Darf ich mich auch schon vor Ablauf der Sechs-Monats-Frist boostern lassen?

19.11.2021, Hamburg: Ein Mann bekommt seine Auffrischungsimpfung im Corona-Impfzentrum im Asklepios Klinikum Harburg. Angesichts
Bei der jüngsten Impfaktion in Bad Saulgau war der Andrang so groß, dass viele Impfwillige abgewiesen werden mussten. (Foto: Christian Charisius)
Digital-Redakteur

Eine Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) sieht die sogenannte Booster-Impfung für Menschen, die schon einen vollen Impfschutz haben, frühestens nach sechs Monaten vor. Nun aber zeigen Studien, dass der Impfschutz mitunter auch schon früher nachlässt. Auch auf den Intensivstationen gibt es Fälle von Impfdurchbrüchen. Kann man sich also auch früher als sechs Monate nach der Zweitimpfung boostern lassen?

Der Leiter des DIVI-Intensivregisters, Christian Karagiannidis, betonte unlängst in einem Podcast, dass die Menschen, die derzeit trotz vollem Impfschutz auf Intensivstationen behandelt werden müssen, in der Regel vor sieben bis acht Monaten ihre letzte Impfung erhalten haben. Er sprach sich deshalb dafür aus, schneller zu boostern. Dem pflichten viele Virologen und Epidemiologen bei.

Jens Spahn (CDU), der geschäftsführende Bundesgesundheitsminister und der Leiter der Kassenärztlichen Bundesvereinigung Andreas Gassen kamen dem Wunsch vieler nach einer schnelleren Booster-Impfung nach. Vergangene Woche veröffentlichten sie einen Brief an die Mitglieder des Bundesverbandes und sprachen sie sich dafür aus, jeden ab 18 Jahren zu impfen. Auch, wenn diese nicht zu den Risikogruppen gemäß der aktuellen STIKO-Empfehlung gehören. 

Verständnis für die Hausärzte

In der Realität sieht es aber meistens so aus, dass viele Ärztinnen und Ärzte weiter an der Frist von sechs Monaten festhalten. Zumeist liegt das daran, dass es nach wie vor die Handlungsempfehlung der Stiko gibt, welche die Booster-Impfung vor allem für bestimmte Gruppen vorsieht.

Das sind aktuell ältere Personen, Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeeinrichtungen sowie medizinisches und pflegerisches Personal. An dieser Priorisierung orientieren sich die niedergelassenen Mediziner und Medizinerinnen weiter. 

Und damit liegen diese auch nicht falsch. Spahns Aussage zur Booster-Impfung für Personen ab 18 Jahren war keine verbindliche Anweisung.

Hausärzte befürchten zudem, dass ihr Praxen nach einer verbindlichen Aufweichung der Sechs-Monats-Frist überrannt werden. Und das zu einem Zeitpunkt, an dem es darum geht, ehemals Impfunwillige mit der ersten Spritze zu versorgen und die Corona-Impfaktion parallel zur Grippe-Impfung zu organisieren.

Fazit: Geht das nun mit dem Boostern?

Wie lässt sich die Frage nach der Booster-Impfung nun abschließend beantworten: mit Ja und Nein gleichermaßen.

Ja, man kann vor Ablauf der Sechs-Monats-Frist theoretisch geboostert werden, wenn man einen freien Impftermin ergattern kann sowie einen Arzt oder Ärztin hat, die sich zu einer früheren Booster-Impfung bereiterklären.

Einen Anspruch auf eine vorzeitige Drittimpfung gibt es aber nicht.

Andreas Rost, Allgemeinmediziner und Pandemiebeauftragter des Alb-Donau-Kreises erklärt dazu, im Landkreis gelte, dass Boostern "frühestens nach Ablauf des fünften Monats nach der Zweitimpfung" möglich sei. Personen, die schon drei Monate nach Zweitimpfung eine Drittimpfung wollten, würden abgewiesen.

Als Fazit könnte man sagen: Beim Arzt fragen kostet nichts. Man muss aber damit rechnen, dass man nach der Regel behandelt wird und nicht nach der Ausnahme. Und zweifellos werden es auch die Sprechstundenhilfen danken, wenn die Telefone nicht von jenen belegt werden, die eigentlich noch nicht an der Reihe sind.

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