Caritas hat bereits 200 Menschen zu einer Wohnung verholfen

 Die syrische Familie Alsabaggh hat durch das „Herein“-Projekt der Caritas Bodensee-Oberschwaben in Aulendorf eine Wohnung gefun
Die syrische Familie Alsabaggh hat durch das „Herein“-Projekt der Caritas Bodensee-Oberschwaben in Aulendorf eine Wohnung gefunden. Rechts im Bild die Caritas-Projektverantwortliche Lea Kopittke. (Foto: Caritas Bodensee-Oberschwaben)
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Dank der kirchlichen Wohnraumoffensive „Herein“ der Caritas Bodensee-Oberschwaben konnte seit Projektstart 2017 in Aulendorf bereits rund 200 Menschen in Oberschwaben, im Allgäu und am Bodensee zu einer Wohnung verholfen werden. Die Corona-Krise hat die Suche nach bezahlbaren Wohnungen für Menschen mit geringem Einkommen jedoch erschwert. Auch die Caritas als Zwischenvermittler tut sich entsprechend nicht leicht damit, Wohnraum zu finden und für sozial schwache Menschen anzumieten.

Anlass der Wohnraumoffensive „Herein“ ist (wie mehrfach berichtet) der Mangel an bezahlbarem Wohnraum. Denn auch in der wohlhabenden Region Bodensee-Oberschwaben gibt es Menschen mit kleinem Geldbeutel – wie etwa Alleinerziehende, kinderreiche Familien, Rentner, Einkommensschwache oder Geflüchtete – die kaum noch bezahlbaren Wohnraum finden. Das schlägt sich mittlerweile auch auf die städtischen Obdachlosenunterkünfte nieder, in Bad Waldsee beispielsweise sind kaum noch Plätze frei, da die Menschen keine eigene bezahlbare Wohnung finden und daher länger in den Unterkünften bleiben müssen (die SZ berichtete). Die Corona-Krise hat die Situation für Einkommensschwache auf dem angespannten Wohnungsmarkt noch verschärft, berichtet die „Herein“-Projektverantwortliche Lea Kopittke im SZ-Gespräch.

In enger Kooperation mit Kirchen und den Kommunen tritt die Caritas Bodensee-Oberschwaben bei dem Projekt „Herein“ als Vermittler zwischen Vermietern und Mietern auf und mietet die Wohnung für sozial schwache Menschen an. Diese haben dann eine Art Bewährungszeit, bevor es zu einem direkten Mietverhältnis zwischen Vermieter und Mieter kommt. Ziel ist, dass die Vermieter dadurch Sicherheit bekommen und die Mieter (die von der Caritas bei Bedarf auch beispielsweise in Sachen Mülltrennung, Kehrwoche oder Nebenkostenabrechnung geschult werden) eigenständige Mietverträge erhalten.

Derzeit hat die Caritas fast 60 Wohnungen als Zwischenmieter an Geringverdiener und sozial Schwache angemietet, wie Kopittke erläutert. Bei insgesamt fünf Wohnungen konnten bereits Direktmietverträge mit den Bewohnern und den Vermietern abgeschlossen werden.

Nach Angaben von Kopittke gibt es Städte, in denen die Wohnungssuche besonders gut klappt und ebenso Kommunen oder Gemeinden, in denen es „sehr schwer“ ist, an Wohnraum zu kommen. „Richtig gut“ beispielsweise funktioniere das Projekt in Tettnang (11 Wohnungen). Eher „schwieriges Gebiet“ sind laut Kopittke Friedrichshafen (6 Wohnungen) und vor allem Bad Waldsee (1 Wohnung im Direktmietvertrag). In der Kurstadt ist die Caritas mit „Herein“ seit einem Jahr aktiv, die Suche sei aber extrem schwer, obgleich der Bedarf an Wohnungssuchenden sehr groß sei, so Kopittke.

Besser läuft es in Aulendorf (4 Wohnungen und 1 als Direktmietvertrag). In Ravensburg (9) und Weingarten (7) konnten jeweils einige Wohnungen angemietet werden, ebenso im Allgäu: Leutkirch (3), Isny (1) und Bad Wurzach (3). Weitere einzelne Wohnungen gibt es über die Gemeinden im Landkreis Ravensburg verteilt etwa in Berg (1), Bodnegg (1), Fronreute (2) und in Wetzisreute sogar 4. Weitere Wohnungen gibt es in verschiedenen Gemeinden im Bodenseekreis, wie etwa Meckenbeuren (1) Eriskirch (1) oder Oberteuringen (1). Wangen als eine der vier großen Kreisstädte im Landkreis Ravensburg (neben Weingarten, Leutkirch und der Stadt Ravensburg) ist noch kein Kooperationspartner des „Herein“-Projekts.

Die Kosten für das „Herein“-Projekt übernimmt zu 80 Prozent das Bischöfliche Ordinariat (BO) in der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Insgesamt fördert das BO die Wohnraumoffensive mit elf Millionen Euro, erläutert Kopittke. Die Caritas sei aber dennoch auch bei diesem sozialen Projekt weiterhin auf Spenden angewiesen, um den Eigenanteil erbringen zu können.

Auch die Städte und Gemeinden, die ebenfalls von dem „Herein“-Projekt profitieren, beteiligen sich finanziell. Für die Wohnungs-Verwaltungskosten bezahlen die Kommunen jährlich 450 Euro pro Wohnung. Zudem fallen pro Wohnung 1200 Euro Risikorücklage an (die nur im Bedarfsfall beispielsweise bei Reparaturen verwendet wird und als Sicherheit für Caritas sowie für die Vermieter dient, die damit die Garantie haben, dass eventuelle Schäden behoben werden) sowie einen Pauschalbetrag (Projektkosten) in Höhe von 1500 Euro pro Jahr.

Übrigens, passend zur Weihnachtszeit: Der Name „Herein“ leitet sich ab von „Herberge suchen“ und „Einlass gewähren“, kurz Her-ein.

So sieht die Situation in Waldsee und Aulendorf aus:

In Bad Waldsee konnte bisher eine Wohnung an sozial Schwache vermietet werden (eine dreiköpfige Familie), und dies sogar gleich als Direktmietvertrag. Eine achtköpfige Familie aus Bad Waldsee wiederum hat in Aulendorf eine Bleibe gefunden. Dort konnten in Summe fünf Wohnungen an Suchende mit kleinem Geldbeutel vermittelt werden, eine davon als Direktmietvertrag. Insgesamt konnte die Caritas durch „Herein“ 20 Menschen in Aulendorf zu Wohnraum verhelfen. Neben der achtköpfigen Familie haben zwei alleinerziehende Mütter mit jeweils zwei Kindern eine Wohnung erhalten sowie ein alleinstehender Mann und eine fünfköpfige Familie (Direktmietvertrag). Bei 17 handelt es sich um geflüchtete Menschen.

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