebenslauf gern gesehen“, erklärt Heckel. Die Arbeit auf hoher See könne oft als Sprungbrett für die spätere Laufbahn genutzt werden.

Gerade deutsches Personal sei auf den Schiffen inländischer Reedereien ausdrücklich gewünscht. „Die Leute bezahlen viel Geld für ihren Kreuzfahrturlaub. Da wollen sie von den Kellnern auch eine Sprache hören, die sie verstehen“, sagt Frank Fleischmann. Das Klischee, es würden nur billige Arbeitskräfte aus dem Ausland eingestellt, sei längst überholt. Allerdings müssten die meisten Angestellten im Hochseebereich auch über Englischkenntnisse verfügen.

Der Traumjob auf See ist insgesamt nicht nur traumhaft, er bedeutet vor allem harte Arbeit. Sonja König ist mittlerweile in einem Hotel in Berlin beschäftigt. „Das Leben nach der Kreuzfahrt war eine Umstellung. Manchmal vermisse ich die Zeit.“ Erfahrungen auf einem Schiff zu sammeln, würde sie aber jederzeit weiterempfehlen.

Reisemesse ITB: www.itb-berlin.de

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