Chöre geben ein mitreißendes Konzert

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 Erich Hörmann feuert seinen Männerchor Fischbach an, am Klavier Jürgen Jakob.
Erich Hörmann feuert seinen Männerchor Fischbach an, am Klavier Jürgen Jakob. (Foto: Helmut Voith)
Christel Voith

Friedrichshafen - „Thank you for the music“, so hat es am Samstagabend im Graf-Zeppelin-Haus aus über 100 Kehlen geklungen. „Thank you for the music“ sagten auch die Zuhörer im vollen Ludwig-Dürr-Saal mit ihrem langen, intensiven Beifall für die vereinten drei Chöre, die einzeln und im gemeinsamen Schlussgesang ein mitreißendes Chorkonzert serviert haben.Neugierig waren die hiesigen Chöre – der Männerchor Fischbach und der Frauenchor Belle Voci aus Kluftern – auf ihre Gäste, den 30-köpfigen „Mellembygd Mannskor“ aus Nordnorwegen, gewesen, die mit ihrem Chorleiter Sven Becker für eine Woche an den See gekommen sind. Im Internet hatten sie nach einem Chor für ein Gemeinschaftskonzert gesucht und sind auf den Männerchor Fischbach gestoßen, der dann auch den Klufterner Frauenchor mit ins Boot geholt hat. Die Chemie hat gleich gestimmt, zumal der Chorleiter aus Norwegen, ein evangelischer Pastor, Deutscher ist und im Übrigen die Verständigung auf Englisch keine Probleme machte. Dass die Musik alle vereint, hob schon der Titel des Konzerts hervor: „Musik kennt keine Grenzen“. So sind auch alle Chöre in ihren Liedern, Popsongs und Schlagern in die Fremde ausgeschwärmt.In zauberhaft stimmungsvollen Fotografien stellten die norwegischen Gäste ihre Heimat vor, Polarlichter über stillen Seen und Schneebergen, während sie eingangs in schöner A-cappella-Kultur Lieder aus ihrer Heimat sangen. Andächtige Stimmung riefen ein Lied zur Mitternachtssonne oder das Lied des einsamen Vogels in kalter Nacht hervor. Ausgewogen war der volle Chorgesang oder aber die Männer schufen einen Klang, über den sich ein oder zwei Solisten erhoben. Fast schade, dass die Gäste ihre Vielseitigkeit auch mit Musical und Ragtime bewiesen, gerne wäre man beim volkstümlichen Gesang aus ihrer Heimat geblieben. Sehr schön war ihr Ausflug ins Mittelalter mit dem Liebeslied des fahrenden Sängers Adam de la Halle, vergnüglich das abschließende fröhliche Gewusel und Gegacker von „Pauls Hühnern“.Liebeslieder hatte auch der Frauenchor Belle Voci im Programm, der mit seinem neuen Chorleiter Christian Cöster sehr gepflegten Chorklang zeigte, ob trauernd, träumend oder beschwingt. Sorgsam modellierte Cöster den Gesang, der nach der Pause flott nach San Remo führte, und nach einem zärtlichen Liebeslied der Maori Leonard Cohens „Halleluja“ aufblühen ließ. Die Belle Voci wie auch der Fischbacher Chor wurden am Flügel begleitet von Jürgen Jakob, der ihnen, gerade aus dem Krankenhaus entlassen, ein ebenso sensibler wie temperamentvoller Partner war.In voller Besetzung lief zuletzt der Fischbacher Männerchor ein, farbige Pullover hingen locker über den weißen Hemden. Ebenso locker und mitreißend gestalteten sie auch ihren Part mit Lieblingsliedern und Ohrwürmern, nicht ohne den Gästen nach dem schwungvollen Einstand mit „O happy day“ mit einem Schubert-Lied die deutsche Liedtradition zu zeigen: „Wie schön, o Gott, ist deine Welt“. Wunderbar suggestiv klang Richard Rogers’ „You’ll never walk alone“, köstlich wurde mit „The lion sleeps tonight“ a cappella der ganze Dschungel lebendig, poppig und voller Dynamik beendeten sie ihren Part mit „Barbara Ann“ und „Mama Loo“.Gar nicht so leicht war es zuletzt, im Gedränge aller drei Chöre auf der Bühne noch den Blickkontakt vom Chorleiter Erich Hörmann zum Pianisten zu schaffen, dann bebte fast der Saal beim mächtigen „Thank you for the music“. Für die Zuhörer ging’s beschwingt nach Hause, für die Sänger endete der Abend bei einem gemeinsamen „Feschtle“, zu dem Jürgen Dörge, der vormalige Vorsitzende des Männerchors Fischbach, einlud.

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