Bundesliga-Titelrennen offen wie selten

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Deutsche Presse-Agentur

Spannend wie selten, offensiv wie nie - die Fußball-Bundesliga untermauert derzeit ihren Ruf als Premiumprodukt des deutschen Sports. In keiner anderen europäischen Top-Liga fallen derzeit mehr Treffer:

Ein Schnitt von 3,17 Toren pro Spiel bezeugt den Trend zum attraktiveren Angriffsfußball. Zudem verheißen die Tabellenabstände einen engen Saisonverlauf: Selbst der Neunte liegt noch in Reichweite des Spitzenreiters. Obwohl der auf Rang 11 abgerutschte Double-Gewinner FC Bayern seine Vormachtstellung eingebüßt hat, kommen vor dem 9. Spieltag forsche Töne aus München. „Unser Ziel, und da mache ich keinen Hehl daraus, ist die Herbstmeisterschaft zu gewinnen“, sagte Karl-Heinz Rummenigge.

Nach Meinung des Vorstandschefs kehrte mit den Siegen beim Karlsruher SC und gegen den AC Florenz das Selbstvertrauen zurück: „Es ist wichtig, dass wir da weitermachen. Wir sind noch nicht über den Berg, sondern wir wollen hoch auf den Berg.“ Ein weiterer Erfolg über die vom ehemaligen Bayern-Trainer Felix Magath betreuten Wolfsburger soll zu einer sachlicheren Diskussion über die Arbeit von Trainer Jürgen Klinsmann beitragen. Allerdings müssen die Münchner, die der Konkurrenz zum gleichen Zeitpunkt der vorigen Spielzeit bereits um vier Punkte enteilt waren, neben Philipp Lahm (Anbruch des Fußwurzelknochens) auch auf Luca Toni (Rippenprellung) verzichten.

Anders als zu Saisonbeginn vermutet, steigt das Spitzenspiel des Wochenendes nicht in München, sondern in Hoffenheim. Mit einem Sieg über den Hamburger SV könnten die Himmelsstürmer von Trainer Ralf Rangnick die Tabellenführung übernehmen. Vedad Ibisevic, momentan bester Bundesliga-Schütze, äußerte Zweifel, ob der verblüffende Trend anhält: „Es wird schwierig, da oben in der Tabelle zu bleiben. Jetzt, wo die Bayern nicht so stark sind, sehen andere Mannschaften ihre Chance.“ Das trifft vor allem auf den HSV zu, der nur drei Tage nach dem 2:1 im UEFA-Cup beim slowakischen Spitzenclub MSK Zilina mit viel Respekt nach Hoffenheim reist: „Am Sonntag müssen wir 100 Prozent bei der Sache sein“, sagte Coach Martin Jol.

Neben den Partien in München und Hoffenheim steht die Begegnung von Borussia Mönchengladbach gegen den Karlsruher SC im Mittelpunkt des Interesses. Nach fünftägiger Trainingsarbeit will Rückkehrer Hans Meyer an der Seite seines neuen Co-Trainers Christian Ziege beim Altmeister die Trendwende einleiten: „Man muss einfach mal gewinnen und so schnell wie möglich von den Abstiegsrängen weg“, meinte Meyer, warnte die Borussen-Fans aber im gleichen Atemzug vor allzu großem Optimismus. „Da darf man sicher keine Wunderdinge erwarten.“

Nicht minder bedenklich ist die Situation bei Eintracht Frankfurt. Der wichtige Last-Minute-Erfolg im Nachholspiel am Mittwoch über den KSC wurde teuer erkauft. Im Kellerduell des Tabellen-15. mit dem Vorletzten Energie Cottbus fehlen neben den Langzeitverletzten die Profis Ioannis Amanatidis (Meniskus), Chris (Schulter) und Benjamin Köhler (Außenband). „So etwas habe ich in 17 Jahren noch nicht erlebt“, klagte Trainer Friedhelm Funkel, dem im Falle einer Niederlage weitere Diskussionen um seine Zukunft in Frankfurt drohen.

Den größten Anteil an der Torflut in der Bundesliga hatte bisher Werder Bremen. Das Team von Trainer Thomas Schaaf traf am häufigsten (22), kassierte aber auch die meisten Gegentreffer (19). Dieser Trend könnte auch im Nordderby bei Hannover 96 anhalten: Schließlich landete der Ball schon im Vorjahr häufig im Netz: Hannover gewann zu Hause 4:3, Werder revanchierte sich mit 6:1. Zudem müssen beide Teams ihre Ersatztorhüter aufbieten.

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