Braucht es Verkehrsinseln und Straßenverengungen?

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Schwäbische Zeitung

Die Balinger Straße ist – neben einer netten Abkürzung zum Rußberg – die Hauptverkehrsachse für viele Nordstadt-Bewohner. Die Balinger Straße ist aber auch Wohnort für viele Bürger, die in der Nordstadt leben. Es gibt nicht nur Mehrfamilienhäuser an der Straße, gerade im nördlichen Teil dominieren die Einfamilienhäuser – deren Bewohner damals dachten, sie bauen im ruhigen Wohngebiet. Nicht an einer Durchgangsstraße.

Allein für sie ist es unerlässlich, dass die Autos auf der Balinger Straße nicht von oben nach unten durchrasen können – was aktuell zumindest streckenweise möglich ist. Auch wenn sie Stop-and-Go-Verkehr produzieren: Verengte Straßenabschnitte und Verkehrsinseln machen die Straße zudem sicherer: In der Nordstadt wohnen viele Familien mit Kindern.

Was die Radfahrer angeht: Wo, wenn nicht in der Nordstadt, gibt es Nebenstraßen und Schleichwege? Die Anwohner kennen sich da meist am besten aus und nutzen sicherlich nur ungern die Balinger Straße als Hauptachse.

Und noch eins kommt hinzu: Auch wenn der Durchgangsverkehr nicht das größte Verkehrsproblem in der Nordstadt ist: Alleine zehn von den 30 Prozent in der nördlichen Balinger Straße wegzukriegen, wäre schon ein Erfolg. (von Dorothea Hecht)

Der Schritt, die Balinger Straße absichtlich unattraktiv zu machen, ist schwer nachvollziehbar. Wie die Verkehrszählung zeigt, liegt der Anwohnerverkehr bei 70 bis 90 Prozent. Diese Autos sind also ohnehin schon da und werden auch weiterhin durch die Balinger Straße fahren. Wozu also den Anwohnern unnötig das Leben erschweren? Sind die vorgestellten Maßnahmen wirklich das, was die Anwohner wollen?

Klar ist: Durch die Einengungen wird die Straße an mehreren Stellen einspurig. Kommt Gegenverkehr, bedeutet das, dass die Verkehrsteilnehmer halten und wieder anfahren müssen. Das ist nicht nur nervig, sondern produziert auch Lärm – und zwar mehr als beim konstanten Fließen des Verkehrs. Ganz zu schweigen von den Radfahrern, an die überhaupt nicht gedacht wird.

Man kann nicht hunderte neue Wohneinheiten planen, aber gleichzeitig Straßen zu Hindernisparcours umbauen. Natürlich ist der Wunsch der Anwohner nach einer Verkehrsreduzierung nachvollziehbar. Doch es gibt auch andere Maßnahmen: Etwa regelmäßige Geschwindigkeitskontrollen – auch das hindert am häufigen Befahren der Straße. Zudem ein auf beiden Straßenseiten optisch klar hervorgehobener Fahrradstreifen, damit auch hartgesottene Autofahrer sehen, dass sich in dieser Stadt das Radfahren lohnt. (von Sabine Krauss)

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